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Markus Köchling und Jeanette Heindorf über die Machbarkeitsstudie zum Grimpinger Hof

„Wir dürfen die Chance nicht verpassen“

Coesfeld

Lange war es still geworden um den Grimpinger Hof. Nun könnte es bald aber doch etwas werden. Die Machbarkeitsstudie ist fertig und soll am Dienstag (31. 8.) zunächst dem Umwelt- und dem Ausschuss für Planen und Bauen vorgestellt werden. Jeanette Heindorf und Markus Köchling, die zusammen die Geschäftsführung von A & A Parkdesign bilden, verraten vorab im Interview mit Redakteur Florian Schütte, worauf sie bei der Studie den Schwerpunkt gelegt haben und wie sie mit dem Projekt neben Inklusionsarbeit auch Artenschutz machen möchten.

Herr Köchling, das Projekt ist in der Bevölkerung durchaus auf Zustimmung gestoßen und auch die Fraktionen im Rat haben zunächst grünes Licht gegeben. Nun sind Sie als Initiator des Projekts seit letztem Jahr selbst Ratsmitglied der CDU und der Vorwurf des Lobbyismus steht im Raum.

Markus Köchling: Wenn ein Engagement in der Stadtentwicklung oder der lokalen Wirtschaft ein Ausschlusskriterium für eine Ratsmitgliedschaft ist, wäre der Rat wohl ziemlich ausgedünnt. Dass ich mich aber bei der Abstimmung im Fachausschuss und im Rat natürlich für befangen erkläre und mich in der Diskussion enthalte, ist selbstverständlich. Am Ende ist es auch kein Parteiprojekt, sondern durch die Tatsache, dass wir so viele Bürger daran beteiligt haben, ein Projekt von Coesfeldern für Coesfelder.

Knapp drei Jahre sind von der Grundidee bis zur jetzt fertigen Machbarkeitsstudie für den Grimpinger Hof vergangen. Wie viele Stunden Arbeit sind seitdem in dieses Projekt geflossen?

Köchling: Das lässt sich kaum noch genau sagen, unzählige.

Jeanette Heindorf: Wenn man Acht-Stunden-Tage ansetzt, waren es bestimmt vier Monate Arbeit inklusive aller Termine.

Welche Termine wären das zum Beispiel?

Köchling: Termine vor Ort und mit der Verwaltung. Wir haben mit verschiedenen Experten gesprochen und sind sogar bis nach Schweinfurt gefahren, wo ein ähnliches Konzept umgesetzt wurde. Wir haben zudem mit vielen Bürgern geredet und alles zusammengetragen.

Nun liegt die Machbarkeitsstudie vor. Was ist die Kernbotschaft dieser Studie?

Köchling: Die Kernbotschaft ist: Es ist machbar, den Stadtpark so zu gestalten, dass seine Strahlkraft über die Grenzen der Region hinausreicht. Und wir haben die Studie ja nicht alleine erstellt, sondern zusammen mit anderen Experten und Coesfeldern. Unser Maislabyrinth mit rund 10 000 Besuchern in drei Monaten zeigt einen Bedarf auf, und die Menschen sind begeistert, wie wir. Ich bin überzeugt, dass auch der Grimpinger Hof ein Erfolg wird. Denn es gibt in Coesfeld einfach kaum Angebote für Familien mit Kindern.

Heindorf: Wir haben unsere Zielkunden, also die Besucher, genau im Blick. In Coesfeld leben junge Familien und für diese sind wir das perfekte Ziel. Bei uns kann sich aber grundsätzlich jeder in jeder Altersgruppe wohlfühlen.

Und welche Ziele verfolgt der Grimpinger Hof?

Heindorf: Wir wollen einen nicht genutzten Park quasi wiederbeleben, im Stadtpark einen Treffpunkt schaffen und Möglichkeiten der naturnahen Bildung bieten. Es ist der perfekte Ort für Inklusionsarbeit, wo Menschen Menschen und Tieren begegnen.

Köchling: So können wir den Grimpinger Hof zu einem Herz von Coesfeld entwickeln.

Im Helmuspark sollen die Volieren verschwinden und im Stadtpark würden Gehege errichtet. Wie passt das zusammen?

Köchling: Die Volieren im Helmuspark wurden zum Teil von privater Seite aus ohne Genehmigung errichtet. Die Tierhaltung dort soll weitergehen, aber mit Genehmigung. Wir möchten uns mit der Beteiligung an Zuchtprojekten für Wildtiere oder auch Zuchtprogrammen für bedrohte Haustierarten für den Artenschutz einsetzen. Außerdem ist Bildung ein wichtiger Punkt. Man rettet Arten nicht einfach mit Geld. Es braucht auch Menschen, die hinter dem Artenschutz stehen und ihn umsetzen. Das machen wir.

Dafür braucht man aber Platz, und die Größe des Stadtparks ist begrenzt.

Köchling: Unsere Planungen sind speziell auf kleine Tierarten ausgelegt, die entsprechend ihrer Bedürfnisse artgerecht gehalten werden können.

Welche Tiere wären das?

Köchling: Die genaue Liste stellen wir erst im Ausschuss vor. Nur so viel: Giraffen werden es nicht sein. Die Spannung steigt also (lacht).

Ein Knackpunkt könnten die Betriebskosten werden.

Heindorf: Natürlich muss man bedenken, dass die Situation durch Corona jetzt eine andere ist als vor drei Jahren. Aber Coesfeld geht es gut. Wir sehen das als Chance.

Köchling: Wir haben einen Jahresüberschuss von rund acht Millionen Euro im Haushalt 2020. Das kann und sollte sich Coesfeld leisten. Außerdem haben wir bei unserer Annahme mit einem Worst-Case-Szenario gerechnet. Die genauen Zahlen stellen wir im Ausschuss vor.

Also auf den Punkt gebracht: Warum sollte sich Coesfeld den Grimpinger Hof leisten?

Heindorf: Um tierische Erlebnisse für alle Altersgruppen und auch benachteiligte Menschen zu schaffen.

Köchling: Weil wir die Chance nicht verpassen dürfen, Natur- und Artenschutz vor unserer Tür für jedermann zugänglich zu machen. Dazu gehört es, Menschen für Tiere zu begeistern.

Markus Köchling und Jeanette Heindorf – unter anderem Macher von Cornys Maislabyrinth – haben im Auftrag der Stadt Coesfeld eine Machbarkeitsstudie zur Entwicklung des Stadtparks zu einem Freizeit-, Natur- und Bildungszentrum erarbeitet. Foto: Foto: Florian Schütte
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