Gastronomen atmen auf – aber Unklarheiten bleiben

„Wir wollen einfach einen Startschuss machen“

Coesfeld. Große Lastwagen seien gestern am frühen Morgen vor dem Hotel und Restaurant Haselhoff vorgefahren und hätten jede Menge Lebensmittel und Getränke abgeladen. „Wir sind startklar und bieten wieder unser volles Programm mit gesamter Karte an“, berichtet Inhaber Andreas Haselhoff auf Nachfrage.

Leon Seyock

Jan Heinrich, Leiter des Restaurants 180 Degrees, hat gestern mit seinem Team die Außenterrasse vorbereitet, um ab heute wieder Gäste zu empfangen. Zunächst können die Tische für jeweils 1,5 Stunden gebucht werden, erklärt Heinrich. Foto: Leon Seyock

Lange haben Gastronomen auf das Signal vom Land gewartet, das dann am vergangenen Mittwoch doch recht plötzlich kam: Die Außengastronomie darf bei einer Inzidenz von unter 100 ab dem heutigen Samstag öffnen. Aufatmen bei den befragten Gastronomen in der Kreisstadt: „Wir freuen uns einfach, unsere Gäste wiederzusehen und möchten ihnen möglichst viel Normalität bieten“, ist Haselhoff euphorisch. In seinem Restaurant könne bereits ab heute wieder gespeist und getrunken werden.

Voraussetzung für die Öffnung sei allerdings die Kontaktverfolgung, das Einhalten der Hygienemaßnahmen sowie eine Kontrolle, ob es sich bei den Gästen um vollständig geimpfte, genesene oder negativ getestete Personen handelt. Und genau dort liegt für Wolfgang Flüchter, Betreiber der Kaffeemühle, der Hase im Pfeffer: „Diese Vorgaben sind aktuell noch sehr im Nebel“, sagt er auf Nachfrage. Besonders frage er sich, wie denn die Dokumente, die die Gastronomen prüfen müssten, aussehen würden. „Wann gilt jemand als komplett genesen? Wie lange darf eine Infektion zurückliegen? Und wie lange ist ein negatives Testergebnis gültig?“, fragt sich Flüchter, der von einer Sisyphusarbeit spricht. Auch die Frage, welche und wie viele Personen überhaupt an einem Tisch sitzen dürfen und inwieweit Geimpfte und Kinder unter 14 Jahren mitzählen, sei unklar. Die Kontrolle, dass diese Vorgaben eingehalten werden, würde letztendlich bei den Gastronomen liegen, „aber wir möchten unsere Gäste natürlich nicht verärgern“, sagt Flüchter. Dass diese Verantwortung bei den Gästen selbst liegt, das wünscht sich Flüchter, der die Kaffeemühle im Laufe der kommenden Woche – passend zu den Pfingsttagen – öffnen möchte. „Auch wenn die Öffnung der Außengastro wirtschaftlich für uns nicht interessant ist, möchten wir einfach einen Startschuss machen und den Gästen etwas bieten.“

Stühlerücken stand gestern auch bei 180 Degrees auf dem Tagesplan, denn das Burger-Restaurant öffnet ebenfalls ab heute die Außenterrasse. „Am Mittwoch, nachdem die Nachricht vom Land kam, haben wir noch schnell unseren Getränkelieferanten angerufen und freuen uns, dass wir so schnell beliefert werden konnten“, sagt Restaurantleiter Jan Heinrich, während die Getränkekisten hinter die Theke geschoben werden. 35 Plätze würden den Besuchern zur Verfügung stehen, allerdings zunächst für nur 1,5 Stunden: „Wir rechnen mit einem großen Ansturm und versuchen mit gebuchten Zeiten, möglichst vielen Gästen gerecht zu werden“, erklärt Heinrich. Er wisse, dass die Gastronomen in „großer Verantwortung für Gäste und Personal“ stehen würden. Vieles müsse sich erst einspielen, „es ist für uns quasi ein kalter und spontaner Neustart.“

Einen Wunsch haben alle befragten Gastronomen jedenfalls gemeinsam: Sie hoffen, dass der Sieben-Tage-Inzidenzwert zeitnah konstant unter 50 liegt – denn dann dürfen auch innen Gäste bewirtet werden.

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