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Stadtwerke in Gescher und Stadtlohn schließen neuen Wasserliefervertrag ab

Absicherung für weitere 25 Jahre

Gescher

Wenn Partner ohne Probleme die silberne Hochzeit schaffen, dürfen sie frohen Mutes auch das goldene Jubiläum anpeilen. So handhaben es die Stadtwerke Gescher GmbH und die SVS-Versorgungsbetriebe GmbH mit Sitz in Stadtlohn. Der seit 1996 bestehende Wasserliefervertrag zwischen beiden Gesellschaften ist am Montag per Unterschrift um weitere 25 Jahre verlängert worden. Damit wird die Praxis fortgesetzt, dass die Stadtwerke Gescher Trinkwasser aus Nordvelen in das Stadtlohner Netz einspeisen. Aber bei Bedarf funktioniert das auch umgekehrt: „Wir bilden einen Notverbund“, erläuterte Stadtwerke-Geschäftsführerin Ursula Boes. Der neue Liefervertrag bedeute eine langfristige gegenseitige Absicherung der Wasserversorgung.

Von Jürgen Schroer

Zusammenarbeit für weitere 25 Jahre besiegelt: Ursula Boes (Stadtwerke Gescher) und Thomas Spieß (SVS-Versorgungsbetriebe) unterzeichneten am Montagnachmittag in Stadtlohn den neuen Wasserliefervertrag. Geschers Bürgermeisterin Anne Kortüm und Südlohns Bürgermeister Werner Stödtke begrüßten die Vereinbarung, die eine gegenseitige Absicherung der Wasserversorgung gewährleistet. Foto: Foto: Jürgen Schroer

Kurze Verhandlungen und eine positive Bewertung in beiden Aufsichtsräten sind der Vertragsunterzeichnung vorangegangen. „Das ist ein gutes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit“, betonte SVS-Geschäftsführer Thomas Spieß. Im SVS-Versorgungsgebiet (Stadtlohn, Vreden, Südlohn) stößt die Trinkerwasserförderung an Grenzen, sodass Trinkwasser aus Borken, aber auch aus Gescher zugeliefert wird. Der neue Vertrag regelt Höchstmengen, Tagesleistung und Mindestabnahme. Maximal 200 000 Kubikmeter Wasser pro Jahr könnten von Gescher nach Stadtlohn fließen. In der Vergangenheit, so Ursula Boes, habe die höchste Liefermenge bei etwa 110 000 Kubikmeter im Dürrejahr 2019 gelegen. Das sei aber die Ausnahme – üblicherweise würde von Gescher aus ein Wohngebiet am Breul in Stadtlohn mit Mengen von 10 000 bis 13 000 Kubikmetern jährlich versorgt. Nach dem neuen Vertrag liegt die Mindestabnahme bei 13 400 Kubikmetern jährlich, in den ersten beiden Vertragsjahren 2022 und 2023 jeweils bei 50 000 Kubikmetern. Letzteres habe wirtschaftliche Gründe, so Boes. Immerhin investieren die Stadtwerke Gescher zurzeit kräftig: In Nordvelen entsteht ein neues Wasserwerk für rund 4,8 Millionen Euro, das Ende 2022 in Betrieb gehen soll.

Die SVS haben ihre eigenen Förderrechte im Wasserschutzgebiet Hundewick ausgeschöpft. Dass Trinkwasser ein knappes Gut sein kann, haben die Stadtlohner besonders in den Dürresommern 2018 und 2019 bemerkt. „Üblicherweise geben wir 7500 Kubikmeter Wasser ab, an diesen Hitzetagen waren es über 13 000 Kubikmeter täglich, und das bei vermindertem Druck“, berichtet Thomas Spieß. Ursächlich sei die Verwendung des kostbaren Trinkwassers für die Gartenbewässerung und für das Befüllen von Pools. Hier wünschen sich die Verantwortlichen einen bewussteren Umgang mit der Ressource Trinkwasser, „unserem Lebensmittel Nr. 1“.

An der Technik ändert sich durch den neuen Vertrag nichts, das Trinkwasser aus Gescher wird weiterhin über eine vier Kilometer lange Leitung zum Übergabepunkt am Immingfeldweg in Stadtlohn geführt. Umgekehrt könnte über diesen Transportweg im Bedarfsfall auch Wasser aus dem SVS-Netz nach Gescher geliefert werden. Dieser (Not)fall ist aber bislang nicht eingetreten, so Boes. Aus Gescheraner Sicht sei die Bereitstellung von Trinkwasser für die Nachbarstadt gut machbar, da das Förderrecht für das Werk in Nordvelen bei 1,1 Mio. Kubikmeter jährlich liege. Die bisherige Höchstfördermenge im Dürrejahr 2019 habe bei knapp 900 000 Kubikmetern gelegen. Im Notfall habe die Versorgung der Gescheraner Vorrang.

Alle Beteiligten waren sich einig, dass eine engere Vernetzung und gegenseitige Absicherung der richtige Weg ist. „Denn Wasser macht nicht an Gemeindegrenzen halt“, sagte Spieß.

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