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Ausstellungseröffnung „Soundseeing – ears & eyes“ im Kunstverein

Wo Farben erklingen und Blätter schwingen

Coesfeld

Schon durch die Eingangstür fällt der Blick auf fünf getrocknete Blätter, die scheinbar in einem Luftzug tanzen. Wer nun den Kunstverein betritt, erkennt nicht nur, dass die Blätter alle in ihrem eigenen Rhythmus schwingen. „Je näher man kommt, desto deutlicher wird der individuelle Sound jedes Blatts“, erklärt Christopher Dahm, Absolvent der Hochschule für Musik in Mainz die Verbindung des Sichtbaren mit dem Hörbaren. Und genau darum geht es bei der Ausstellung „ears & eyes – Positionen junger Klangkunst“, die am Montagabend im Rahmen des münsterlandweiten Soundseeing-Festivals im Kunstverein eröffnet worden ist.

Von Florian Schütte

Wingel Mendoza lässt mittels eines Lichtsensors während der Ausstellung „ears & eyes“ auf dem Plattenspieler Farben erklingen. Foto: Foto: fs

„Die Ausstellung ist die erste von vier Veranstaltungen zum Thema Sound Art in diesem Sommer“, erklärt Jutta Meyer zu Riemsloh, Leiterin des Kunstvereins Münsterland. Sieben Studierende aus fünf Ländern lassen mit ihren Werken aufhorchen.

Gegenüber der Installation „Leaves“ (dt. Blätter), die Klangkünstler Christopher Dahm auch schon mit tanzenden Papierblättern in einem Bücherregal durchgeführt hat, stellt Maike Borchers zehn Porträts von Menschen aus, wie diese in die Nutzung ihres Smartphones versunken sind – mit dem Display als einziger Lichtquelle. Vor den Porträts befindet sich eine große Glasscheibe. „Deren gesamte Oberfläche wird zum Schallkörper und zum Display“, erläutert Borchers. So können Besucher bei Berühren der Scheibe den feinen Sound erleben, der entsteht, wenn das Display eines Smartphones berührt wird.

Synästhesie ist Thema bei Wingel Mendoza. Der junge Mexikaner steht vor einem Plattenspieler. Doch statt einer Vinyl-Platte legt er eine regenbogenfarbene Scheibe auf. „Der Lichtsensor übersetzt die Farbe in Sound“, sagt Mendoza. Ein fast mystischer Klang schwingt durch den Raum.

Wie ein bildhauerisches Werk hänge auch die Wirkung der Klangkunst von ihrem Ausstellungsort ab. „Wir müssen unsere Werke immer in den Raum komponieren, so etwas geht nur vor Ort“, sagt Prof. Peter Kiefer von der Musikhochschule Mainz, der die Ausstellung mitbetreut und weist auf ein weiteres Exponat des Kolumbianers Juan Bermúdez hin. Unweit des Eingangs fallen bis zum Ausstellungsende am Sonntag (21. 6.) 6402 Kaffeebohnen auf den Boden – rund alle anderthalb Minute eine. Die bewegende Geschichte dahinter erklärt der Künstlern den Besuchern gern vor Ort.

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