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Fachausschüsse schmettern FDP-Antrag auf Anschaffung von Luftfiltergeräten ab

In Schulen bleibt’s beim Stoßlüften

Gescher

(js). In den Gescheraner Schulen ist auch im Herbst und Winter Stoßlüften angesagt. In der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Generationen (GFBKS) und Infrastruktur (ILU) gab es einen flammenden Appell der FDP-Vertreter Anne Hauling und Daniel Bierut, die Gesundheit der Schüler bestmöglich auch unter Einsatz von Technik zu schützen. Am Ende wurde der Antrag auf Anschaffung von mobilen Luftfiltergeräten für die Grundschulen und die Unterstufenräume der Gesamtschule von beiden Fachaussschüssen unter Hinweis auf entsprechende fachliche Empfehlungen klar abgelehnt. Statt dessen setzt die Stadt Gescher als Schulträger auf CO2-Messgeräte („Ampeln“), die anzeigen, wenn die Luftqualität im Raum schlecht ist und Lüften angesagt ist.

Mobile Luftfilteranlagen – wie hier in der Gescher-Dyk-Schule in Stadtlohn – sollen für die Gescheraner Schulen nicht angeschafft werden. Foto:

Landauf, landab läuft in den Kommunen die Diskussion, ob die Klassenräume mit Luftreinigern ausgestattet werden sollen. Bund und Land haben Fördermittel bereitgestellt – aber nur für Räume mit „eingeschränkter Lüftungsmöglichkeit“, also zum Beispiel mit Fenstern, die sich nicht öffnen lassen oder nur kippbar sind. In Gescher ist das nicht der Fall: Die Verwaltung verweist darauf, dass sich an den Gescheraner Schulen alle Klassenräume durch das Öffnen der Fenster natürlich belüften lassen. Nach Einschätzung von Bundesumweltamt, Land NRW und Kreis Borken werde dies als ausreichender Schutz gegen schädliche Aerosole in Schulen angesehen. Förderfähig wäre die Anschaffung von mobilen Luftfiltergeräten in Gescher somit nicht.

Anne Hauling verwies darauf, dass der Inzidenzwert für Kinder und Jugendliche in NRW auf fast 500 gestiegen sei. Die Delta-Variante sei auf dem Vormarsch und treffe hauptsächlich die ungeschützten Kinder. Und das werde wohl nicht die letzte Variante des Coronavirus sein. „Wir sollten die Technik, die uns zur Verfügung steht, einsetzen und unsere Kinder und Jugendlichen bestmöglich schützen“, appellierte sie. Ansonsten drohe in Gescher wieder Wechselunterricht und Homeschooling. Auch Bierut warb für den Antrag der Liberalen und forderte die Ausschusskollegen dazu auf, in dieser Frage „als Eltern und Großeltern“ abzustimmen.

Widerspruch kam von allen anderen Fraktionen. Bernd Witte (CDU) verwies darauf, dass die Luftreiniger keine Erleichterung für die Schüler im Unterricht bringen – die müssten weiterhin Maske tragen und Abstand halten. Geräusche und Luftbewegungen, die diese Geräte verursachten, würden oft als störend empfunden. Diese Einschätzung teilte Petra Roters, Leiterin der Von-Galen-Schule: Sie kenne die Geräte aus Stadtlohn, die „sehr raumgreifend“ seien. An der Von-Galen-Schule könne vollumfänglich gelüftet werden, das sei okay.

Wenn die Geräte einen erkennbaren positiven Effekt hätten, wäre er sofort für die Anschaffung. Das sei aber nicht der Fall, meinte Klaus Schonnebeck (SPD). Bei den Schülern werde es wohl einen gewissen Grad an Durchseuchung geben. Matthias Bergmann (UWG) verwies darauf, dass die Luftreiniger nur für Raumtypen empfohlen würden, „die wir in Gescher nicht haben“. Fraktionskollege Klaus-Dieter Timmer befürchtete, dass die Geräte bei schlechter Wartung sogar zu „Bakterienschleudern“ mit negativen Effekten werden könnten. Bürgermeisterin Anne Kortüm bewertete es positiv, dass die FDP den Antrag gestellt und damit diese Diskussion angestoßen hatte. Nach Erfahrungen in anderen Städten und nach ihrer Einschätzung seien die Luftreiniger aber kein probates Mittel zur Eindämmung des Infektionsgeschehens. Am Ende befürwortete nur die FDP die Anschaffung.

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