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Erklär-Konzert des Förderkreises Orgelmusik

Wie im Farbkasten Klangfarben kombinieren

Coesfeld

Sie ist das größte aller Musikinstrumente, das leiseste und das lauteste. Ihre höchsten Pfeifen tun fast weh in den Ohren und sind für manche gar nicht mehr zu hören, die Kontrabombarde dagegen geht bis tief in den Bauch. Unglaublich, wie viele Töne in einer Orgel stecken und welcher Reichtum an Klangfarben durch eine Vielzahl verschiedener Pfeifen erzeugt werden kann. Kein Wunder, dass sie als Königin der Instrumente gilt. Und da die Orgel 2021 zum Instrument des Jahres gekürt wurde, „passt es gut, sie einmal ins Zentrum zu rücken und in ihr Innenleben zu schauen“, erklärt Heinz-Josef Holthaus vom Förderkreis Orgelmusik, der als Moderator durch ein besonderes Konzert führt, in dem es darum geht, die Orgel besser zu verstehen (wir haben gestern bereits kurz darüber berichtet).

Von Ursula Hoffmann

Mit Hilfe von Bruno Visser (li.), Hobby-Orgel-Bauer aus Stadtlohn, konnten die Konzertbesucher die „Doe-Orgel“ zusammenbauen und so das vorher Gehörte in die Praxis umsetzten. Foto: Foto: ho

Holthaus hat viel Anschauungsmaterial mitgebracht, Metall- und Holzpfeifen verschiedener Größen, eine Kuckucksflöte und viele Fotos, die bis in die hintersten Winkel dieses Instruments führen. Beginnend mit dem, was man von der Orgel im Kirchenraum sieht – große, glänzende Orgelpfeifen, zwei Spieltische, einer auf der Empore, einer unten vor dem Altar – erklärt er eine Fülle von Details, die alle zusammenwirken, damit dieses besondere Instrument in aller Schönheit zum Klingen gebracht werden kann.

Die Zuhörer in der gut besuchten Jakobikirche lernen, dass hinter jeder der 56 Tasten der Orgel eine Pfeife steckt, die in Fuß gemessen wird. Die Orgel in der Jakobikirche hat circa 3000 Pfeifen, die in Orgelfamilien, die jeweils ein Register bilden, unterteilt sind. Es gibt zum Beispiel 8-Fuß-Register, die 2,40 Meter hoch sind, oder 32-Fuß-Register, die fast 10 Meter messen. Die Mischung aus Holz- und Metallpfeifen ergibt dabei das farbenprächtige Bild.

Organistin Kathrin Borda sitzt am unteren Spieltisch und setzt das, was Holthaus erklärt, in die Praxis um. Wie in einem Farbkasten kombiniert sie die verschiedenen Klangfarben miteinander. Ruhig und warmherzig erklingt das Abendlied „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“, imposant und festlich dagegen der „Hochzeitsmarsch“ von Mendelsohn-Bartholdy. Helle Register setzen dabei über die dunklen eine glänzende Klangkrone.

Bei „Träumereien mit der Maus“ treten Haupt- und Chororgel in einen Dialog. Und natürlich spielt der Wind eine große Rolle. Während Bach – so zeigt ein Foto – noch bis zu sechs gestandene Mannsbilder brauchte, um die Blasebälge zu treten, sorgt heute viel Technik dafür, dass die Orgel spielen kann.

Mit der „Rausschmeißersymphonie“, der „Toccata d-Moll“ von Bach geht ein ebenso kurzweiliges wie informatives Konzert zu Ende und für die interessierten Zuhörer gibt es im Paradies eine kleine Ausstellung, deren Herzstück eine von Bruno Visser und Holthaus gebaute Doe-Orgel (doe: niederländisch, machen) ist. Visser hat sie in Einzelteile zerlegt und ermuntert die Gäste, selbst Hand an zu legen beim Zusammenbau – so kann das theoretisch Erlernte hier gleich in die Praxis umgesetzt werden und so manches Detail wird noch verständlicher.

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