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Bürgermeisterin Anne Kortüm über ihren Start und die Hauptaufgaben in 2021

„Fühle mich hier am richtigen Platz“

Gescher. Seit Anfang November ist Anne Kortüm (58) als Bürgermeisterin der Stadt Gescher im Amt. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Jürgen Schroer äußert sich die parteilose Verwaltungschefin über die Erfahrungen der ersten Arbeitswochen und die Aufgaben und Herausforderungen in diesem Jahr.

Allgemeine Zeitung

Bürgermeisterin Anne Kortüm an ihrem Arbeitsplatz im Rathaus. Im Hintergrund ist ein Bild mit dem Titel „Gleich“ zu sehen, das die Gescheraner Künstlerin Maria Bröcker der Verwaltungschefin als Leihgabe zur Verfügung gestellt hat. Foto: Jürgen Schroer

Sie sind jetzt gut zwei Monate im Amt. Wie fühlt es sich an, Bürgermeisterin der Stadt Gescher zu sein?

Kortüm: Es ist schön – immer noch. Ich freue mich, dass mir die Gescheraner bei der Wahl in so großer Zahl ihr Vertrauen geschenkt haben. Ich fühle mich total wohl im Rathaus. Die Arbeit macht Spaß, auch wenn viele Dinge neu für mich sind. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich fühle mich hier am richtigen Platz.

Was ist anders, als Sie es erwartet haben?

Kortüm: Der Arbeit in der Verwaltung und die Zusammenarbeit mit den Kollegen ist so, wie ich mir das im Vorfeld erhofft und erwartet hatte. Das läuft. Positiv überrascht hat mich das gute Netzwerk unter den Bürgermeistern im Kreis Borken in Verbindung mit der Spitze der Kreisverwaltung. Da wird das Wort von de,r kommunalen Familie tatsächlich gelebt. Die enge Zusammenarbeit betrifft in der aktuellen Phase natürlich den Umgang mit der Corona-Problematik, gilt aber auch für andere Themenfelder. Die Unterstützung von dieser Seite ist besonders für alle, die neu im Amt sind, wichtig und hilfreich. Mindestens einmal pro Woche stimmen wir uns ab, derzeit per Videokonferenz.

Welchen Eindruck haben Sie von der „Mannschaft“ im Rathaus? Haben Sie schon mit jedem Mitarbeiter sprechen können?

Kortüm: Im Rathaus habe ich tatsächlich schon mit allen Kolleginnen und Kollegen zumindest kurz gesprochen, in den Außenstellen bin ich noch nicht ganz rund. Meine Eindrücke sind sehr positiv: Das Team hier ist noch motivierter und engagierter, als ich gedacht hätte. Mir treten die Mitarbeiter sehr offen gegenüber, sodass ich den Start hier als gelungen bezeichnen möchte.

Ist die jetzige Personaldecke ausreichend?

Kortüm: Zweifellos können wir in einigen Bereichen gut Verstärkung gebrauchen, aber das ist natürlich eine Kostenfrage. Die Stelle des Klimaschutzmanagers werden wir ausschreiben, sofern uns die beantragte Förderung bewilligt wird. Nach meinem Eindruck ist die Personaldecke eher knapp, zumal wir auch viele Teilzeitstellen und einige Langzeiterkrankte verkraften müssen und einen Berg von Urlaubstagen und Überstunden vor uns herschieben. Aber auf die Schnelle passiert da nichts, ich werde mir das in Ruhe ansehen.

In Ihrer Rede zur Haushaltseinbringung haben Sie von offenen Baustellen gesprochen, die Sie im Rathaus vorgefunden hätten. Was meinen Sie damit?

Kortüm: Wir müssen unsere Darstellung nach außen verbessern – da hat Gescher Potenzial, das es stärker zu nutzen gilt. Meine Vorstellung geht dahin, eine neue Strategie zu entwickeln, wie sich die Stadt insgesamt präsentiert. Eine Bürgerbefragung könnte dabei hilfreich sein. Eine andere Baustelle ist der Wirtschaftswegeverband. Das Verfahren stockt, weil die Gründungsversammlung aufgrund der Corona-Situation vorerst nicht stattfinden kann. Da müssen wir schauen, wie wir vorankommen.

Die Corona-Situation bleibt angespannt, in Gescher sind die Infektionszahlen hoch. Was kann die Stadt tun? Und was sagen Sie Bürgern, die den Ernst der Lage verkennen?

Kortüm: Die ganz große Mehrheit der Gescheraner hält sich an die aktuellen Vorgaben. Ansonsten kann ich meinen Appell aus der Haushaltsrede nur wiederholen: Lockdown akzeptieren, soziale Kontakte vermeiden und zu Hause bleiben! Unsere große Hoffnung ruht auf den angelaufenen Impfungen. Hier leistet die Stadt einen direkten Beitrag: Es wird in Kürze ein landesweit einheitliches Einladungsschreiben zur Impfung geben, das über die Stadt auch an die über 80-Jährigen in Gescher verschickt wird. Allgemein bindet das Thema Corona viel Arbeitskraft im Rathaus.

Im Wahlkampf haben Sie eine zügige Realisierung des Rettungszentrums versprochen. Wie ist der Stand der Dinge? Bleibt es beim beschlossenen Standort oder läuft es auf einen Neubau hinaus?

Kortüm: Die Machbarkeitsstudie liegt vor und wird am 13. Januar im Lenkungsausschuss beraten. Sie enthält Aussagen zur Umsetzung eines Rettungszentrums in der Halle an der Bahnhofstraße im Vergleich zu einem Neubau, verbunden mit Kostenschätzungen. Teuer werden beide Varianten. Ich hoffe, dass wir zeitnah zu einer sachgerechten Lösung kommen. Mein Wunsch-Fahrplan wäre: 2021 planen, 2022 ausschreiben, 2023 bauen. Mal schauen, was die Beratung im Lenkungsausschuss bringt.

Auch der Umbau des Theater- und Konzertsaales lässt auf sich warten. Wann geht es los? Und wann soll alles fertig sein?

Kortüm: Da geht’s voran. In diesem Monat wird der Saal leergeräumt, danach können die Umbauarbeiten beginnen. Geplante Fertigstellung ist im Sommer 2022, sodass danach hoffentlich viele schöne Veranstaltungen in zeitgemäßem Ambiente dort stattfinden können.

In Hochmoor werden laut Ratsbeschluss bis Mitte 2021 Baugrundstücke für einen Lebensmittelmarkt freigehalten. Wie optimistisch sind Sie, dass das klappt?

Kortüm: Das kann noch mal interessant werden. Selbstverständlich werde ich alle in Frage kommenden Einzelhandelsketten nochmals kontaktieren und auf das Standortangebot in Hochmoor hinweisen. Parallel planen wir eine Bürgerbefragung, um abzuklären, was die Hochmooraner sich vorstellen und wie die Bedarfssituation aussieht. In diesem Zusammenhang lässt sich auch feststellen, ob Bereitschaft besteht, sich ehrenamtlich zu engagieren. Stichwort: Dorfladen-Projekt. Über die Realisierungschancen lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.

Welche weiteren Herausforderungen bringt das Jahr 2021?

Kortüm: Auch wenn es niemand mehr hören mag: Es geht darum, die Stadt und ihre Bürger bestmöglich durch die Pandemie zu führen. Das ist – neben den bekannten Großprojekten und Baustellen – die zentrale Herausforderung für das neue Jahr.

Wie bewerten Sie die bisherige Zusammenarbeit mit der Politik? Ist es schwierig, die unterschiedlichen Interessen und Meinungsbilder der Ratsfraktionen zu bündeln?

Kortüm: Die Zusammenarbeit funktioniert gut, da ist bislang alles in Ordnung. Ich erlebe alle Beteiligten als sehr engagiert. Dass man nicht bei allen Themen einer Meinung sein kann, liegt auf der Hand und gehört zum politischen Diskurs.

Mit dem Bürgermeisteramt ist ein hoher Arbeits-, Termin- und Erwartungsdruck verbunden. Wie gehen Sie damit um?

Kortüm: Ich habe zu Beginn meiner Tätigkeit festgestellt, dass ich mich von der Bevölkerung getragen fühle. Das ist immer noch so. Dass das Bürgermeisteramt viel Arbeit und 60-Stunden-Wochen bedeutet, war mir vorher klar. Was aufgrund der Pandemielage fehlt, sind gemeinsame Treffen und der direkte Kontakt zum Bürger. Aber das kommt wieder.

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