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Parteien umwerben die Coesfelder Bürger im Endspurt vor der Wahl

Wahlkampfarena Fußgängerzone

Coesfeld

Heike Schumacher gehört zu einer umworbenen Zielgruppe. Denn sie ist politisch interessiert, hat noch nicht gewählt – und ist noch unentschlossen.

Von Falko Bastos

Auf engem Raum kämpfen CDU, FDP und Grüne in der Schüppenstraße um die Gunst der Wähler. Foto:  Bastos

Die Coesfelderin sympathisiert mit den Grünen wegen ihrer Umweltthemen, fühlt sich aber wirtschaftspolitisch der FDP näher.

Mit Armin Laschet als Ministerpräsident ist sie auch nicht unzufrieden. Sie möchte eigentlich nur Fisch kaufen, muss dafür aber durch die politische Kampfzone des Coesfelder Straßenwahlkampfs. Die Kampfzone, das ist an diesem Samstagvormittag die Schüppenstraße. Gleich vier Parteien ringen hier auf weniger als 100 Metern um die Gunst der Coesfelder Wähler.

Nur Klaus Stegemann, Bundestagskandidat der Linken, steht – Zufall oder nicht – etwas abseits in der Kupferstraße. Apropos im Abseits: Am CDU-Stand wirkt Kanzlerkandidat Armin Laschet ziemlich klein neben dem riesigen Plakat von MdB Marc Henrichmann. Versteckt werde er aber nicht, beteuert Valentin Merschhemke. „Laschet ist dabei und obenauf“, sagt er – und muss dabei selbst lachen. Heike Schumacher sucht noch nach dem einen Thema, das sie überzeugt. Die CDU offenbar auch.

 Keiner kommt ums Klima rum

„Das Land in jeder Hinsicht innovativer aufstellen“, sagt Merschhemke. Doch wer hätte dazu in den letzten 16 Jahren bessere Gelegenheit gehabt als die CDU? „Da haben wir die letzten 30 Jahre geschlafen“, sagt Ratsmitglied Tobias Musholt zum Thema Digitalisierung. Ob sie es wollen oder nicht, am Ende kommt keine Partei um ein Thema herum: das Klima. Am Info-Stand von „Coesfeld for Future“ gibt es dazu einen Wahlcheck des WWF, der die Programme der Parteien auf ihre umwelt- und klimapolitischen Forderungen untersucht. „Autsch, voll daneben“, lautet das Urteil zum Klimaschutz bei der FDP. „Kann ich gar nicht verstehen“, sagt Michael Fabry (FDP).

Valentin Merschhemke

„Deutschland muss nicht in jeder Hinsicht Vorreiter sein“, meint er zu einem Kohleausstieg vor 2038. „Wir haben doch alle das Ziel, die Klimakatastrophe aufzuhalten, nur der Weg dahin ist anders.“ „Verbote verbieten“ steht auf den Jutebeuteln, die die FDP verteilt. Und der Adressat ist klar. „Uns ärgert einfach die Grundausrichtung der Grünen, alles über Verbote regeln zu wollen.“ Ebensolche Verbote bei Fleischkonsum und Autofahren seien die Konsequenz des grünen Wahlprogramms. „Absolut nicht“, widerspricht Mareike Raack, Sprecherin der Kreistagsfraktion der Grünen. Es sei grundfalsch jedem Einzelnen die Schuld an der Klimakrise zu geben. Doch warum gehen die Grünen angesichts der Omnipräsenz ihrer Themen nicht als Favoriten in den Endspurt zur Bundestagswahl? Größter Vorbehalt gegen die Grünen sei die Vorstellung, selbst „ein hundertprozentiger Engel“ sein zu müssen, um sie zu wählen sagt Raack. Und dann ist da noch die Kandidatin.

Unangenehme Bürgerbeteiligung

„Warum Annalena?“, sei eine der Fragen, die sie am häufigsten höre, verrät Raack. „Es ist schade, dass sie manchmal nicht so rüberkommt.“ Gänzlich zufrieden mit dem eigenen Kanzlerkandidaten ist man wohl nur bei der SPD. Etwas unangenehm scheint dem Bundestagskandidaten Johannes Waldmann an diesem Tag nur ein lokales Thema. Am Stand hatte die SPD die Coesfelder aufgerufen, ihre Wünsche aufzuschreiben. Als ihm Michael Heiming vom Ortsverein die Zettel übergibt, steht auf dem obersten: „Westfleischerweiterung stoppen“. Gegen die Erweiterung will die SPD sich aber nicht positionieren. „Das ist nicht unsere Forderung“, stellt Waldmann hastig klar. „Ich nehme das als Anregung mit.“ Und Heike Schumacher? Ist gegen Massentierhaltung. Wählen wolle sie auf jeden Fall, sich aber erst im letzten Moment entscheiden. Vielleicht kommt es noch, das Thema, das sie überzeugt.

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