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Viele Patienten haben einen langen Leidensweg hinter sich / Gruppenangebot in Gescher

Bewegung kann Schmerzen lindern

Gescher

Erst wurden im Stadtpark in Gescher gleich gegenüber dem Treffpunkt der Schmerzgruppe bei Günter Döker (Prozessionsweg 12) unter Anleitung von Heike Rötger nach der Heigl-Methode Bewegungsübungen durchgeführt, die chronischen Schmerzpatienten Entspannung und Entlastung bringen sollen. Danach gab es einen geselligen Ausklang. „Wir machen das nicht mit Kraft und nicht bis an die Schmerzgrenze. Maßvoll sich bewegen ist das Ziel und vor allem regelmäßig“, gab Rötger, Lehrkraft für das Bewegungstraining der Methode Heigl aus Melle, den acht Teilnehmern mit auf den Weg.

Von Elvira Meisel-Kemper

Im Stadtpark zeigte Heike Rötger aus Melle, wie Schmerzpatienten durch Bewegung nach der Heigl-Methode ihre Beschwerden lindern können. Ob daraus ein regelmäßiges Angebot in Gescher werden kann, ist noch offen. Foto: Fotos: Elvira Meisel-Kemper

Döker hatte Rötger dazu gebeten. Ob daraus ein regelmäßiges Angebot werden könnte, ist noch vollkommen offen. Ludger Schwering (70) aus Nordvelen und Anton Richter (80) aus Gescher nahmen dieses Angebot wahr. Sie sind seit vielen Jahren Teilnehmer der Schmerzgruppe, die sich vor Corona regelmäßig bei Döker getroffen hat.

Beide haben einen langen Leidensweg hinter sich beziehungsweise stecken noch mittendrin. Kurz nach der Gründung der Schmerzgruppe 2008 stieß Schwering als Teilnehmer dazu. Richter ist seit neun Jahren dabei.

Schwering bekam in den neunziger Jahren schweres Rheuma, sodass er seinen Beruf als Landwirt und Lkw-Fahrer sogar aufgeben musste. Seit 1999 nahm er die Angebote der Rheumaliga in Borken war. 2001 galt er als austherapiert, d.h. unheilbar. In der Rheumatologie am Krankenhaus in Vreden verschrieb ihm ein Arzt ein Rheuma-Medikament, das ihn wieder bis zum Erreichen des Rentenalters berufsfähig machte. Auf einem Schützenfest hörte er von Ute Simon-Turkat, dass es diese Schmerzgruppe bei Döker gibt. „Wir sind keine Therapiegruppe, sondern eine Gesprächsrunde. Alles wird streng vertraulich behandelt“, so Schwering und ergänzte: „Ich kann mich in die anderen und ihre Schmerzen hineinversetzen und sie besser verstehen. Außerdem kommt man unter Leute und kann offen mit ihnen über seine Schmerzen sprechen.“

Manchmal sind es auch gemeinsame Unternehmungen, welche die Gruppe von zurzeit sechs bis acht Teilnehmern zusammenschweißen. Das hält auch Richter als stetes Mitglied in der Schmerzgruppe. Er hat ebenfalls chronische Schmerzen nach mehreren, fast tödlich verlaufenen Erkrankungen. „Es stand mal in der Zeitung, dass es diese Gruppe gibt. Mit meinen Schmerzen gehe ich anders um, weil ich das gewohnt bin. In der Gruppe können wir offen darüber reden. Jeder wird ernst genommen, keiner lacht darüber“, umschrieb Richter seinen persönlichen Gewinn. Es werden auch Tipps ausgetauscht über Ärzte, Krankenhäuser, Therapeuten oder Medikamente. „Ich habe sogar Besuch in meinen vielen Rehas aus der Schmerzgruppe bekommen. Dadurch habe ich auch Freunde gewonnen. Es ist eine Wertschätzung da, denn ein Arzt glaubt einem manchmal nicht, was man für Schmerzen hat“, ergänzte Richter. Jetzt hoffen alle, dass es bald wieder regelmäßige Treffen geben kann.

0  Infos bei Günter Döker, Tel. 02542/878860

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