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Peter Heckmann macht mit Video auf dramatische Lage des Textil-Einzelhandels aufmerksam

Winterware spenden statt schreddern

Coesfeld. „Lassen Sie uns nicht im Regen stehen!“ lautet der eindringliche Appell von Peter Heckmann an die Politik. Der Textil-Einzelhändler aus Haltern, der auch in Coesfeld – in der Letter Straße – einen Store betreibt, steht in einem Video, das er vor ein paar Tagen auf Youtube hochgeladen hat, mit zerfleddertem Regenschirm vor einem seiner drei Läden. Der kaputte Schirm, durch den das Wasser dringt und ihn pudelnass macht, symbolisiert die aus seiner Sicht unzureichenden Hilfen des Staates, die bei den Händlern auch nicht richtig ankämen. „Selbst mein Steuerberater kommt damit nicht klar“, klagt er. Und so habe er von den zugesicherten Dezember-Hilfen noch nichts gesehen.

Detlef Scherle

Mit einer unkonventionellen Idee prescht Peter Heckmann nach vorn. Foto: az

Seine 60 Mitarbeiter, davon 20 in Coesfeld, sind in Kurzarbeit. Auf der eingekauften Wintermode bleibt er sitzen. „Aufgrund des verlängerten Lockdowns kann sie wohl größtenteils nicht mehr verkauft werden“, erläutert er auf AZ-Nachfrage. Material zum Schreddern? Heckmann trägt in dem Video, das mittlerweile mehr als 2000 Mal angeschaut wurde, eine alternative Idee vor: Bis zu 50 Prozent der unverkauften Kleidung könnten er und andere Inhaber von Modegeschäften an Bedürftige (zum Beispiel in Flüchtlings- und Obdachloseneinrichtungen und weiteren Wohltätigkeitsorganisationen) abgeben – gegen Spendenquittungen, die das Finanzamt dann bei der Steuer berücksichtigt. „So könnten Verluste erstattet werden.“ Ganz ohne bürokratische Anträge.

Viel Lob gibt es im Netz für den Vorschlag, vor allem auch, weil er den Wahnsinn, dass aufwendig produzierte, hochwertige Ware am Ende im Reißwolf landet und zu Füllmaterial für Autositze wird, stoppen könnte. Über 500 Likes gab es auf Facebook. 807 Mal wurde der Beitrag geteilt. „Wir freuen uns über die Resonanz vor allem zahlreicher Kunden“, so Heckmann.

Aber kommt die Botschaft auch in Düsseldorf und Berlin an? „Da scheint sich was zu bewegen“, so Heckmann. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat jetzt vorgeschlagen, dass der Einzelhandel nicht verkäufliche Saisonware komplett als Fixkosten abschreiben können soll. Dass daraus eine konkrete, praktikable Lösung wird, hofft auch Bürgermeisterin Eliza Diekmann. „Die Einzelhändler haben es derzeit besonders schwer – da muss geholfen werden“, hebt sie hervor. „Sehr gut“ findet sie die Idee von Heckmann: „Das ist ein praktikabler Ansatz.“ Besonders positiv sei daran, dass nicht nur dem Handel, sondern auch Bedürftigen geholfen werde und Ressourcen geschont würden. Die Stadt selbst kann aktuell nicht viel für die Händler tun. Allerdings soll mittelfristig einiges passieren, um die Attraktivität der hiesigen Fußgängerzone zu erhöhen – unter anderem über ein Leerstandsmanagement. Die Stadt beteiligt sich am „Sofortprogramm zur Stärkung der Innenstädte und Zentren in NRW“. Das war gestern Abend auch Thema im Haupt- und Finanzausschuss. | Bericht folgt

Video abrufbar unter: | https://youtu.be/45oc2_qbC0

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