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Coronavirus bereitet dem Tierschutzverein Coesfeld, Dülmen und Umgebung Probleme

Zwei von drei Finanzsäulen wanken

Coesfeld. Nicht nur den Alltag hat das Coronavirus im Tierheim in Lette durcheinandergewirbelt (wir berichteten), auch an der Finanzlage des Tierschutzvereins Coesfeld, Dülmen und Umgebung e.V. geht es nicht spurlos vorbei. „Die Kosten des Betriebes wie zum Beispiel Personal- und Tierarztkosten, Miete, Strom, Müllabfuhr und Versicherungen belaufen sich im Jahr auf rund 260 000 Euro. Getragen werden sie von drei Säulen, von denen zwei nicht zuletzt durch das Virus brüchige Stellen aufweisen, die das Tierheim bereits erzittern lassen“, findet Geschäftsführerin Sandra Kassenböhmer deutliche Worte.

Jessica Demmer

Zwei der drei Finanzsäulen, auf die der Tierschutzverein den Betrieb des Tierheims gestellt hat, geraten aktuell wegen des Virus und seiner gesellschaftlichen Auswirkungen ins Wanken. Foto: az

Generell seien im Tierheim Fund- und Abgabetiere untergebracht. „Für die Fundtiere erhalten wir von den Partner-Kommunen Entschädigungszahlungen. Denn die Unterbringung ist eine kommunale Pflichtaufgabe“, so Sandra Kassenböhmer. Da es im Kreis Coesfeld kein städtisches Tierheim gibt, haben die Kommunen des Nordkreises Coesfeld wie auch die Stadt Coesfeld selbst diese Aufgabe dem Tierschutzverein übertragen. „Diese Entschädigungen sind jedoch nur kostendeckend. Größere Operationen und die Behandlung von kranken Fundtieren sind in dem Leistungspaket nicht enthalten“, sagt die Geschäftsführerin. Immerhin: „Diese Säule ist noch stabil.“

Doch die beiden anderen Standbeine, die jeweils die Abgabetiere betreffen, seien nun mächtig ins Wanken geraten. „Die zweite Säule beschreibt die betrieblichen Einnahmen. Darunter fallen die Schutzgebühren, die vom neuen Tierbesitzer bei einer Adoption zu entrichten sind sowie die Einnahmen aus dem Pensionsbetrieb.“ Doch wegen der Corona-Krise sei die Zahl der Tiervermittlungen dramatisch gesunken und die Verweildauer der Tiere somit länger. „Viele Tiere können ohne aufwendige medizinische Versorgung nicht weitervermittelt werden. Diese Kosten bleiben natürlich auch in diesen Zeiten und übersteigen in der Regel ohnehin schon die Schutzgebühr.“ Das Defizit zwischen Einnahmen und Ausgaben bei Tiervermittlungen werde aktuell also immer größer.

Die dritte Säule setze sich aus Einzelspenden, Erlösen aus Tierheimfesten und Mitgliedsbeiträgen zusammen. „Wenn auch bei Festen und Aktionen immer gute Spendenergebnisse erzielt werden, so hat schon die Jahresbilanz 2019 ergeben, dass die Gesamtsumme der Spenden und Mitgliedsbeiträge rückläufig ist“, sagt Sandra Kassenböhmer. „Wie auch der Deutsche Tierschutzbund bestätigt, geht aufgrund des demografischen Wandels die Spendenbereitschaft der Bürger generell seit zwei Jahren drastisch zurück. Die allgemeine wirtschaftliche Rezession im Rahmen der Corona-Krise wird sich sicher negativ auf die Spendenbereitschaft auswirken“, befürchtet die Geschäftsführerin. Zumal Feste und gemeinsame Aktionen aktuell ja nicht umzusetzen seien.

Eine Chance sieht Sandra Kassenböhmer im Zuwachs von Mitgliedern und entsprechender Mitgliedsbeiträge. „Sie sind die wichtigsten Stützen. Schon ab 25 Euro Jahresbeitrag ist eine Mitgliedschaft möglich.“

Dem geplanten Tierheim-Neubau mache das Coronavirus jedoch keinen Strich durch die Rechnung, wie sie betont: „Einige werden sich jetzt natürlich fragen, wie wir unter diesen Bedingungen an einen Neubau denken können. Aber der wird losgelöst von den laufenden Kosten zu 80 Prozent aus öffentlichen Fördermitteln und dem Baufonds des Deutschen Tierschutzbundes und zu 20 Prozent aus für einen Neubau zweckgebundenen Erbschaften und Spenden finanziert“, blickt sie trotz allem positiv in die Zukunft.

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