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Rostentferner von Robert Lehmkuhl weltweit gefragt / Partner-Firmen für Produktion und Vertrieb gefunden

Alle wollen Paste „made in Gescher“

Gescher. Gut möglich, dass Amerikaner und Chinesen rostiges Metall demnächst mit einer Paste „made in Gescher“ bearbeiten. „Rostdelete“ heißt das Produkt, das Robert Lehmkuhl für den Eigenbedarf erfunden hat und heute in immer mehr Ländern reißenden Absatz findet. Vor einem Jahr berichtete unsere Zeitung über den rein biologischen Rostentferner, anschließend stiegen RTL und „Bild“ auf das Thema ein. „Danach war hier die Hölle los“, berichtet der Chef der Abbeizzentrale an der Porschestraße. Bis zu 700 Bestellungen täglich gingen bei Lehmkuhl ein – und sprengten damit die Produktionskapazitäten des Ein-Mann-Betriebes. Heute übernehmen zwei namhafte Firmen Produktion, Marketing und Vertrieb der hellbraunen Entrosterpaste, die von Anwendern aus Industrie und Handwerk tonnenweise geordert wird.

Jürgen Schroer

Für Lehmkuhl war 2013 ein unglaubliches Jahr. „Das war, als ob die Menschheit auf dieses Produkt gewartet hätte“, freut sich der seit 1987 in Gescher ansässige Unternehmer. Angefangen hat alles damit, dass der 58-Jährige Rostschäden an seinem alten Geländewagen entfernen wollte. Manche Stellen waren mit Schleifer oder Bürste nicht zu erreichen. Er suchte im Internet nach einem pastösen Rostentferner – und fand nichts. Daraufhin experimentierte er und erzielte mit einer Mischung aus Holzstoffen, Verdicker und Obstsäuren das gewünschte Ergebnis. Die Anwendung ist denkbar einfach: Das Mittel wird dickschichtig aufgetragen und entfernt den Rost nach mehrstündiger Einwirkzeit porentief. Beim Abspritzen mit dem Hochdruckreiniger kommt das blanke Metall zum Vorschein. Und alles ohne chemische Zusätze.

200 Liter Rostdelete rührte Lehmkuhl in der Startphase täglich zusammen und hätte doch ein Vielfaches absetzen können. Bei Neudecker & Jolitz ließ Lehmkuhl größere Rührwerke anfertigen. „Trotzdem ist hier nach drei Monaten alles zusammengebrochen“, blickt Lehmkuhl auf das schwierigste Kapitel der Erfolgsgeschichte zurück. Auch mit Unterstützung von Familie und Bekannten waren die Bestellmengen nicht mehr abzuarbeiten. Nach einem gesundheitlichen Warnschuss entschloss sich Lehmkuhl, Partner zu suchen. Die fand er im renommierten Lebensmittelabfüller Lienekampf in Bad Salzuflen und in der Firma Sigloch (Blaufelden), die sich um Marketing und Vertrieb kümmert. „Die Zusammenarbeit läuft reibunglos“, freut sich Robert Lehmkuhl, der am Umsatz beteiligt ist und fast täglich positive Rückmeldungen aus dem In- und Ausland auf sein patentiertes Mittel bekommt. Großabnehmer haben Rostdelete in Labors getestet und die Wirksamkeit bestätigt. Über Sigloch soll der kompostierbare Rostentferner weltweit vermarktet werden – aktuell gibt es Kontakte in die USA und nach China.

Auch der Sohn des Erfinders, Frank Lehmkuhl, ist mittlerweile ins Geschäft eingestiegen – der 34-Jährige ist Geschäftsführer der eigens gegründeten ROLE Rostdelete GmbH. „Den Vertrieb im Münsterland machen wir weiterhin selbst“, so Vater und Sohn. Nur in Kleinstmengen produziert Robert Lehmkuhl noch an der Porschestraße in Gescher – für den Eigenverkauf und für Präsentationen. „Und wenn technische Fragen von Anwendern kommen, bin ich weiterhin der Hauptansprechpartner“, sagt Lehmkuhl. Das Tüfteln will sich der glückliche Rostdelete-Erfinder aus Gescher nicht nehmen lassen.

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