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Vorgelegte Planung für Mehrfamilienhäuser an der Twente soll überarbeitet werden

„Das ist kein Großwohnungsbau“

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„Das ist kein Großwohnungsbau“, stellte Architekt Heiner Farwick klar. Aus dem Bauausschuss gab es zwar mehrfach Lob für die architektonische Lösung, wie das 2100 Quadratmeter große Kindergartenareal an der Twente bebaut werden soll. Hier sollen – wie berichtet – drei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 18 Wohnungen entstehen. Am Ende aber überwogen die Bedenken, die vorab schon von den Anliegern geäußert worden waren. Befürchtet wird eine zu starke Nachverdichtung mit negativen Konsequenzen für Nachbarhäuser und Parksituation. Vor diesem Hintergrund brachte der Ausschuss die erforderliche Änderung des Bebauungsplanes „Neuen Kamp – Feldwiese“ noch nicht auf den Weg. Vielmehr soll bis zur nächsten Sitzung Anfang Oktober eine überarbeitete Planung vorgelegt werden, die verschiedene Anregungen berücksichtigt.

Von Jürgen Schroer

Diesen Entwurf für die Bebauung des Kindergartengrundstückes an der Twente stellte Architekt Heiner Farwick im Bauausschuss vor. Vorgesehen sind drei Einzelbaukörper mit insgesamt 18 Mietwohnungen. Foto: Quelle: farwick+grote Architekten BDA Stadtplaner

Hintergrund des Projektes: Der Marien-Kindergarten zieht zur Riete, die Geno hat das Grundstück Twente übernommen und plant hier Mehrfamilienhäuser. Diese Planung ist den Anliegern unlängst vorgestellt worden und stößt auf Kritik. Wie Bürgermeisterin Anne Kortüm berichtete, fürchteten die Anlieger Schattenbildung, die Einsehbarkeit in ihre Gärten, mehr Verkehr, eine noch engere Parksituation und insgesamt eine Wertminderung für ihre Immobilien. Insgesamt sei es nicht gelungen, die Bedenken auszuräumen.

Architekt Farwick stellte die Ist-Situation im Quartier und die Pläne im Detail vor. Vorgesehen seien drei Einzelbaukörper mit zwei Vollgeschossen und einem ausgebauten Dachgeschoss. Die barrierefreien Wohnungen – zwei pro Etage – seien zwischen 61 und 83 qm groß. Zwischen den Gebäuden sei eine grüne Mitte ausgebildet. Insgesamt seien auf dem Grundstück zwei Stellplatzanlagen mit insgesamt 18 Parkplätzen und getrennten Zufahrten ausgewiesen. Diese Bebauung sei „maßstäblich“ und im Gesamtkontext gut vertretbar. Befürchtungen von Anliegern, dass hier ein sozialer Brennpunkt entstehen könnte, wies Farwick zurück. Öffentlich geförderte Wohnungen seien für Menschen „in der Mitte der Gesellschaft, nicht am Rand“.

Aus dem Ausschuss kamen sehr unterschiedliche Reaktionen. Dominikus Bartusch (CDU) lobte die Optik und stellte Nachverdichtung als politisches Ziel heraus. Auf der anderen Seite hätten die Baukörper eine „dominante Höhe“. Er plädierte für eine Überarbeitung der Planung unter Beibehaltung der Zahl von 18 Wohnungen. Christoph Gand (FDP) kritisierte zu wenig Pkw-Stellplätze, fehlenden Platz für Fahrräder und Mülltonnen und wollte wissen, ob die Option einer Tiefgarage geprüft worden sei. Dann lasse sich das Projekt beim hiesigen Mietniveau nicht wirtschaftlich realisieren, winkte Farwick ab.

Ähnlich argumentierte Nico Charbon (UWG): Auch er vermisste Stellmöglichkeiten für Fahrräder und Mülltonnen, plädierte für eine Überarbeitung der Bauhöhe und dafür, 1,5 Pkw-Stellplätze pro Wohneinheit vorzusehen. Letzteres hätte aber Konsequenzen, dann könne es hier keine geförderten Wohnungen geben, verwies Farwick auf Vorgaben des Landes NRW.

Uneingeschränkte Zustimmung zur Planung signalisierte nur die SPD: „Das ist überzeugend und die Ausnutzung des Grundstückes ist völlig in Ordnung“, sagte Andreas Langer. Weil der Bring- und Holverkehr zum Kindergarten wegfalle, verbessere sich die Situation für die Anlieger sogar. Und Klaus Schonnebeck (SPD) verwies darauf, dass sich die Stadt gegenüber der Geno als Investor vertraglich verpflichtet habe, dass die Genossenschaft an der Twente 18 Wohnungen errichten dürfe. Da könne man nicht einfach eine „Rolle rückwärts“ machen. Anne Kortüm bestätigte das: Sollte diese Bebauung nicht ermöglicht werden, müsse die Stadt Schadensersatz leisten oder ein anderes Grundstück zur Verfügung stellen.

Nach über 70-minütiger Diskussion und viel Hin und Her verständigte sich der Ausschuss darauf, das Änderungsverfahren für den Bebauungsplan noch nicht einzuleiten. Erwünscht ist eine Überarbeitung der Planung, die möglichst viele Anregungen aus der Diskussion am Mittwoch berücksichtigt.

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