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Lieferengpässe und Lockdown-Angst sorgen für Andrang im Einzelhandel

Vorzeitiger Weihnachts-Ansturm

Coesfeld

Bei Ilse Gernemann herrscht schon seit Wochen Hochbetrieb. Denn ungewöhnlich früh setzte in diesem Jahr der Weihnachts-Ansturm auf ihren Spielwarenladen in Lette ein. „Die Menschen planen jetzt schon für Weihnachten und kaufen ihre Geschenke ein“, sagt sie.

Von Falko Bastos

Oben: Noch hat Ilse Gernemann in ihrem Letter Spielwarenladen einiges auf Lager. Aber die bei Kindern beliebten Hörspiel-Boxen gehen langsam zur Neige. Unten: Auch Tobias Terwey steckt mit seiner „Genießerei“ einen Monat vor Heiligabend schon mitten im Weihnachts-Rummel. Fotos: mwa, fab

Wie für viele andere Einzelhändler steht das Weihnachtsgeschäft für sie in diesem Jahr im Zeichen von Lieferengpässen durch gestörte internationale Lieferketten (wir berichteten). Und offenbar hat sich das auch unter der Kundschaft herumgesprochen. Um den Andrang zu bewältigen, hat Gernemann nun zusätzlich am Mittwochnachmittag geöffnet, an dem der Laden sonst geschlossen war.

Die Regale voller macht das aber nicht. „Wir haben uns ausreichend mit vielen Produkten bevorratet, aber trotzdem wird es an den ersten Stellen schon knapp.“ So seien die beliebten Hörspielwürfel namens „Toniebox“ in mehreren Farben derzeit nicht mehr lieferbar. Auch manche Lego-Sets oder Siku-Autos seien derzeit schwer zu bekommen.

Noch drastischer fallen die Lieferprobleme im Elektronik-Handel aus, wie der Coesfelder Medimax-Filialleiter Gert Hoppmann zu berichten weiß. „Wir merken jetzt schon, dass wir bei bestimmten Waren leerlaufen, wo wir vor Weihnachten definitiv nichts mehr kriegen.“ Dies gelte etwa für viele Apple-Geräte. Ganz zu schweigen von der Playstation 5. Denn wer die unter den Weihnachtsbaum legen will, braucht viel Glück. Verkauft werde diese nur online, aber sobald eine Lieferung reinkomme, sei diese in wenigen Minuten ausverkauft und die Website überlastet, so Hoppmann. Generell werde die Auswahl kleiner, berichtet Sven Kerkhoff, Teamleiter Multimedia und Mobilfunk bei Medimax. Wo vorher 300 Smartphones zur Verfügung standen, seien es jetzt noch 80.

Auch beim Juwelier Heming herrscht derzeit schon ordentlich Weihnachtsbetrieb. Dieser sei um diese Zeit des Jahres aber nicht ungewöhnlich, sagt Goldschmiedin Petra Heming. Denn die Weihnachts-Saison beginne durchaus schon im Oktober. „Viele Sachen werden angefertigt, die brauchen natürlich eine gewisse Vorlaufzeit.“

In der „Genießerei“ am Markt dagegen merke man den vorgezogenen Ansturm schon deutlich, sagt Hazel Terwey. Engpässen beim Verpackungs-Material habe man mit umfangreichen Vorräten entgegengewirkt. Doch auch bei der Ware gebe es immer wieder Lieferprobleme, sagt Genießerei-Inhaber Tobias Terwey. Gewürze und Marzipan etwa seien nicht immer zu bekommen. Und bevorraten könne man Frischware nunmal nicht ohne Ende. „Es fehlt nie alles, aber, wenn man genau das eine Produkt haben möchte, kann es schon eng werden“, sagt er.

Dass Lieferengpässe der einzige Grund für den vorgezogenen Kaufrausch sind, glaubt seine Frau aber nicht. Denn da ist ja auch noch die wachsende Corona-Unsicherheit. „Man weiß ja nicht, was noch auf einen zukommt“, so Hazel Terwey mit Blick auf einen möglichen neuen Lockdown. Ob Lieferkrise oder Lockdown-Angst, eine gewisse Torschlusspanik ist offenbar angekommen. Und was man hat, das hat man eben.

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