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Verein „Große Freiheit“ bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen

Kultur endlich wieder live genossen

Gescher/ Reckling...

Endlich wieder Kultur live! Das ist einer von vielen Stoßseufzern, die die rührige Kulturengagierte wie Mechthild Klinkenbusch aus Heiden dazu bewogen haben, mit einem vollen 50er-Bus Menschen aus Gescher und weiteren Orten im Münsterland zu den Ruhrfestspielen Recklinghausen zu fahren. Mediale Werbung konnte sie sich schenken, denn ihr Netzwerk von begeisterten Mitfahrern hat sie auch bei dieser 13. Fahrt getragen.

Von Elvira Meisel-Kemper

In einer Fotoausstellung unter freiem Himmel konnten die Gäste Fotos von Aufführungen der Ruhrfestspiele der vergangenen Jahre ansehen. Foto:

Bis Ende Mai haben die Festspiele, die in diesem Jahr 75 Jahre alt werden, nur digital stattgefunden. Danach waren wieder Besucher zugelassen. Innerhalb von 14 Tagen hat sie die Fahrt organisiert, was unter den ständig wechselnden Corona-Bestimmungen ein zusätzlicher Kraftakt war.

Klinkenbusch veranstaltet diese Fahrten seit 2016 regelmäßig. Bis 2005 hat sie jahrzehntelang in der Festspielleitung der Ruhrfestspiele mitgearbeitet. Seit fünf Jahren ist auch Günter Döker mit seinem Verein „Große Freiheit“ dabei. 2017 hatte sie einen Hinweis bekommen, dass es eine Theatergruppe in Gescher unter der Leitung von Döker gebe, die mit Kindern aus suchtbelasteten Familien Theaterstücke schreibt und aufführt.

„In Coronazeiten wird in den Familien mehr Alkohol getrunken. Wir möchten etwas aktiv dagegen tun. Vielleicht sollte man den Alkohol erheblich verteuern“, so Döker. Vor der Corona-Zwangspause waren es 27 Kinder und Jugendliche, die mitmachten. „Zurzeit sind nur noch zwei Kinder dabei. Jetzt haben wir das Problem, nach der langen Pause die Kinder wieder zu motivieren“, ergänzte Döker.

„Nicht nur der Alkoholkonsum ist gestiegen, sondern auch die körperliche Gewalt in den Familien. Ich unterstütze seinen Verein gern“, fügte Klinkenbusch hinzu, die mit dem Erlös aus der Fahrt schon seit Jahren ein Projekt in Togo unterstützt. Ludger Schwering wohnt zwar in Nordvelen, ist aber schon längere Zeit Mitglied in der Schmerzgruppe von Döker, deren Treffen ebenfalls bei Döker stattfinden. „Über Günter Döker habe ich von den Fahrten nach Recklinghausen erfahren. Ich habe bisher alle Fahrten mitgemacht. Es ist eine schöne Gelegenheit, Kultur live zu erleben, ohne selbst viel zu organisieren“, so Schwering.

Nach einem Jahr Zwangspause ging Klinkenbusch jetzt mit ihren Helfern in die Vollen und buchte einen Bus aus Velen, der nach 17 Monaten Stillstand nach dem Neukauf endlich seine Jungfernfahrt machen konnte. Sie mobilisierte Bäcker und Läden in der näheren Umgebung, die für sie und die mitfahrenden Gäste Lunchpakete ganz im Stil des Jubiläums zusammenstellten. Und sie reaktivierte ihr bewährtes Helferteam, wozu auch ein Luxemburger gehört.

Am späten Vormittag ging es in Gescher vor der Haustür von Döker los. Nach weiteren Stationen in Heiden und Erle war der Bus voll, und es ging über Dorsten, die Geburtsstadt von Klinkenbusch, nach Recklinghausen. Erstes Ziel war das Stadion Hohenhorst mit dem Auftritt von Storno. Danach ging es zum Festspielgebäude, wo eine Open-Air-Fotoausstellung von Besuchern aus den letzten Jahren gezeigt wurde. Danach ging es wieder ins Münsterland zurück.

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