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„Someone Somewhere“ – Foto-Klang-Installation von Hyunju Oh

Wunsch nach Welt ohne Schutzschild

Coesfeld

Eine Atemwolke wabert durch das Bild eines Schwimmbads. Im Hintergrund durchbrechen Atemgeräusche die Stille des Raumes. „Der Raum ist zwar leer, aber dennoch sind Geräusche da“, beschreibt Hyunju Oh ihr Werk. Corona hat auch die Klang-Künstlerin, die zurzeit an der Hochschule für Musik in Mainz studiert, die vergangenen anderthalb Jahre beschäftigt. Sie hat aus den Erfahrungen, Gefühlen und Lehren der Pandemie eine Foto-Klang-Installation geschaffen, die drei Projekte umfasst. Diese Installation mit dem Titel „Someone Somewhere“ stellt die Südkoreanerin im Rahmen des Klangkunstfestivals „Soundseeing“ seit diesem Montag noch bis zum 23. August im Coesfelder Kunstverein aus.

Von Franziska Ix

Mit drei Projekten beim „Soundseeing“ Klangmusikfestival nimmt die südkoreanische Künstlerin vom 23. bis zum 28. August Bezug zu der Corona-Pandemie. Dabei verwendet sie eigene Erfahrungen. Foto: Foto: fix

Die drei Projekte greifen unterschiedliche Schwerpunkte, aber alle das Thema der Pandemie auf. Die erste Ausstellung, namens „Someone Somewhere“, ist ein Sound-Foto Projekt. Es umfasst zwölf Fotos und acht Kanäle. Hierbei stellt die Künstlerin Fotos mit Orten aus, die in Corona-Zeiten kaum genutzt werden konnten. Dazu gibt es dann den passenden Sound, so wie im Beispiel des Schwimmbads. Mit der hineinretuschierten Atemwolke verweist Oh auf die Existenz von etwas, was unsichtbar erscheint und leer zu sein scheint: „Wir sehen die Vergangenheit, Gegenwart aber auch Zukunft in diesen Bildern“, erklärt sie. Gemeinsam mit der Hilfe von Architekturfotografin Martina Pipprich fotografierte sie die Räume und nahm ihren Klang auf.

Das zweite Projekt trägt den Namen „ein Brief“ und ist eine Klanginstallation. Damit macht Hyunju Oh auf die gezwungene Distanz in der Pandemie aufmerksam. Sie hat zwei schwarze Bänke aufgestellt, die die Länge symbolisieren. Den Abstand, der eingehalten werden muss, um die Mitmenschen nicht zu gefährden. Dazu wird ein Lautsprecher aufgestellt, der zu den Zuhörern spricht und sie damit in die Szene miteinbinden sollen. Er fragt beispielsweise „Wie geht es dir?“ „Ich kann meine Familie durch Corona nicht besuchen und wenn wir einen Brief lesen, können wir uns die Stimmen vorstellen“, erzählt die Koreanerin zur Entstehung dieser Arbeit.

Das dritte Projekt „Blumen“ ist eine Textarbeit und greift ebenfalls die Erlebnisse der Künstlerin auf. „Ich habe auch besonders durch die Pandemie viel Rassismus und Diskriminierung mitbekommen und selber spüren müssen“, beschreibt die Künstlerin. „Aber immer wenn ich auf dem Markt Blumen gekauft habe, habe ich mich beschützt gefühlt. Die Blumen waren wie ein Schutzschild“, fügt sie hinzu. Sie hofft, dass die Welt wie ein Blumengarten sein könnte. „Eine Welt ohne diesen Schutzschild wäre schön“, betont sie und spielt damit ebenfalls auf das Virus und das Tragen der Masken an. Aber vorerst kann dieser Schutzschild wohl noch nicht abgelegt werden.

7 Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, Samstag, 10 bis 13 Uhr, und Sonntag, 11 bis 17 Uhr.

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