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Nina Musholt aus Gescher ist Preisträgerin beim Deutschen Jugendfotopreis 2015 / Rolleiflex immer dabei

Das Unscheinbare im Blick

Gescher. Ihre gut 60 Jahre alte Rolleiflex hat Nina Musholt fast immer dabei. Die analoge Mittelformatkamera hat die Gescheranerin in einem Kameraladen in Enschede entdeckt und ist seitdem ihr wichtigstes Werkzeug. „Mein Baby“, schmunzelt die 24-jährige Fotografie-Studentin. Das Ergebnis sind quadratische Schwarz-Weiß-Bilder, die jetzt ausgezeichnet werden: Nina Musholt zählt zu den Preisträgerinnen beim Deutschen Jugendfotopreis 2015. „Als die Nachricht aus Berlin kam, habe ich mich total gefreut“, strahlt sie. Mit ihrer Familie fährt sie am letzten September-Wochenende in die Hauptstadt, wo die Preisverleihung im Deutschen Historischen Museum stattfindet.

Jürgen Schroer

Beim Fotografieren arbeitet Nina Musholt (24) fast immer mit ihrer Rolleiflex, einer analogen Mittelformatkamera. Foto: az

„Mein Deutschland“ lautet das Thema des Jugendfotopreises 2015. Kurz vor Abgabeschluss entdeckte Nina Musholt die Ausschreibung im Internet und reichte spontan ihre Serie „Gardening“ ein – Bilder, die im Garten ihrer Eltern entstanden sind. Sie zeigen das Land nicht auf die klassische Art, sondern aus einem besonderen Blickwinkel. „Ich habe versucht, eine eigene kleine Welt zu erschaffen“, erklärt Musholt. Das ist aus Sicht der Jury gelungen, denn die Gescheranerin zählt in der Altersgruppe 21 bis 25 Jahre zu den Besten. Die endgültige Platzierung ist offen, das wird erst in Berlin bekanntgegeben. Die Auszeichnung umfasst einen Geldpreis und die Teilnehme an einem Profi-Workshop mit prominenten Fotografen.

Ihre erste Kamera hat Nina Musholt etwa mit 14 bekommen. Seitdem ist das ihre Leidenschaft: „Es fühlt sich einfach gut an und deshalb fotografiere ich“, sagt sie. Seit 2012 studiert sie in Enschede Fine Art Media, peilt für 2016 den Bachelor-Abschluss an. Ein Master-Studiengang soll folgen. „Später möchte ich als freischaffende Fotografin arbeiten“, skizziert Nina Musholt ihre berufliche Perspektive. Schon jetzt hat sie ihren eigenen Stil entwickelt. Sie fotografiert am liebsten mit ihrer alten Rolleiflex und entwickelt Filme und Abzüge selbst in der Dunkelkammer. „So habe ich die Kontrolle von A bis Z und muss nichts in fremde Hände geben“, erklärt sie. Pro Foto braucht es schon mal 20 Minuten, bis Einstellungen, Lichteinfall und Perspektive stimmen und sie den Auslöser betätigt. „Das sind halt keine Schnappschüsse“, verdeutlicht die Fotografin. Sie mag diese verlangsamte Phase, in der sie sich ganz auf sich, die Kamera und das Motiv konzentrieren kann.

„Ich fotografiere meistens das Unscheinbare oder Versteckte, das, an dem jeder vorläuft“, sagt die junge Frau. Oft entdeckt sie Motive in der Natur, im Zoo oder im direkten Umfeld – beispielsweise im Garten ihrer Eltern. Hier ist bereits 2014 die Serie „Gardening“ entstanden, die jetzt preisgekrönt wird. Die Schwarz-Weiß-Fotos zeigen beispielsweise ihren Bruder am Baum hängend oder am Tisch sitzend, jeweils aus ungewöhnlicher Perspektive. Mit diesem Teil von „ihrem“ Deutschland, dem Garten, verbindet Nina Musholt viele Erinnerungen an Kindheit und Jugend. „Und das Gefühl, wieder zu Hause zu sein“, sagt die 24-Jährige. Deshalb passe die Serie gut zum Wettbewerbsthema: Die Fotos zeigten ihre persönliche Sicht auf Deutschland – zumindest auf einen kleinen Teil davon.

Nun steigt die Vorfreude auf Berlin, wo Bundesjugendministerin Manuela Schwesig die fotografischen Leistungen der Nachwuchstalente würdigen wird. Familie und Freund sind dabei: „Die haben sich riesig für mich gefreut“, so die künftige Jugendfotopreisträgerin.

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