Stadt investiert 200 000 Euro in die Sanierung von Wirtschaftswegen

Anlieger fürchten noch mehr Verkehr

Gescher. 200 000 Euro wird die Stadt Gescher in diesem Jahr für die Sanierung von Wirtschaftswegen ausgeben. Vier Abschnitte in Tungerloh-Capellen (Schüringsweg) und Estern (Verlängerung Südlohner Damm) stehen auf der Prioritätenliste, die der Rat am Mittwoch beschlossen hat. Doch die geplanten Maßnahmen haben auch ihre Kehrseite: Anwohner des Schüringsweges befürchten, dass ihre Straße nach der Sanierung noch mehr Verkehr anzieht und hier noch schneller gefahren wird. Sie begrüßen die geplante Instandsetzung, fordern aber mehr Verkehrssicherheit und möchten in das Procedere einbezogen werden. Gegen den Beschluss stimmten die Grünen: Sie hatten schon bei den Haushaltsberatungen gefordert, nur 100 000 Euro für die Wegesanierung bereitzustellen.

Jürgen Schroer

Kein Zweifel: Der Schüringsweg in Tungerloh-Capellen hat eine Sanierung dringend nötig. Allerdings fürchten die Anwohner, dass nach einer Instandsetzung noch mehr Fahrzeuge über diese Strecke rollen und die Verkehrssicherheit weiter leidet. Foto: Kortbus

Eigentlich hätte in diesem Jahr schon der Wirtschaftswegeverband tätig werden sollen. Den gibt es aber noch nicht, weil die Gründungsversammlung aufgrund der Pandemielage nicht stattfinden kann. Für die Jahre 2020 und 2021 hätte die Stadt Gescher dem Verband einen Investitionszuschuss von jeweils 100 000 Euro gewährt. Dieses Geld wird nun auf Antrag der SPD genutzt, um schon in diesem Jahr erste Abschnitte zu sanieren. Kriterien für die Auswahl sind der Zustand der Wege und ihre verkehrliche Bedeutung. In Abstimmung mit dem Landwirtschaften Ortsverband (LOV) sind vier Strecken ausgesucht worden, die nun – im Rahmen der Haushaltsmittel – angegangen werden.

An erster Stelle steht der westliche Teil des Schüringsweges. In der Vorlage der Verwaltung war eine Gesamtbreite von 4,20 Metern genannt worden. „Wir sind entsetzt“, stellten die Anwohner Christoph Hermeler und Heinrich Rösing in der „Fragestunde für Einwohner“ fest. Sie verwiesen darauf, dass der Schüringsweg in den vergangenen Jahren immer mehr zum Zubringer für das Gewerbegebiet an der B 525 und Haus Hall geworden sei und immer mehr Verkehr vor ihrer Haustür fließe. „Warum muss jeder bei uns herfahren?“, fragte Hermeler in die Ratsrunde. Eine Verbreiterung dürfe auf keinen Fall erfolgen.

Hier beruhigte Fachbereichsleiter Uwe Wißmann: „Wir werden den Weg nur in der Ist-Breite von 3,10 Metern sanieren“, stellte er fest. Zur Asphaltfläche kämen dann beidseitig die Banketten dazu, sodass sich die von den Anliegern genannte Gesamtbreite ergebe. Dass der Schüringsweg stark frequentiert werde, sei richtig – genau deshalb sei er priorisiert worden. Mit dem Kreis Borken würden Gespräche über verkehrssichernde Maßnahmen wie Tempo-Beschränkungen oder das Setzen von Leitpfosten geführt. Über das Ergebnis werde die Verwaltung beizeiten berichten.

Aus dem Rat gab es überwiegend Zustimmung zum Ausbauprogramm, aber auch Verständnis für die Anlieger. UWG-Sprecher Matthias Homann erinnerte daran, dass die Anwohner des Schüringsweges schon vor zehn Jahren auf die problematische Verkehrsbelastung und rücksichtsloses Fahren hingewiesen hätten. Er forderte Höchsttempo 50 auch nach der Sanierung – falls erforderlich, werde die UWG dies per Antrag untermauern. Auch Hermann Upgang-Rotert (CDU) plädierte dafür, alle Möglichkeiten zu nutzen, um Fahrgeschwindigkeiten zu reduzieren. Dass die Wirtschaftswege endlich angepackt würden, sei zu begrüßen, stellte SPD-Sprecher Ansgar Heming fest. Die Verkehrssicherheit sei ein wichtiger Aspekt, den man dabei im Auge behalten müsse. Bürgermeisterin Anne Kortüm sicherte den Anliegern zu, sich bei Bedarf vor Ort zu treffen.

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