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Auf dem Weg zu einem Konzept für die Kulturarbeit der Stadt Gescher

Feuerwerk an Ideen entzündet

Gescher. Ein Feuerwerk an Ideen für die Kulturarbeit in der Glockenstadt Gescher hat Reinhart Richter in der dritten Veranstaltung auf dem Weg zum Kulturkonzept entzündet. Eine Museumsplattform, junge Kulturbotschafter für Angebote in Kindergärten und Schulen, ein internationales Friedensprojekt und auch die Auslobung eines Kunstpreises für digitale Kunst könnten dazugehören. Ende Februar ist sein Osnabrücker Beratungsbüro beauftragt worden, ein solches Konzept zu erarbeiten.

Manuela Reher

Dass eine Stadt mit gut 17 000 Einwohnern gleich über vier Museen und eine Kunsthalle verfüge, sei außergewöhnlich und berge großes Potenzial, kommentierte Kulturberater Reinhart Richter in der dritten Veranstaltung auf dem Weg zum städtischen Kulturkonzept. Fotos: Archiv Foto: az

Gut 30 Akteure haben an der digitalen Informationsveranstaltung teilgenommen. Die Mitglieder des Rates, die Mitwirkenden der Kulturworkshops vom Oktober 2019 und August 2020 und alle an der Kulturplanung Interessierten erlebten mit, wie Reinhart Richter und Katrin Eisenträger (Richter Beratung) die augenblickliche Situation des Kulturlebens einschätzen.

Richter betonte eingangs: „Ich bin beeindruckt, was wir in Gescher als Potenzial vorfinden.“ Für eine Stadt mit gut 17 000 Einwohnern sei es „außergewöhnlich“, dass sie über gleich vier Museen, davon eines in städtischer Trägerschaft und drei in ehrenamtlichen Händen verfüge. Auch die privat geführte Kunsthalle Hense sehe er gleichsam als kommunale Einrichtung.

Ein „besonderer Schatz“ sei die Glockengießerei, die man verstärkt in den Blick rücken müsse. In ganz Deutschland gebe es nur drei Glockengießereien, eine davon stehe in Gescher. Richter regte an, Besuche von auswärtigen Kirchengemeinden zum „Geburtsort“ ihrer Kirchenglocken zu organisieren. Anlässlich des Jubiläumsjahres 2023, wenn sich der Westfälische Friede zum 375. Mal jähre, könne man in Gescher ein internationales Friedensprojekt planen, bei dem Geschosse zu Friedenglocken gegossen werden – nach dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“.

Ein wichtiges Anliegen müsse sein, junge Menschen an der Kulturarbeit zu beteiligen. Sie sollten Vermittler für kulturelle Veranstaltungen in den Bildungseinrichtungen sein. Überhaupt fehle es an einer Netzwerkstruktur, bemerkte Richter.

Wichtig sei es auch, die 1200 Menschen in Gescher aus anderen Kulturen zu berücksichtigen, sagte der Kulturberater. Er wundere sich darüber, dass es keinen Ausländerbeirat in der Stadt gebe. Aber offensichtlich sei die Integration „geräuschlos“ erfolgt. Das müsse wohl auch an den guten Nachbarschaftsstrukturen in Gescher liegen, meinte er. Bürgermeisterin Anne Kortüm betonte, dass die Integration „ganz gut gelungen“ sei, woran die Flüchtlingsinitiative großen Anteil habe.

Reinhart Richter regte ebenfalls an, die großen Unternehmen in Gescher für eine starke und dauerhafte Förderung des Kulturlebens zu gewinnen. Man könne zum Beispiel einen internationalen Wettbewerb für digitale Kunst veranstalten und dabei leere Ladenlokale in der City als Ateliers für die Künstler nutzen.

Die finanzielle Förderung der Kultur sei vor dem Hintergrund, dass der Kulturetat der Stadt Gescher weniger als zwei Prozent des Gesamtvolumens ausmache, besonders wichtig. „Normalerweise sollte sich der Kulturetat einer Stadt auf fünf Prozent belaufen“, sagte Richter.

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