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Andreas Leistikow und Gottfried Wolf sind findige Tüftler

Wenn aus Schrott Windräder werden

Coesfeld/Nottuln. Der Garten von Andreas Leistikow ist kein gewöhnlicher Garten. Wohin man auch schaut, kleine Windräder ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Jedes einzelne natürlich selbst entworfen und gebaut. Denn alles, was mit den Naturkräften wie Wind, Wasser und Sonne zu tun hat, gehört zu den Leidenschaften des 83-jährigen Tüftlers und Erfinders. „Ich bin nicht dafür gebaut, im Sessel zu sitzen und nichts zu tun“, sagt er. Eigentlich ist der Nottulner ausgebildeter Landwirt, dann hat er in verschiedene Berufe hineingeschnuppert aber „es war nichts Passendes dabei“.

Iris Bergmann

Erfinderkollegen unter sich: Andreas Leistikow (l.) und Gottfried Wolf aus Coesfeld fachsimpeln über ihre Konstruktionen, die alle aus Altmaterial bestehen. Fotos: Iris Bergmann Foto: az

Schließlich landete er im mittleren Postdienst und arbeitete in Appelhülsen und in Nottuln. Es war in den Jahren 1979/80 als er begann, sich in der Freizeit mit dem Thema Energie auseinanderzusetzen und erste Überlegungen dazu anzustellen. Konkret jedoch wurden seine Ideen, als er sich 1990 einen Linearmotor ausleihen konnte und daraus mit einem selbst gebauten Magnetring einen Scheibengenerator baute. „Der schaffte 75 Watt“, erzählt Leistikow stolz.

Dann stieg er in die Energieerzeugung per Windrad ein. Er entwarf einen „Rundflügelrotor“, der die Form einer Acht hat. „Zum Testen bin ich mit dem ersten Entwurf im Wohnzimmer immer schnell auf- und abgegangen, um zu sehen, ob es sich dreht“, erzählt er lachend. Inzwischen hat er mehrere davon gebaut, und sie funktionieren nicht nur gut, sondern sehen auch noch toll aus. Zwei Exemplare hat er aktuell in seinem Garten.

Die Leidenschaft des Erfindens teilt Andreas Leistikow mit seinem Freund, dem Diplom-Ingenieur Gottfried Wolf aus Coesfeld. Die beiden haben sich vor vielen Jahren kennengelernt, als Leistikow über das Pictorius-Berufskolleg an Wettbewerben teilnahm. Seitdem ergänzen sie sich. „Wir sind Erfinderkollegen“, bekräftigen sie unisono. Und nicht nur das: Sie sind ein Team. Als Leistikow zum Beispiel mal ein kleines Wasserrad baute und dieses im Betrieb recht laut war, hatte Wolf die zündende Idee, die Radschaufeln anders anzuordnen, sodass am Ende nicht nur der Aufschlag der Schaufeln leiser wurde, sondern prozentual auch mehr Energie erzeugt werden konnte.

Was die Erfindungen von Andreas Leistikow und Gottfried Wolf so besonders macht ist, dass kein einziges Teil dafür gekauft wird. „Alles, was ich nutze, ist Altmaterial, ich kaufe nichts“, erklärt Leistikow. Er schaut sich bei Schrotthändlern um, im Fahrradhandel, ja selbst wenn er irgendwo unterwegs ist, scannen seine Augen die Umgebung ab nach brauchbarem Material für seine Erfindungen. Er ist Jäger und Sammler. „Nachhaltig nennt man das“, bekräftigt er.

Und auch wenn er inzwischen körperlich nicht mehr so fit ist, im Kopf arbeitet es noch sehr. Immer noch wird der Senior früh wach, wenn ihm etwas im Kopf herumspukt. „Dann steh ich auf und fange an zu bauen – und wenn es auch morgens um fünf ist.“ Seine Frau Siegrun nickt bestätigend. Sie kennt das, behält die Ruhe und genießt den Vorteil, den es hat, einen handwerklich und technisch versierten Mann im Hause zu haben. Egal, ob es eine elegante Schiebetür zum Wintergarten ist oder ein Esstisch oder gar die Energieerzeugung per Solaranlage: Andreas Leistikow baut das. „Ich war der erste, der 1993/94 eine aus Schrott selbst gebaute Solaranlage auf dem Dach hatte“, erzählt er nicht ohne Stolz.

Dennoch, gibt der Erfinder zu, das Selberbauen falle ihm zunehmend schwerer. Da komme dann sein Freund und Erfinderkollege Gottfried Wolf ins Spiel. Der 81-jährige ist dankbar für jede Idee des Nottulners und setzt diese dann ehrenamtlich in der „Talentschmiede“ des Dachverbandes KIT e. V. (Kreativität, Innovation und Technik) in Schöppingen um. Dort arbeitet Wolf mit Schülerinnen und Schülern zusammen und hat in der Werkstatt viele Möglichkeiten.

„Zugegeben, die Ideen sprudeln nicht mehr so wie früher“, bedauert Andreas Leistikow, fügt dann aber hinzu: „Naja, irgendwann ist ein Thema dann ja auch abgearbeitet. Was soll ich mit zig Windrädern?“

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