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Neue Quarantäne-Regeln werden an den Coesfelder Schulen überwiegend begrüßt

Wenn nur noch ein Platz frei bleibt

Coesfeld 

Quarantäne für Sitznachbarn, nur für positiv getestete Schüler oder für die ganze Klasse – was gilt denn nun? Diese Frage dürften sich Eltern angesichts der Vielzahl verschiedener Regelungen stellen. Während die Gesundheitsministerkonferenz beschlossen hat, enge Kontakte von positiv getesteten Schülern nach Hause zu schicken, will das Land NRW die Quarantäne für Mitschüler streichen. Und das Gesundheitsamt kann im Einzelfall ganz anders entscheiden – und schickt teils auch ganze Klassen in Quarantäne.

Von Falko Bastos

Sitznachbarn von positiv getesteten Schülern sollen nicht mehr in Quarantäne gehen. Foto: Bastos

„Das hat ganz viel Unruhe und Unsicherheit unter den Eltern gebracht“, sagt Ute Hoppe, Schulleiterin der Martin-Luther-Grundschule. Problematisch sei es etwa, dass das Gesundheitsamt von Fall zu Fall verschieden entscheide. Immerhin über die Regel herrscht jetzt Klarheit. Denn ab sofort sollen nur noch positiv getestete Schüler für 14 Tage zu Hause bleiben. Und sollten doch einmal Kontakt-Personen ohne positiven Test in Quarantäne müssen, verkürzt sich diese auf zehn Tage. Dies gelte auch rückwirkend, so Kreis-Sprecher Hartmut Levermann. Zusätzlich können sich Kontaktpersonen nach frühestens fünf Tagen per PCR-Test oder nach sieben Tagen per Schnelltest freitesten. Bis vor kurzem noch hatte das Coesfelder Gesundheitsamt teils ganze Klassen in Quarantäne geschickt. „Das sind immer Einzelfälle“, erklärt Levermann. In einem Fall in Coesfeld habe eine Klasse Kontaktsport in der Turnhalle betrieben. Denkbar seien auch Klassenausflüge oder andere Fälle, in denen sich im Nachhinein nicht mehr ermitteln lasse, wer mit wem in engeren Kontakt getreten sei.

Bemerkenswert ist es da, dass das Schulministerium die Dokumentationspflicht für Kontakte abschaffen will. Sitzpläne seien nicht mehr anzufertigen, heißt es in der letzten Schulmail. „Wir lassen die Dokumentation nicht fallen“, betont dagegen Michaela Ellerbrock, Schulleiterin der Lambertischule. Nur so ließen sich Kontakte im Nachhinein noch nachvollziehen. Das hofft auch Jenny Müthing, Schulpflegschaftsvorsitzende der Martin-Luther-Schule. „Wir vertrauen weiterhin darauf, dass die Schule da ein Auge drauf hat.“ Sie begrüßt, dass es nun eine einheitliche Regel gibt. Ähnlich sieht das Sven Lasch, Schulpflegschaftsvorsitzender des Heriburg-Gymnasiums. „Wenn man in die Elternschaft hineinhört, ist der Wunsch nach Normalität sehr groß.“ Auch die Schulleiterinnen Ute Hoppe und Michaela Ellerbrock sehen darin einen Schritt in die richtige Richtung. „Eltern rutschen sonst von einer Quarantäne in die nächste“, so Ellerbrock. Kritischer sieht das Simone Flissikowski, Kreisverbandsvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie sehe die neue Marschroute mit „einem lachenden und einen weinenden Auge“. „Natürlich bedeuten die neuen Regeln maximalen Präsenzunterricht.“ Das entlaste Eltern, Lehrer und nicht zuletzt die Schüler. Die psychosozialen Folgen des Homeschoolings nennt sie „gravierend“.

Was das für das Infektionsgeschehen bedeute, sei aber eine andere Frage. „Es läuft auf Immunisierung durch Infektion hinaus.“ Dabei sei noch längst nicht absehbar, was etwa „Long Covid“ mit Kindern mache. „Präsenzunterricht ist wichtig. Aber es darf nicht auf Kosten der Gesundheit gehen.“ Stattdessen hätte die Gewerkschaft eine andere Variante bevorzugt: „Aus unserer Sicht wäre es eine gute Lösung gewesen, wenn direkte Kontakpersonen von infizierten Kindern für wenige Tage in Quarantäne gehen und sich anschließend freitesten können.“

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