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Torfstecher-Skulptur in Hochmoor ist zum beliebten Treffpunkt geworden

Den Tiefen des Moores entstiegen

Hochmoor

Liah Voßkühler schätzt die Lage richtig ein: „Man sieht, dass der Mann schwer arbeiten musste.“ Recht hat die 8-Jährige, denn die Skulptur, die sich in Hochmoors Grüner Mitte zum beliebten Treffpunkt entwickelt hat, stellt einen Torfstecher da. In gebückter Haltung hebt der in Bronze gegossene Arbeiter ein Stück Torf an und erinnert damit an die Entstehung von Hochmoor, denn die Geschichte des Ortsteils begann Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem systematischen Abbau des brennbaren Materials im Süden von Tungerloh-Pröbsting. Aus der zum späteren Torfwerk gehörenden Arbeitersiedlung entwickelte sich das beschauliche Hochmoor.

Von Jürgen Schroer

Fühlen sich durch die Torfstecher-Skulptur in der Grünen Mitte an die Entstehungsgeschichte des Ortes Hochmoor erinnert (v.li.): Johanna Voßkühler, Heimatvereinsvorsitzender Reinhold Gertz, Liah Voßkühler, Noah Voßkühler, Paul Kersten und Jason Wolter. Foto: Fotos: Jürgen Schroer

Liahs Schwester Johanna (16) findet die Skulptur im Dorfzentrum sehr passend: „Man kann sich gut vorstellen, wie die Arbeit hier früher ausgesehen hat“, findet sie. Genau das, bestätigt der Heimatvereinsvorsitzende Reinhold Gertz, war die Grundidee, als seinerzeit das Ortsjubiläum 100 Jahre Hochmoor am Horizont auftauchte. „Zu diesem runden Geburtstag hatte unser Dorf ein Geschenk verdient“, blickt Gertz zurück. Parallel zur Planung der Grünen Mitte initiierte er über die „Plattform“ Heimatverein eine Spendenaktion. Und die Hochmooraner zogen mit: „Binnen zwei Wochen hatten wir 10 000 Euro zusammen“, berichtet Gertz. Die Gestaltung der Skulptur wurde Benno Hanke übertragen, ein vielseitiger Künstler, der schon häufig der Glockengießerei Gescher zugearbeitet hatte.

Für das Konterfei der Torfstecher-Skulptur griff Hanke auf die eigene Familiengeschichte zurück: Es zeigt seinen Schwiegervater Josef Lammering, einen typischen Torfarbeiter, den er nur von Bildern kannte. „Die Ähnlichkeit ist unverkennbar“, versichert Bernhard Voßkühler vom Heimatverein und lobt das Ergebnis als „Meisterwerk“. Und Hedwig Hanke (88) nickt: Sie fühlt sich jedes Mal an ihren Vater erinnert, wenn sie den Torfstecher sieht. Und natürlich an die künstlerische Arbeit ihres verstorbenen Mannes, als er im heimischen Keller mit viel Liebe zum Detail am Wachsmodell für den Torfstecher feilte.

2007 wurden diese Vorarbeiten geleistet, im April 2008 wurde die Skulptur in der hiesigen Glocken-Manufaktur gegossen. Weil aber die Gestaltung der Grünen Mitte und das Ortsjubiläum 2012 noch Zukunftsmusik waren, hat sich der Torfstecher „in die Tiefen des Moores zurückgezogen“, schmunzelt Reinhold Gertz rückblickend. Das heißt, die Figur wurde versteckt und kam erst im November 2010 wieder ans Licht. Nach der Aufstellung wurde die Skulptur im April 2011 feierlich übergeben und beim großen Ortsjubiläum im September 2012 eingesegnet. Seitdem ist sie ein Herzstück der Grünen Mitte, die bald durch eine Neugestaltung des Spielplatzes weiter aufgewertet werden soll.

Schüler wie Paul Kersten (10), Noah Voßkühler (12) und Jason Wolter (11) bevorzugen zwar die Skateranlage als Treffpunkt, wissen aber aus dem Schulunterricht einiges über den Torfstecher. Der schaut – breitbeinig und gebückt stehend – etwas angestrengt auf das Stück Torf, das er soeben gestochen hat. Authentisch wirkt die Szene, weil drumherum zwei Torfwände und eine Karre stehen, bestückt mit Weißtorf. „Kommt der aus Hochmoor?“, will Noah wissen. Reinhold Gertz verneint, die Torfstücke seien aus dem Emsland besorgt worden. Aber die Karre sei ein echtes Original: „Die ist früher im Torf gelaufen“, weiß der Heimatvereins-Chef. Eine Bronzeplatte mit der Aufschrift „Alter Torfstecher Hochmoor 1912 - 2012“ erklärt den Hintergrund. Wobei das Jahr 2012 als Gründungsjahr für Hochmoor gilt, weil da die Volksschule (heute Heimathaus) errichtet wurde.

Gepflegt sieht die Anlage mit den Sitzbänken rund um Skulptur und Torfkarre aus. Dafür sorgen ehrenamtliche Helfer des Heimatvereins. „Hier sind fast immer Leute“, hat Norbert Voßkühler beobachtet. Für Ortsfremde sei der Torfstecher eine beliebte Anlaufstation, aber auch die Hochmooraner nutzen die Skulptur gerne als Treff- und Startpunkt für Ausflüge.

Woran Liah denkt, wenn sie den gebückten Mann bei der Arbeit sieht? „Dass hier früher alles voll Moor war“, antwortet die 8-Jährige. Reinhold Gertz freut sich: Genau so war das gedacht…

0 Bitte mitmachen, liebe Leserinnen und Leser. Unsere Frage zum Torfstecher in Hochmoor lautet: Wie heißt der Vogel, der auf der Bronzeplatte am Fuße der Skulptur dargestellt ist?

7  In der nächsten Folge am Mittwoch (4. 8.) stellen wir auf der Seite Rosendahl ein störrisches Tier vor.

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