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Coesfelder berichten über ehrenamtliche Hilfe im Überflutungsgebiet bei Ahrweiler

„Wir gehen einfach hin und packen an“

Coesfeld/Heppingen

Es sind so viele tragische Geschichten, die die elfköpfige Gruppe aus Coesfeld in dem Überflutungsgebiet hautnah erlebt. Das Schicksal einer kleinen Familie geht ihnen dabei besonders nah: „Durch die Fluten wurde ihr Holz-Bungalow weggespült. Der Vater konnte sich auf den Ast eines Baumes retten, die Mutter und das Kind sind immer noch vermisst“, sagt Jens Keull.

Von Leon Seyock

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Gemeinsam mit zehn weiteren Coesfeldern und jeder Menge Sachspenden ist er am Wochenende nach Heppingen im Landkreis Ahrweiler gereist (wir berichteten). Die Region wurde besonders stark von den Überflutungen getroffen. Ein Bekannter von Keull wohnt dort und hatte Hilfe angefordert. Sofort beschlossen Jens und Susanne Keull, in dieser Nachbarschaft helfen zu wollen. Ihrer Initiative schlossen sich Freunde und Bekannte an – unter anderem Heike Engelmann: „Wir haben keine einzige Minute überlegt.“ Mit zu den helfenden Händen zählen auch Marcel Müther, Ansgar Engelmann, Maike Vögeding, Michael Wieskus, Mona Ramberg, Anne Heimann, David Szczasny und Niklas Prost.

Die Wassermassen seien mittlerweile abgeflossen, nun werde jede helfende Hand zum Aufräumen gebraucht. „Die Straßen sind mit Schlamm bedeckt und die Habseligkeiten vieler Menschen liegen verdreckt überall verteilt“, schildert Keull die Situation, in der er sich aktuell befindet. Auch Autos, die in Baumkronen hingen, seien keine Seltenheit: „Das Wasser stand an einigen Häusern bis zur zweiten Etage.“ Die Helfer versuchen aktuell, die Straßen freizuräumen, damit größere Fahrzeuge die Wege zum Beseitigen des Schutts passieren können. Häuser, die reihenweise unbewohnt seien, werden nun leergeräumt. „Wir gehen einfach hin und packen an“, so Keull. Acht der elf Helfer hätten aus beruflichen Gründen am Sonntag bereits wieder abreisen müssen, Keull, Müther und Ansgar Engelmann wollen aber auch in den kommenden Tagen noch vor Ort bleiben. Trotz der schwierigen Umstände berichtet Keull auch von einer schönen Begebenheit: „Mein Kumpel ist in der vergangenen Nacht Vater geworden. Gesehen habe ich ihn noch nicht, aber so lange helfen wir an anderer Stelle.“

Vor allem Dankbarkeit sei es, die den helfenden Händen entgegen gebracht werde. „Ohne zu wissen, wo wir übernachten werden, sind wir losgefahren. Mir war aber von Beginn an bewusst, dass wir eine Bleibe haben werden“, sagt Keull – und sollte damit Recht behalten, da sie ihre Zelte in einem privaten Garten aufschlagen durften.

7 Die Gruppe „Coesfeld for future“ hat einen Spendenaufruf für die betroffene Nachbarschaft gestartet. Eine Spende ist möglich unter dem Link https://paypal.me/pools/c/8BjjW5ZBSj. Kontodaten können per Mail an coesfeld@parentsforfuture.de angefragt werden.

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