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Feuerwehrleute bauen Impfzentrum in knapp zwei Tagen ab

Baumaterialien gehen ins Ahrtal

Gescher/Velen

Keine zwei Tage hat es gedauert und das Impfzentrum des Kreises Borken in Nordvelen war abgebaut. Knapp 100 Feuerwehrleute haben am Freitag und Samstag Türen ausgebaut, den Boden herausgenommen und alle Baumaterialien fein säuberlich sortiert. Das Material erhält nun eine neue Aufgabe: Es geht als Spende ins Ahrtal. Die Idee lieferte ein junger Feuerwehrmann aus Gescher.

Von Christa Niermann

Viele Hände – schnelles Ende: Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren brauchten nicht einmal zwei Tage, um das Impfzentrum des Kreises Borken in Nordvelen abzubauen und verwertbare Materialien säuberlich zu sortieren. Foto: Fotos: Christa Niermann

Am Samstagmorgen war der Empfangsbereich des Impfzentrums schon nicht mehr zu erkennen. Dort lagerten bereits Pfosten und große weiße Holzplatten. In der Impfhalle waren die Trennwände bereits abmontiert, die Türen ausgebaut und in Folie verpackt. Die Holzböden wurden von den Schrauben befreit und anschließend auf Paletten gelegt.

„Das ist richtig gut angelaufen. Die ersten 50 Kameraden standen am Freitagmorgen in den Startlöchern und wollten loslegen“, berichtete Stefan Theßeling, Löschzugführer aus Gescher. Die achtmonatige Geschichte des Impfzentrums Velen endete Samstagmittag – und zwar besenrein.

Neben den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehren aus allen Kommunen des Kreises Borken „helfen auch ein Team des Tischlereibetriebs Twents, die im Dezember 2020 die Einrichtung eingebaut hatten, und Mitglieder der Werksfeuerwehr Urenco aus Gronau“, erklärte Kreisbrandmeister Stefan van Bömmel. Im Vorfeld wurden Pläne erstellt, sodass jede Einheit genau wusste, was zu tun ist.

„Das Material geht in das Katastrophengebiet an die Ahr“, sagte Stefan Theßeling und verwies auf Steffen Kemna und Michael Twents. Die beiden hatten ihm die Idee vorgestellt. Der 27-jährige Kemna ist seit der Katastrophe fast jedes Wochenende im Krisengebiet und hilft dort ehrenamtlich. Er weiß, was dort gebraucht wird. „Als ich Videos von einem Reiterhof sah, auf dem nichts mehr steht, kam mir die Idee. Die können doch die OSB-Platten sicher gut gebrauchen.“ Für die Isolierung hat er auch bereits Ideen, denn über den Winter werden viele Haushalte ohne Heizung sein, und da müssen vor allem die Fenster isoliert werden. Michael Twents unterstützte die Idee und stellte die notwendigen Lastwagen zur Verfügung.

Durch die gute Vernetzung von Kemna werden die Baumaterialien gezielt ins Krisengebiet geschickt. Per Videokonferenz mit einem Baustofflager für flutgeschädigte Hausbesitzer wurden die Lieferungen abgestimmt. Denn nicht jedes Angebot wird in jedem Ort benötigt.

Der Kreis hat für die Spendenaktion die Zustimmung des Landes NRW eingeholt. Die Ausstattung war mit Landesmitteln finanziert worden, daher musste die Spende zunächst abgestimmt werden.

Mit an Bord der Sattelzüge wird auch neues Werkzeug sein, das für knapp 40 000 Euro angeschafft werden konnte. Dieses Geld stammt aus einer Spendenaktion der Jugendfeuerwehr Gescher. „Es war beeindruckend, wie viel Geld und weitere Hilfsmittel wir zusammenbekommen haben“, berichtet Kemna. „Das gesamte Team war toll“, bilanzierte der 20-jährige Nicklas Bökenkamp. Das sei harte Arbeit gewesen, beschreibt er den Abbau-Einsatz. „Doch es ist ja für einen guten Zweck.“ Das sieht auch Björn Lütkebohmert aus Reken so. „Alle haben mit angepackt. Feuerwehrleute halten gut zusammen.“

7 Ein Video von der Abbau-Aktion findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=mwEC-RA2fJQ

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