1. www.azonline.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Gescher
  6. >
  7. Gute Werke an der Nähmaschine

  8. >

Elisabeth Thiery mit Ehrenamtspreis 2020 ausgezeichnet

Gute Werke an der Nähmaschine

Gescher. „Nähen habe ich immer gern gemacht, aber seit dem Tod meines Mannes 2013 nähe ich noch mehr“, schickt Elisabeth Thiery (75) voraus in ihrer gemütlichen Wohnung in Gescher. Sie näht Onkomützen und -masken für Krebskranke, Kissen für die Organisation „Quad-Kinder“, die sich um gemobbte und benachteiligte Kinder kümmert, und Kleidung zur Bestattung der „Sternenkinder“. Für ihr ehrenamtliches Engagement erhielt die gelernte Schuhmacherin Ende November den Ehrenamtspreis 2020 der Glockenstadt Gescher.

Elvira Meisel-Kemper

Viel Zeit verbringt Elisabeth Thiery an ihrer Nähmaschine, um Onkomützen, Kissen oder Kleidung für Sternenkinder herzustellen. Fotos: emk Foto: az

Wie klein und zart die Sternenkinder sind, die vor oder bei der Geburt sterben, zeigt die Sammlung der Kleidung für Jungen und Mädchen. In unterschiedlichen Größen hat die Gescheranerin Hemdchen, Höschen, Jäckchen, kleine Mützen oder Einschlagdecken genäht. Einiges bekommt sie auch von anderen Handarbeitsgruppen oder Einzelpersonen. Nicht umsonst stapeln sich in ihrer Wohnung die Kisten mit fertigen Kleidungsstücken.

Eine komplette Garnitur verpackt sie in kleinen Säckchen und schickt sie an die Entbindungsstationen der Krankenhäuser in der Region. „Ich hatte selbst kein Sternenkind, meine Mutter wohl“, erklärt die Preisträgerin aus Gescher.

Über Facebook oder andere soziale Kanäle stöbert sie Stoffe und Materialien auf, tauscht sie mit den anderen oder übernimmt Bestände von anderen. „Eine Frau aus Berlin schickte mir Sachen für Sternenkinder zu, weil sie selbst nicht mehr nähen konnte. Manches habe ich auch zu einer Verteilerin in Brandenburg geschickt. Eine Rückmeldung, was daraus geworden ist, habe ich nie bekommen“, so Thiery.

„Ich suche gerade einen Sponsor für Kartons, damit ich das alles sicher einpacken und manchmal auch verschicken kann.“ Über einen persönlichen Kontakt zu einer Stewardess aus der Region gelangte ihre Sternenkinder-Kleidung sogar nach Amerika. „Das kannte man in den USA noch nicht. Ich weiß auch gar nicht, ob das in den Niederlanden bekannt ist. Ich würde gern meine Sachen an die Kliniken in Enschede und Winterswijk schicken. Vielleicht kann mir jemand helfen, den Kontakt herzustellen“, ergänzt sie.

Die Verleihung des Ehrenamtspreises bei ihr zu Hause war Überraschung pur. „Nur mein Sohn wusste Bescheid. Er sollte sicherstellen, dass ich auch zu Hause war“, schmunzelt Thiery noch heute über die gelungene Überraschung. „Da standen fünf Möchtegern-Nikoläuse vor der Tür. Ich habe erst gedacht, die wollen mich auf den Arm nehmen oder abzocken. Erst als sie sich vorgestellt haben, habe ich sie reingelassen. Ich habe dagesessen und war vollkommen fertig“, lacht sie noch heute über die gelungene Preisverleihung. Vom Preisgeld in Höhe von 1000 Euro hat sie sich erst einmal eine neue Brille gekauft, denn die alte war kaputt. Der Rest fließt natürlich in Materialien zum Weiternähen.

Manche Stoffe bekommt sie auch geschenkt. „Ein ganz alter Mann brachte mir im Frühjahr das Brautkleid seiner verstorbenen Frau. Ich wollte ihm zeigen, was ich daraus genäht habe. Das kann ich jetzt nicht mehr, denn er ist mit 86 Jahren gestorben“, bedauert Thiery.

Startseite