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Alle Tagesordnungspunkte zum Zusammenschluss mit der Volksbank Bocholt gestrichen

VR-Bank bedauert geplatzte Fusion

Coesfeld/Borken

Die geplatzte Fusion mit der Volksbank Bocholt ist von der VR-Bank Westmünsterland mit Bedauern quittiert worden. Bei der Vertreterversammlung am Donnerstagabend im Vennehof spielte die angestrebte Verschmelzung, auf die beide Häuser seit einem halben Jahr hingearbeitet hatten, nur noch eine Nebenrolle. Alle Tagesordnungspunkte, die mit dem angestrebten Vertrag mit der Volksbank Bocholt zu tun hatten, wurden ohne weitere Aussprache gestrichen.

Von Peter Berger

Die VR-Bank mit der Hauptstelle in Coesfeld bleibt eigenständig – genauso wie die Volksbank Bocholt. Foto:

Wie berichtet, war am Mittwoch bei einer separaten Veranstaltung der Bocholter Delegierten die nötige Dreiviertel-Mehrheit knapp verpasst worden. Mit einer Zustimmung von 72,4 Prozent zur Fusion fiel die Entscheidung jedoch hauchdünn aus.

Die Enttäuschung bei den Bankvorständen in Borken wie auch in Bocholt ist groß. „Bei aller Leidenschaft ist es uns nicht gelungen, bei allen Beteiligten den Fokus auf die Zukunft zu richten“, räumte der Bocholter Volksbank-Chef Franz-Josef Heidermann am Donnerstag selbstkritisch ein. In der Gesellschaft gebe es ein großes Veränderungstempo, insbesondere auch in der Banken-Branche. „Darauf wollten wir uns auch mit der Verschmelzung einstellen. Aber die Gründe, die ja im Wesentlichen in der Zukunft liegen, sind halt leider nicht 1:1 übernommen worden“, sagt Heidermann. Eine große Rolle beim geplanten Zusammengehen spielte die Digitalisierung.

Einen Grund für die Ablehnung sehen er und sein Kollege Herbert Kleinmann im Lokalpatriotismus: Dieses „Alles-gerne-vor-Ort behalten wollen“ sei für manche entscheidend gewesen. Vergeblich war von den Bank-Offiziellen zuvor betont worden, dass der Standort Bocholt im Zuge der Fusion sogar gestärkt werde.

Durch das ablehnende Votum tags zuvor in Bocholt war die Abstimmung am Donnerstag in Borken überflüssig geworden. Sowohl Vorstandsvorsitzender Dr. Carsten Düerkop als auch Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Rüskamp streiften den Bocholter Entscheid vor den rund 300 Teilnehmern nur kurz.

Stattdessen herrschte bei dem Treffen in der Borkener Stadthalle business as usual. In ihren Jahresberichten zeichneten Düerkop und sein Vorstandskollege Matthias Entrup ein positives Lagebild. Insgesamt sei das pandemiegeprägte Jahr 2020 zufriedenstellend verlaufen. Das steigende Kreditgeschäft und die Zunahme der Kundeneinlagen ließen die Bilanzsumme erstmals auf über drei Milliarden Euro (3,03) steigen. Das ist ein Plus von 9,04 Prozent. Der 8,8-prozentige Zuwachs bei den Anlagegeschäften hänge mit der coronabedingten Konsum-Zurückhaltung der Kunden zusammen. Die Region und mit ihr die VR-Bank hätten sich während der Corona-Pandemie insgesamt als sehr robust erwiesen. Die Konjunkturrisiken durch die gegenwärtigen Schwierigkeiten in den Lieferketten müssten jedoch im Auge behalten werden, so Vorstandsmitglied Berthold te Vrügt.

Anschließend ging es darum, den bereits für die Fusion erstellten Satzungs-Entwurf erneut anzupassen. Eine Neuregelung bleibt: Künftig können bei der VR-Bank bereits ab 50 Euro (statt bislang 150 Euro) Anteile gezeichnet werden. Die VR-Bank will dies als Anreiz insbesondere für jüngere Mitglieder verstanden wissen. Maximal können 50 Anteile erworben werden. In diesem Jahr wird für die Mitglieder eine Dividende von zwei Prozent plus 1,5 Prozent für die ersten zehn Anteile ausgeschüttet. Gegenwärtig hat die VR-Bank 48 000 Mitglieder, davon kamen 1262 im vergangenen Jahr dazu.

Blumen gab es am Ende für die neuen Aufsichtsratsmitglieder Annabell Tenbrink (Stadtlohn) und Stefan Hegmanns (Borken) sowie Karl Paskert. Der Velener gehörte dem Gremium 30 Jahre lang an, zuletzt als stellvertretender Vorsitzender und schied mit Erreichen der Altersgrenze aus.

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