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Beim 5. Stadt-Dialog am Normannwehr diskutiert eine vielfältige Runde

„Wir wollen keinen Platz für Intoleranz“

Coesfeld

Ein kühler Sommerabend am Normannwehr. Rund 30 Coesfelder verschiedener Herkunft, Hautfarbe und Gesinnung sitzen auf der Mauer an der Berkel und diskutieren beim 5. Stadt-Dialog über Toleranz. „Genau das, was wir hier heute Abend tun, ist doch gelebte Toleranz“, findet einer der Teilnehmer und bekommt Applaus. Alles gut also in Coesfeld?

Von Ulrike Deusch

Bunt gemischt ist die Gruppe, die sich zum Gedankenaustausch am Normannwehr trifft. Diese Runde steht für gelebte Toleranz. Dass in Coesfeld aber längst nicht alls gut läuft, wird an diesem Abend auch deutlich. Foto: Foto: ude

Nein. Dass Zuwanderer es oft nicht leicht haben, berichtet Ludger Schulte-Roling von der Flüchtlingsinitiative. „Wir erleben eine große Reserviertheit, wenn es darum geht, Wohnungen für Flüchtlinge zu finden. Viele Vermieter wollen sie nicht.“ Ideen zur Gründung einer speziellen Wohnungsagentur mit anderen Partnern aus Coesfeld kämen nicht voran. Dass Migranten immer wieder der Zugang zur Disko verwehrt werde, kann ein junger Mann aus der Runde bestätigen. Eine zugewanderte Mutter berichtet von ihrem Sohn, der an der Schule trotz gleicher Verhaltensweisen anders behandelt werde, als Jugendliche aus Coesfeld. Ein junger Mann mit dunklem Haar und dunkler Hautfarbe, der in Coesfeld geboren ist und seit fast 20 Jahren hier lebt, hat erst vor ein paar Tagen in der Stadt den Spruch gehört: „Menschen wie du gehören in die Tonne.“ Jemand wünscht sich „endlich“ die Einrichtung eines „Beirats der Kulturen“ in Coesfeld.

Aber Toleranz hat längst nicht nur mit dem friedlichen Nebeneinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft zu tun – auch das wird an diesem Abend deutlich. Ein Senior wünscht sich mehr Toleranz gegenüber älteren Mitbürgern und konkret Spielplätze mit solchen Geräten, die alt und jung miteinander nutzen können. Jemand fordert ganz aktuell Toleranz, wenn Menschen sich aus sehr persönlichen Gründen nicht gegen das Corona-Virus impfen lassen. Mangelnde Toleranz kritisiert ein Vater, dessen Kind in der Schule gemobbt und ausgegrenzt wird, und eine Frau appelliert an die Runde, sensibel mit Sprache umzugehen. Oft würden Menschen durch den gedankenlosen Umgang mit Worten diskriminiert.

„Wir wollen heute Abend gemeinsam schauen, an welcher Stelle Stadtgesellschaft und Stadtverwaltung etwas für mehr Toleranz tun können“, hatte Bürgermeisterin Eliza Diekmann den Stadt-Dialog – bekanntlich ein monatliches Angebot von Stadt und Stadtmarketing-Verein – eröffnet.

Deutlich wird in der Diskussion aber auch, dass im konkreten Alltag jeder einzelne gefordert ist, sich um Toleranz zu bemühen, aber auch Intoleranz anzusprechen und anzuprangern. Das nehmen mehrere Teilnehmer in der Runde zum Anlass, darauf hinzuweisen, dass an vielen Stellen in Coesfeld aber auch Beispiele gelebter Toleranz zu finden sind.

„Wie sind hier heute Abend 30 Leute. Lassen Sie uns Multiplikatoren sein“, appelliert die Bürgermeisterin am Ende an die Teilnehmer. „Wir möchten, dass Intoleranz in unserer Stadt keinen Platz hat.“ Auch dafür gibt es Applaus. Der am Anfang von Florian Klostermann, Vorsitzender des Stadtmarketing-Vereins, formulierte Wunsch, man könne an diesem Abend vielleicht konkrete Ansätze für mehr Toleranz in der Stadtgesellschaft entwickeln, geht nicht in Erfüllung. Viele Impulse gibt es trotzdem.

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