Familie Menker in Tungerloh überbrückt die Corona-Zeit mit besonderen „Kinder-Projekten“

Leckeres aus dem Gemüsegarten

Gescher. Früher mochte Johannes Menker keinen grünen Salat. Das hat sich geändert: Neuerdings hat der 8-Jährige seinen eigenen Gemüsegarten, hegt und pflegt die selbst gesetzten Pflanzen und findet den Kopfsalat „richtig lecker“. An der Einfahrt zum Hof Menker, Tungerloh-Capellen 93, ist ein großer Gemüsegarten entstanden – hier versorgt sich die Familie selbst, aber auch andere können zum Messer greifen und sich gegen einen kleinen Obolus bedienen. Ähnlich das Prinzip auf der anderen Seite: Dort befindet sich „Antons Eierkiste“: Der jüngere Bruder Anton (7) bestückt diese Kiste täglich mit Eiern, die seine Hühner gelegt haben. Die Eltern Tobias und Eva-Maria Menker freuen sich, mit welchem Eifer ihre Kinder sich um Gemüse und Hühner kümmern. „Das sind Projekte, mit denen wir die Corona-Zeit überbrücken wollen“, erläutert Mutter Eva-Maria.

Jürgen Schroer

Kopfsalat und viele weitere leckere Sachen gibt es im Gemüsegarten, den Johannes Menker (r.) mit Unterstützung seiner Eltern betreut. Bruder Anton (7) hilft bei Bedarf, hat aber sein eigenes Projekt: Er kümmert sich um die Hühnerschar und die Eierkiste an der Hofeinfahrt. Fotos: Jürgen Schroer Foto: az

Für Schulkinder hat die andauernde Pandemie nicht viel Gutes gebracht. Homeschooling, keine Freunde treffen und große Langeweile, das nervt bis heute. Ähnlich war das in der fünfköpfigen Familie Menker. Während Tochter Pia-Sophie (11) viel mit ihrem neuen Pony beschäftigt war und so täglich an die frische Luft kam, fiel den Jungs die Decke auf den Kopf. „Da durfte sich jeder ein Projekt überlegen“, erzählt Tobias Menker. Bei Anton war die Sache klar: Er wollte Hühner halten und deren Eier an der Hofeinfahrt verkaufen. In einem früheren Hühnerstall, der gemeinsam hergerichtet wurde, zogen vor Monaten erst 15, dann 30 Hühner ein. Demnächst sind es 60, weil die Eier-Nachfrage von Selbstabholern sehr groß ist.

„Anton füttert die Hühner, versorgt sie mit Wasser und holt täglich die Eier ab“, berichtete Mutter Eva-Maria. Auch lässt er sie regelmäßig auf die Wiese, seitdem die Stallpflicht für Geflügel aufgehoben worden ist. Sehr gewissenhaft kümmert er sich um die Tiere. Natürlich hat der 7-Jährige auch Lieblingshühner: „Hähnchen“ und „Fähnchen“ heißen sie, aber auch „Pilotin“ hat es ihm angetan: „Die läuft mir manchmal den Arm hoch“, strahlt der Erstklässler.

Noch aufwendiger ist das Projekt, das sich sein Bruder Johannes ausgesucht hat. Er hat im Fernsehen einen Beitrag gesehen, was Gemüsebauern machen, und war sofort Feuer und Flamme. Ackerland am Wirtschaftsweg unweit der bekannten Schutzhütte in Tungerloh-Capellen (Weg zum Hof ist ausgeschildert) steht zur Verfügung und wurde von Vater und Sohn mit geeignetem Gerät vorbereitet und eingezäunt. „Erst hatten wir eine 500 Quadratmeter große Fläche mit selbst vorgezogenen Pflanzen geplant“, berichtet Vater Tobias. Doch dann entdeckten sie viel besser geeignete Pflanzen bei einem Großhändler und weiteten ihr Projekt mit verschiedenen Salat- und Gemüsesorten auf 1500 Quadratmeter aus. Jetzt ziehen sich lange Bahnen mit diversen Salatarten, aber auch Wirsing, Weißkohl, Rotkohl, Kohlrabi, Porree, Gemüsezwiebeln und Brokkoli durch den Garten. „Hier dürfen Sie ernten“, steht auf einem selbstgefertigten Schild. Eine Preisliste informiert, was die Kunden in die Spardose werfen müssen.

Täglich kümmert sich Johannes um seinen Gemüsegarten und hat das Projekt auch schon in seiner Klasse an der Von-Galen-Schule vorstellen dürfen. Gerne führt Johannes Besucher in den Garten und erklärt alles, während Anton bei Bedarf die Eierkiste auffüllt. „Die Kinder sind viel selbstständiger geworden“, freuen sich die Eltern über den Erfolg der „Corona-Projekte“. Mit vielen Fahrradfahrern, die am Hof vorbeikommen, sei man so in den letzten Monaten spontan ins Gespräch gekommen – eine schöne Abwechslung in der Corona-Zeit, finden Menkers.

Von den Einnahmen, die mit Gemüsegarten und Eierkiste erzielt werden, dürfen sich die Jungs irgendwann im Herbst was kaufen. Anton denkt an ein Fahrrad mit Kipper für den Eiertransport. Und Johannes wünscht sich einen eigenen PC: „Dann kann ich Mama bei der Büroarbeit helfen“, liefert der 8-Jährige ein weiteres Argument für die Anschaffung.

Für die Zukunft schmiedet der Zweitklässler weitere Pläne: Im nächsten Frühjahr möchte er die Fläche für den Garten deutlich erweitern. Und wenn das auf Dauer gut läuft mit dem Salat- und Gemüseanbau, kann sich Johannes sogar einen richtigen Hofladen vorstellen.

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