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Daruper Bürgergenossenschaft initiiert Sammelaktion für Egbering-Erwerb

„Ich glaube daran, dass wir es schaffen“

Darup

„Wir legen voll los!“ Markus Lewerich, Vorstandsmitglied der Daruper Bürgergenossenschaft (BG) ist motiviert bis in die Haarspitzen. Die Bürgergenossenschaft hat gestern den Startschuss gesetzt und will bis zum 30. Juli Geld zusammentragen, um das Gasthaus Egbering zu erwerben und mit einem Pächter weiterzuführen. Auf der eigens eingerichteten Homepage können Interessierte Anteile zeichnen. Bereits bis zum Nachmittag stand die Summe von knapp 20 000 Euro auf dem Ticker.

Von Iris Bergmann

„Komm, wir kaufen unsere Dorfkneipe“ lautet das Motto der Daruper Bürgergenossenschaft. Sie will die Gaststätte Egbering mit dem Saal für das Dorf erwerben und die Bürger für eine Beteiligung gewinnen. Foto: Foto: Iris Bergmann

Indes: Das sind erst etwa drei Prozent der Summe, die die BG aufbringen muss, um das Projekt für Darup zu stemmen. Insgesamt 500 000 Euro sollen zusammengetragen werden. Das sei sehr ambitioniert, gibt Lewerich zu, aber er ist überzeugt, dass sie es schaffen werden. Es gehe um sehr viel für das Dorf.

Die Daruper Gaststätte Egbering ist untrennbar mit der dörflichen Gemeinschaft verbunden. Beim Ehepaar Marlies und Hubert Egbering fanden sich nicht nur Stammtische ein, auch Vereine nutzten die Gaststätte und deren Räume für Treffen. Es gab Theateraufführungen der „Platten Trupp“ oder der kfd. Kinderkarnevalsfeiern und Feten überhaupt wurden in dem großen Saal veranstaltet. Man traf sich nach Beerdigungen, feierte Hochzeiten.

Das Pächterehepaar hatte bereits vor über einem Jahr angekündigt, 2021 endgültig in Ruhestand zu gehen und die Gaststätte verkaufen zu wollen. Das rief die Daruper Bürgergenossenschaft auf den Plan, die im Februar 2020 nach einer Veranstaltung des Heimatvereins einen Initiativkreis bildete, der ausloten sollte, ob es eine Möglichkeit gäbe, die Gaststätte mit dem Saalbetrieb fortzuführen.

Der Initiativkreis war sehr umtriebig, erkundigte sich in umliegenden Gemeinden wie zum Beispiel in Schapdetten, das seinen Dorfladen hat, wie ein Projekt in Eigenregie weitergeführt werden kann. Auch Gespräche mit dem DeHoGa (Hotel- und Gaststättenverband) gab es.

Im Endeffekt kristallisierte sich heraus, dass die Bürgergenossenschaft als Rechtsträger auftreten muss, was bedeutet, dass sie Genossenschaftsteile ausgibt, sie die Summe zum Erwerb zusammenträgt und dann einen Pächter findet muss, der die Gaststätte weiter betreibt.

Und hier kommen die Daruper selbst und auch Bürger der umliegenden Dörfer ins Spiel. Über Genossenschaftsanteile sollen sie angeregt werden, in die Zukunft des Dorfes zu investieren, um den Dorfmittelpunkt zu erhalten.

Damit die Gaststätte für einen Pächter attraktiv wird, müssen sowohl in den Sanitär- und Außenbereich, als auch in die beiden Wohnungen investiert werden. Die BG hat eine Gesamtsumme von 650 000 Euro angesetzt. 150 000 Euro werden über ein Bankdarlehen finanziert. Bleibt die nicht unerhebliche Summe von 500 000 Euro, die nun in den insgesamt acht Wochen bis zum 30. Juli gezeichnet werden kann.

Dafür haben die Aktiven der Bürgergenossenschaft einen Aktionsplan aufgestellt, wie Markus Lewerich erzählt. „Wir haben schon viele Helfer, die in Darup von Tür zu Tür gehen und für unseren Plan werben wollen, denn nicht jeder schaut ins Internet.“ An den jeweiligen Ortsein- und ausgängen sollen große Strohpuppen auf das Projekt der Bürgergenossenschaft hinweisen.

Noch-Chefin des Gasthauses, Marlies Egbering, ist fasziniert von dem Vorhaben. „Es ist natürlich unser größter Wunsch, dass die Gaststätte erhalten bleibt“, hofft sie. Und natürlich drücke sie den Initiatoren die Daumen, auch wenn sie skeptisch sei, „weil ja auch gerade Geld für die Grundschule gesammelt wird.“ Hinzu kommt: „Wenn jetzt jemand kommt und sagt ‘ich kaufe das sofort’, dann wäre es geschäftlich nicht gut, wenn wir den vertrösten.“ Diese Situation würde ihr schon etwas Bauchschmerzen bereiten.

Bauchweh haben Markus Lewerich und seine Bürgergenossenschaftskollegen nicht. „Das Echo ist bis jetzt sehr gut. Ich glaube daran, dass wir es schaffen!“, sagt er.

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