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Glockengießerei ist Geburtsstätte der Skulptur des niederländischen Künstlers Pietersen

Bronzegöttin aus der Taufe gehoben

Gescher. Das technische Verfahren des Glockengusses in der Glockengießerei Petit & Edelbrock hat den niederländischen Künstler Edwin Pietersen aus Arnheim dermaßen inspiriert, dass er sich entschloss, in dem traditionsreichen Unternehmen in Gescher ein Kunstwerk aus der Taufe zu heben.

Manuela Reher

Der niederländische Künstler Edwin Pietersen, ein ausgebildeter Bildhauer, bearbeitet seine Skulptur aus Bronze, die in der Glockengießerei in Gescher, im Unternehmen Petit & Gebr. Edelbrock GmbH & Co. KG, Glocken- und Kunstguss-Manufaktur, aus der Taufe gehoben worden ist. Foto: az

Es ist eine 60 Zentimeter große und 30 Kilogramm schwere Glocke mit einem ganz besonderen Aussehen entstanden. Pietersen, der in niederländischen Künstlerkreisen als Piet bekannt ist, hat seiner Skulptur den Namen Bronzegöttin gegeben.

Sieben Mal ist er in die Glockenstadt gereist, um zunächst in aller Ruhe den Glockenguss kennenzulernen. „Mich hat fasziniert, dass es diese Glockengießerei bereits seit 1690 gibt und dort große Kirchenglocken noch immer auf alte Weise in einer Gießgrube gegossen werden“, sagt der Künstler.

Aus seiner Vision als Künstler heraus habe er begonnen, mit dieser Methode und allen Schritten des Glockengießens eine kleinere Version einer Glocke herzustellen. Bereits im Vorfeld habe er Kontakt zu Dirk Hüttemann aufgebaut, dem Geschäftsführer der Petit & Gebr. Edelbrock GmbH & Co. KG, der Glocken- und Kunstguss-Manufaktur.

Zunächst sei bei der Entstehung dieser besonderen Glocke auf einem Steinfundament eine Glockenform aus Ton und einer Schablone hergestellt worden. Dann sei ein Wachsmodell darüber hergestellt worden, die sogenannte „falsche Glocke“, wonach eine äußere Tonschale dagegen hergestellt worden sei. Dieses äußere Gehäuse sei angehoben worden, wonach die „falsche Glocke“ entfernt werden konnte. Schließlich sei die Gussgrube mit der Glockenform mit Sand gefüllt und gestampft worden.

Während des Endgusses sei die heiße Bronze über Gießkanäle aus dem großen Ofen in die Glockenform geleitet und unterirdisch mit der heißen Bronze gefüllt worden. „Danach ist nach dem Abkühlen eine schöne Glocke entstanden“, zeigt sich der Künstler noch immer tief beeindruckt.

Edwin Pietersen kommentiert dazu: „Der Gedanke, den ich durch das Sehen und Verstehen dieser Methode bekam, war, dass ein historisches, gar magisches Ereignis stattgefunden hat; es ähnelte einem alten heidnischen Ritual.“ Aus diesem Gedanken heraus habe er eine Art heidnisches Bild schaffen wollen, das auf der Glockenform basiert und die Elemente verwendet, die die Glocken normalerweise besitzen. Edwin Pietersen freut sich: „Das Kunstwerk ist zu einer Art Ur- oder Muttergöttin-Statue geworden, die tief in der Erde mit der heißen Bronze gedüngt wird und zum Leben erweckt werden kann.“

Die Elemente der klassischen Glocken wie die Form, Randbeschriftung und die Verzierungen auf der Glocke, der Krone und dem Klöppel würden sich in der Statue widerspiegeln und seien von einer heidnischen Atmosphäre umgeben.

Die Gießmethode, bei der die heiße Bronze über horizontale Gießkanäle zu den verschiedenen Glocken fließen kann, habe noch mehr die Idee eines Rituals gegeben. „Ich wollte diesen Weg nachahmen, indem ich eine Art Petroglyphe machte, in der die Bronze nun zur Muttergöttin fließt“, erläutert der Künstler. Eine Petroglyphe ist ein in Stein gearbeitetes Felsbild.

Edwin Pietersen präsentiert seine Glockenstatue, die Bronzegöttin, nun zusammen mit den Kunstwerken anderer Handwerker und Künstler in der Ausstellung das Projekt „(No) time to waste“ im Civon-Gebäude in der alten DRU-Eisengießerei im niederländischen Ulft.

Edwin Pietersen wurde in Kunst an der Akademie der Künste in Arnheim, Niederlande, und in Bildhauerei an der Berufsschule für Steinmetz in Utrecht in den Niederlanden ausgebildet.

Der Künstler hat Skulpturen und Wandbilder in den Niederlanden und anderswo in Europa realisiert. Als Bildhauer hat Pietersen an großformatigen Steinen und Skulpturen gearbeitet, unter anderem für Vergnügungsparks und Zoos. Pietersen schafft auch Bühnenbilder für Tanz- und Theater aufführungen.

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