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Zwei Ideen für die Umgestaltung des Stadtparks

Wild-Meerschweinchen oder Wasserspiele?

Coesfeld

Der Stadtpark an der Billerbecker Straße soll aus seinem Dornröschenschlaf geweckt werden. Zwei Vorschläge liegen dafür jetzt auf dem Tisch. Die Machbarkeitsstudien wurden von den Planern in einer gemeinsamen Sitzung von Umwelt- und Bauausschuss vorgestellt. Die Entscheidung soll am 28. Oktober im Stadtrat fallen. Zuvor beraten am 6. Oktober noch einmal der Umwelt- und am 7. Oktober der Bauausschuss.

Von Detlef Scherle

Das Konzept des Grimpinger Hofs sieht Gehege für 14 eher kleinere Tierarten vor, darüber hinaus einen großen Erlebnisspielplatz mit gastronomischem Angebot. Ab 19 Uhr würde der Park geschlossen. Foto:

1. Vorschlag: "Grimpinger Hof": In einen kleinen Tierpark will die Firma Animal & Amusement Parkdesign das Areal verwandeln. 14 Tierarten, davon zehn im Bestand bedroht, sollen dort nach Angaben der Inhaber Markus Köchling und Jeanette Heindorf eine neue Heimat finden. Die Palette reicht dabei vom Münsterischen Meerschweinchen (das ist eine von einem Forscher der Uni Münster in Südamerika entdeckte Wildart, kleines Bild) über Erdmännchen und belgische Bartkaninchen bis hin zu Wildwellensittichen. „Es werden alles keine geruchsintensiven Tiere sein“, nahm Köchling Anwohnern schon mal Sorgen. Der Eintritt soll frei sein. Finanzieren will er den Tierparkbetrieb neben einem Zuschuss der Stadt über gastronomische Angebote („Oma Friedas Hofküche“) und kostenpflichtige Events wie Kindergeburtstage, Führungen und Workshops. Außerdem sollen Bürger Tier- und Futterpatenschaften übernehmen können. Artenschutz, Natur- und Umweltbildung sind Ziele der Einrichtung, die detailgetreu einem alten westfälischen Bauernhof nachempfunden werden soll. Darüber hinaus ist Heindorf und Köchling aber auch inklusives Arbeiten sehr wichtig. Sie haben derzeit bei ihrem Projekt „Cornys Maislabyrinth“ (an der B 525) einen Mitarbeiter von Haus Hall beschäftigt. Darüber sollen auch die Angestellten für den Grimpinger Hof rekrutiert werden. „Der beste Inklusionsort ist, wenn Menschen ganz unkompliziert zusammenarbeiten“, bringt es Köchling auf den Punkt.

Er verspricht sich von dem Projekt auch Impulse für den Tourismus. „Wir glauben an eine sehr hohe Strahlkraft“, erklärte er. Nicht verstehen könne er bereits in sozialen Medien geäußerte Kritik, dass es dann mit der Ruhe im Park vorbei sei. „Ja, da sollen Leute hinkommen. Dafür ist der Stadtpark da“, hob er hervor. Gegen befürchteten Vandalismus hat er auch schon Pläne. Das gesamte Gelände soll eingezäunt werden. Im Sommer hätte man ab 19 Uhr und im Winter ab 16.30 Uhr keinen Zugang mehr.

Grimpinger Hof


2. Vorschlag: Wasserspielplatz mit historischem Bezug:
Das Thema Wasser – der Stadtpark wird mit Berkel, Honigbach und Fegetasche ja gleich von drei Wasserläufen durchzogen – greift das Landschaftsarchitektur-Büro L02 aus Münster auf. Zielgruppe sind vor allem junge Familien (mit Kindern bis zwölf Jahre), die zahlreiche, auch außergewöhnliche Spielmöglichkeiten vorfinden, Natur und Kultur hautnah erleben sollen. An mehreren Stellen soll dabei das kühle Nass und auch Sand ins Spiel kommen. Weiterer Clou: Einige Spielinseln sollen konkrete historische Bezüge zu Coesfeld haben. So könnte ein ganz kleiner Teil der ehemaligen Citadellenbefestigung nachmodelliert werden. Weitere geschichtliche Themen sollen die Entstehung der Bauerschaften (um 1100), die Verleihung der Stadtrechte (1197) und Coesfeld als Teil Preußens (1815) sein. „Der Park soll überschaubar bleiben“, betonte Diplom-Ingenieur Sven Witte. Alle Spielgeräte und Einrichtungen sollen daher nicht größer als 1,60 Meter ausfallen – zum Beispiel Spielhäuser aus Holz, die bäuerliche Strukturen versinnbildlichen. Oder Baumstämme zum Balancieren und Klettern. Was genau kommt, ist noch nicht klar – das soll in Workshops mit interessierten Bürgern erarbeitet werden. Witte will das Gelände über einen asphaltglatten Rundkurs mit dem Stadtwappen als Skatebowl erschließen (auf dem Plan in Gelb). Darauf können sich dann Kinder mit Skateboards, Rollschuhen und Rollern tummeln. Darüber hinaus sind Nebenwege geplant, die sich bewusst nicht zum Befahren mit Rollen eignen. „Eine Halfpipe wird es nicht geben“, wies er auf einen Fehler in der Vorlage zur Sitzung hin. „Das soll keine Anlaufstelle für Jugendliche werden“, hob er hervor. Die suchten andere Herausforderungen. Ruhe finden sollen die Besucher auch: An der Mündung des Honigbachs in die Berkel soll ein Aussichtspunkt mit Pergola entstehen, der einen herrlichen Rundblick auf die Wasserlandschaft ermöglicht.

Park am Honigbach

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