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Veronika Tendahl erfreut sich an eher außergewöhnlichen Haustieren

Entschleunigung im Schneckentempo

Darup. Cola und Korn mögen es tropisch. Bei 24 bis 29 Grad fühlen sie sich am wohlsten und feucht sollte es in ihrer Umgebung sein. Wer sich jetzt kurz wundern sollte, dem sei verraten: Cola und Korn sind Achatschnecken, keine Getränke. Und sie leben seit nunmehr drei Jahren ein ruhiges und beschauliches Leben in Darup. Ganz gemächlich eben. Außer nachts. Da geben sie richtig Gas. Zumindest im Schneckentempo. „Ich finde es einfach unglaublich beruhigend ihnen zuzusehen. Wenn ich abends von der Arbeit komme, setze ich mich vor das Terrarium und beobachte die beiden. Das ist wirklich entschleunigend“, so Besitzerin Veronika Tendahl. „Schnecken lassen sich eben durch nichts aus der Ruhe bringen.“ Sie würden deshalb sogar in Therapien dafür eingesetzt, Kinder, die von einer ADHS betroffen sind, zu beruhigen.

Jessica Demmer

Veronika Tendahl mit ihren Achatschnecken Cola und Korn (l.). An einem lauen Sommerabend dürfen die beiden auch schon mal raus in den heimischen Garten und sich auf dem frischen Rasen die Zeit vertreiben. Foto: Privat

Korn heißt übrigens Korn, weil er ein „Halbalbino“ ist. Weißer Körper, braunes Gehäuse. Cola kommt ganz in braun daher. Schon eher ungewöhnliche Haustiere. „Kinder sind total fasziniert, wenn sie die beiden sehen. Erwachsene reagieren entweder mit einem lauten ‘Iiiih’ oder fragen mich, ob man sie auch essen kann“, sagt die Daruperin und stellt klar: „Nein, man kann sie nicht essen. Generell habe ich Schnecken auch noch nie probiert und werde ich auch nicht.“ Kleine Frötzeleien sei sie wegen der Tiere gewöhnt. „Ich werde auch schon mal gefragt, ob ich mit ihnen spazieren gehe. Nein, aber an einem lauen Sommerabend dürfen sie auch mal in den Garten“, sagt Veronika Tendahl mit einem Zwinkern. Die beiden werden auch Ostafrikanische Riesenschnecken genannt, bis zu 30 Zentimeter können sie lang werden.

Schon als Kind sei sie fasziniert gewesen. „Im Garten habe ich sie immer gefüttert und Ärger von meiner Mutter bekommen. Oder wenn wir im Wald waren, habe ich Brombeeren gepflückt und sie den Schnecken gegeben, wenn ich welche gesehen habe.“ Und der ganze Schleim? „Die Achatschnecken schleimen gar nicht so sehr. Wenn ich sie auf meiner Hand habe, ist das ein ganz angenehmes Gefühl.“ Frei von Seife und Creme müssen die Hände übrigens sein. Überhaupt gebe es in der Pflege und Haltung einiges zu beachten. „Schnecken sind Zwitter und legen alle paar Wochen 100 bis 200 Eier. Da muss man wirklich aufpassen und rechtzeitig eingreifen“, erklärt Veronika Tendahl. „Ich friere die Eier sofort ein, dann sterben sie ab. Wenn man sie einfach wachsen lassen würde, gäbe das ganz schnell ein Chaos. Aussetzen darf man sie auch nicht. Sie vermehren sich wirklich unglaublich schnell. Anderswo gelten sie als echte Plage.“ Cola und Korn aber nicht. Die sind gern gesehene Gäste und leben mächtig gesund: Salat, Gurke und Löwenzahn gehören zur ihrer Leibspeise. Gerne dürfen es auch mal Sepiaschalen als Kalziumquelle fürs eigene Gehäuse oder auch getrocknete Bachflusskrebse sein. Sie sind echte Feinschmecker – und empfindlich: „In ihrem Terrarium muss eine gute Symbiose aus Bio-Erde ohne Dünger, Moos und auch Asseln herrschen. Das braucht seine Zeit und sollte nicht ausgetauscht werden. Die Wände halte ich stets feucht, damit die Schnecken nicht austrocknen. Auch gibt es eine Schale mit Badewasser.“ Natürlich. Cola und Korn lassen es sich eben gut gehen. Schon als kleine Eier sind sie zu Veronika Tendahl gekommen. „Ich habe sie in einer Tupperschüssel mit Erde auf einer Heizung großgezogen. Sie können bis zu sieben Jahre alt werden.“ Es ist also noch ein bisschen Zeit, das Leben zu genießen. Im Schneckentempo.

0 Wenn Sie, liebe Leserin, lieber Leser, auch ein Tier haben, mit dem Sie eine besondere Beziehung verbindet oder mit dem Sie etwas erleben, melden Sie sich unter Tel. 02541/ 921-151 oder coesfeld@azonline.de.

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