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60 Millionen Euro sind in den Bau von zehn Windkraftanlagen geflossen

Endspurt für den Bürgerwindpark

Gescher

Wer in diesen Tagen durch Tungerloh radelt, legt oft einen ungeplanten Zwischenstopp ein und staunt. Im südlichen Bereich der Bauerschaft Pröbsting entsteht Gewaltiges: Vier Windräder sind hier im Bau, die am Ende Gesamthöhen zwischen 200 und 241 Metern erreichen. Matthias Ening, zusammen mit Franz van Üüm Geschäftsführer der Gescher Bürgerwind GmbH & Co. KG, deutet nach oben, wo ein omnibusgroßes Maschinenhaus den neu erbauten Turm abschließt. „Da sind wir in 166 Metern Höhe“, erläutert er. Ein riesiger Kran hebt diese Lasten, in Kürze auch die 75 Meter langen Flügel, auf die Nabenhöhe. Läuft alles nach Plan, werden die vier Anlagen in Pröbsting bis Anfang August in Betrieb genommen und Strom liefern. Hinzu kommt eine fünfte Anlage in Estern, die von der Glockenstadt Energiegenossenschaft eG betrieben wird.

Von Jürgen Schroer

In Tungerloh-Pröbsting entstehen vier Vestas-Windkraftanlagen mit Gesamthöhen zwischen 200 und 241 Metern. Das Bild zeigt die Geschäftsführer der Gescher Bürgerwind, Franz van Üüm (li.) und Matthias Ening, vor einem omnibusgroßen Maschinenhaus. Foto: Fotos: Jürgen Schroer

Ende 2019 war der erste Bauabschnitt des Bürgerwind-Projektes abgeschlossen worden. Diese fünf Windräder – einschließlich der ersten Anlage der Energiegenossenschaft – drehen sich in Büren, Pröbsting Nord und Hochmoor. Die Investitionssumme belief sich auf rund 30 Millionen Euro. Im zweiten Bauabschnitt, der aktuell läuft, wird noch einmal die gleiche Summe bewegt, sodass sich eine Gesamtinvestition von etwa 60 Millionen Euro ergibt. Alle zehn Anlagen zusammen, so die Berechnungen, liefern nach der Fertigstellung etwa 100 Millionen Kilowattstunden Strom jährlich. „Das reicht, um rechnerisch 25 000 Drei-Personen-Haushalte zu versorgen“, erläutert Franz van Üüm.

Viel Schwerlastverkehr ist in den letzten Wochen zu den Baustellen in Pröbsting gerollt. Metallplatten haben die Einmündung von der L 608 zur Büschersstiege zu einem Trichter verbreitert, damit die Transporter buchstäblich die Kurve kriegen konnten. Große Beton- und Stahlelemente für den Turmbau, aber auch die Flügel – 75 Meter lang und über 17 Tonnen schwer – mussten angeliefert werden. Der Baufortschritt für die insgesamt vier Vestas-Anlagen ist unterschiedlich: In einem Fall liegen erst die Fundamente, im anderen Fall steht bereits der Turm mit der aufgesetzten Gondel. 20 bis 25 Arbeiter sind täglich auf den Baustellen, damit die Anlagen gen Himmel wachsen. „Die Arbeiten sind bislang planmäßig verlaufen, ohne Zwischenfälle“, freut sich van Üüm. Parallel entsteht in Estern eine Windkraftanlage vom Typ Nordex N117, die von der Glockenstadt Energiegenossenschaft errichtet wird. Sie hat eine Gesamthöhe von 180 Metern und soll Mitte August ans Netz gehen. Es handelt sich dabei nach Büren um die zweite Anlage der Genossenschaft, an der sich Gescheraner Bürger mit Geschäftsanteilen beteiligen konnten. Sie dürfen mit einer mehr als vierprozentigen Rendite für ihre Beteiligung rechnen.

Auch die Stadt Gescher profitiert – nicht nur von künftigen Gewerbesteuerzahlungen in sechsstelliger Höhe jährlich, sondern auch von weiteren Abgaben. Der Zustand der festgelegten Transportwege beispielsweise ist vorab mit der Stadt Gescher zusammen dokumentiert worden. „Am Ende der Baumaßnahme stellen wir die Wege so wieder her, wie sie waren – oder verbessern sie sogar noch etwas“, verweisen van Üüm und Ening auf vertragliche Regelungen. Hinzu kämen einmalige Pauschalen für jede Windkraftanlage und jährliche Zahlbeträge als Ausgleich für die Nutzung der städtischen Infrastruktur.

Eine gute Nachricht haben die beiden Geschäftsführer für alle, die sich am nächtlichen Blinken der vielen Windräder im Außenbereich stören. Ab 2022 sei die „bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung“ vorgeschrieben. Das bedeutet, dass die roten Lampen nur noch blinken, wenn sich ein Flugzeug nähert. „Ein Fortschritt“, findet van Üüm.

Wenn dann im August alle zehn Anlagen Strom produzieren, ist das Großprojekt Bürgerwindpark in Gescher abgeschlossen. Weitere Standorte sind nicht geplant. Bei anderen Eigentümern, so van Üüm, rücke in nächster Zeit das Thema Repowering in den Vordergrund.

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