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Über 100 DRK-Mitarbeiter im Überflutungsgebiet im Einsatz – spontane Aktion von „Coesfeld for Future“

Welle der Hilfsbereitschaft rollt

Coesfeld

„Wir sind nicht nur die, die wegen des Klimawandels mahnen. Wir packen auch an“, stellt Susanne Keull von „Coesfeld for Future“ klar. In diesem Sinne haben sie und ihr Mann Jens am Wochenende eine spontane Hilfsaktion gestartet. Durch einen privaten Kontakt hatten sie Kenntnis von einer konkreten Notlage in Heppingen. Elf Helfer (aus der Gruppe und darüber hinaus) fuhren am Sonntag mit mehreren Fahrzeugen und Anhängern – beladen mit am Samstag gesammelten Hilfsgütern – ins Ahrtal. Mit dabei: großzügige Sachspenden des örtlichen Hagebaumarkts. „Schlamm bis in die Wohnungen, alle Möbel mussten raus zum Sperrmüll“, schildert Jens Keull die ersten Eindrücke vor Ort. Die Aufgabe ist so groß, dass er mit einigen Helfern noch bis nächste Woche bleiben will. Die anderen, die keinen Urlaub mehr haben, kehrten in der Nacht zurück.

Von Detlef Scherle

Das Sortieren von privat gespendeten Gütern gehörte am Wochenende auch zu den Aufgaben der DRK-Helfer aus dem Kreis Coesfeld. Foto:

Wieder im Kreis Coesfeld angekommen sind auch über 100 ehrenamtliche Helfer, die das Deutsche Rote Kreuz auf Anforderung der örtlichen Behörden übers Wochenende in das Katastrophengebiet geschickt hatte. In 24-Stunden-Schichten arbeiteten die Freiwilligen, darunter auch Mitglieder des Coesfelder Ortsvereins, bis zur Erschöpfung in einer Schule in Heimerzheim (Rhein-Sieg-Kreis) und in einer anderen Unterkunft in Steinbach. Sie betreuten bis zu 1000 obdachlos gewordene Menschen, die teils mit Hubschraubern aus ihren Häusern gerettet worden waren, und sortierten von Privatleuten gespendete Hilfsgüter. „Viele Helfer haben nur wenig Schlaf gefunden und waren im Dauereinsatz“, berichtet Uwe Jentsch vom DRK-Ortsverein Coesfeld. Das Leid der Menschen, die alles verloren, habe selbst erfahrene Hilfskräfte, die schon viel erlebt haben, fassungslos gemacht. Immer wieder gab es in der Unterkunft auch Nachfragen, ob dort Vermisste untergebracht sind. „In jedem Fall wurden die Listen gecheckt. Leider konnten wir keine Angehörigen zusammenführen“, so DRK-Vorstand Christoph Schlütermann.

„Immer wieder haben sich auch Menschen, die sich bei den Aufräumarbeiten verletzt haben, in den vom DRK betreuten Zentren gemeldet“, berichtet Schlütermann. Die seien dann erstversorgt oder in das nächste Krankenhaus gebracht worden. Vielfach erfuhren die Betreuer von schlimmen Schicksalen, dass zum Beispiel Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn von den Fluten mitgerissen und seither nicht mehr gesehen wurden. „Das müssen nun auch die Helfer erst einmal verarbeiten“, erklärt Schlütermann. „Die sind auch aufgekratzt von dem Erlebten.“

Beeindruckt ist das DRK von der enormen Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Schlütermann rät aber, von gut gemeinten Sachspenden abzusehen. „Geld spenden ist effektiver“, erklärt er. Die Helfer drohten zu ersticken in Sachspenden. Die müssten ja vor dem Verteilen sortiert werden. Und momentan gebe es noch viele wichtigere Aufgaben.

Jetzt sind erstmal wieder alle zu Hause. Wie es für die DRK-Helfer aus dem Kreis Coesfeld weitergeht, weiß Schlütermann noch nicht. „Das hängt davon ab, ob wir nochmal angefordert werden.“ Das sei nicht unwahrscheinlich.

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