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Ärzte weisen auf Risiken versäumter Krebsvorsorge-Termine hin

Viele Untersuchungen nachgeholt

Coesfeld. Viele Menschen haben in der Corona-Pandemie den Weg in eine Arztpraxis gescheut. Das sei besonders bedenklich, wenn es um die Krebsvorsorge und insbesondere auch um die Krebsnachsorge gehe, wie Dr. Christian Kämper, Facharzt für Radiologie von der Radiologischen Praxis Coesfeld Dülmen, mitteilt.

Manuela Reher

Die in der ersten Welle der Corona-Pandemie versäumten Krebsvorsorge-Untersuchungen sind zum Teil nachgeholt worden. Foto: pexels.com

„Es ist eklatant wichtig, die Nachsorgetermine wahrzunehmen“, betont der Mediziner. In den vergangenen Monaten sei durchaus feststellbar gewesen, dass die wichtige Krebsnachsorge zurückgegangen sei. „Es herrscht eine diffuse Unsicherheit und auch Angst vor Infektion mit dem Coronavirus“, kommentiert Dr. Kämper. Diese sei aber unbegründet, denn in der Praxis würden alle Hygienemaßnahmen strikt eingehalten. Außerdem sei das komplette Team bereits gegen das Corona-Virus geimpft. „Für uns kommt es darauf an, den Patienten die Angst zu nehmen“, sagt Dr. Kämper. Denn wer die bei der Krebsnachsorge vorgebenen Intervalle zwischen den Kontrollterminen verlängere, laufe Gefahr, dass wieder wachsende Tumore nicht rechtzeitig entdeckt würden.

Bei einigen Brustkrebs-Patientinnen habe man bereits sehen müssen, dass Tumore wieder aufgetreten seien, die früher hätten entdeckt werden können, wenn die Termine nicht aufgeschoben worden wären. „Es ist wichtig, dass wir solche Rezidive in einem möglichst frühen Stadium entdecken“, sagt der Mediziner. Denn dann seien die Heilungschancen größer.

Gynäkologe Ciprian Wagner teilt mit, dass im März und April 2020 die Zahlen der Krebsvorsorge in seiner Praxis deutlich zurückgegangen seien. In dieser Zeit (April 2020) sei das Praxisteam in Kurzarbeit gewesen und habe sich nur noch auf schwangere Patientinnen, Frauen mit einer Krebserkrankung und Frauen mit akuten Beschwerden konzentriert. Ein Vergleich der Zahlen der Krebsvorsorge vom vierten Quartal 2019 mit denen des vierten Quartals 2020 zeige hingegen, dass die Werte ungefähr gleich geblieben seien. Seit Mai 2020 laufe in der Praxis unter Einhaltung der AHA-Regeln wieder „alles normal“. Verschobene oder abgesagte Termine konnten nachgeholt werden. „Glücklicherweise gibt uns die räumliche Größe unserer Praxis diesen Spielraum“, kommentiert Ciprian Wagner.

Prof. Dr. Meinhard Schiller vom Hautarztzentrum Coesfeld bestätigt, dass viele Patienten die Hautkrebsvorsorge in der ersten Welle der Corona-Pandemie nicht wie gewohnt wahrgenommen hätten. Inzwischen habe sich die Situation aber wieder normalisiert. Die Patienten hätten erkannt, wie wichtig diese Vorsorge sei.

Durch den Lockdown während der ersten Welle der Corona-Pandemie seien die Zahlen der Früherkennungs-Darmspiegelung deutlich zurückgegangen, bestätigt Dr. Markus Dreck, Facharzt für Innere Medizin/Gastroenterologie und Proktologie. Dr. Markus Dreck nennt auch den damaligen (heute lange behobenen) Mangel an persönlicher Schutzausrüstung wie Mundschutz, Kittel, Visiere und Schutzbrillen, Handschuhen und Desinfektionsmittel als Grund dafür, dass die Praxen damals Untersuchungstermine absagen mussten. Die Berufsverbände, Kassenärztlichen Vereinigungen und die Ärztekammern hätten dazu aufgerufen, nur Notfalluntersuchungen durchzuführen, auch um Infektionsketten im Rahmen der ersten Infektionswelle zu unterbrechen.

Dr. Markus Dreck betont: „Wie viele unserer Kollegen hatten wir in unserer Gemeinschaftspraxis für Gastroenterologie und Proktologie Listen geführt, auf denen abgesagte Untersuchungen vermerkt wurden; diese Listen wurden nach und nach abgearbeitet, indem wir den Patienten nach und nach Termine anboten – wir haben auch an Samstagen die Praxis geöffnet, um so zeitnah die ausgefallenen Untersuchungen anbieten zu können.“

Ab Mai 2020 sei die Häufigkeit von Früherkennungs-Darmspiegelungen wieder gestiegen.

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