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Peter Wiechert sammelt Briefmarken für Bethel / Über 500 000 sind seit März zusammengekommen

Millionengrenze will er knacken

Gescher. Im Flur stapeln sich Kartons mit Briefmarken: Marken in Alben, in transparenten Tütchen, in Umschlägen gehortet. Im Wohnzimmer riecht es nach alten Büchern und vergilbtem Papier. Auch dorthin haben sich Alben verirrt. In der Küche ein ähnliches Bild: Selbst die Mikrowelle verschwindet fast hinter Kartons voller Briefmarken. An einem Tisch hat Peter Wiechert Platz genommen. Hier sichtet, bearbeitet, zählt er seine Briefmarken, macht sie reisefertig für ihren eigentlichen Bestimmungsort: Bethel.

Helene Wentker

Der 70-Jährige sammelt mit großer Leidenschaft für die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. „Ein Riesenspaß“ ist das für den Mann, der selbst 38 Operationen hinter sich hat und der nur unter großen Schmerzen laufen kann. Doch seine Leidenschaft für das Sammeln, sein soziales Engagement, sind ungebrochen, seit Peter Wiechert diese Lebensaufgabe vor zehn Jahren von seiner heute 95-jährigen Mutter übernommen hat. Seit dem Frühjahr hat der Gescheraner seine Passion noch einmal befeuert: In 700 Briefen, die ein großzügiger Sponsor aus Münster finanziert, hat er Firmen, Behörden, Ärzte angeschrieben und um Mittun beim Briefmarken-Sammeln für Bethel gebeten.

Auch im Anzeigenteil unserer Zeitung weist er regelmäßig darauf hin, dass man Briefmarken für Bethel an ihn verschenken kann. „Der Erfolg ist riesengroß“, beobachtet der Markenliebhaber. Seit diese Aktionen laufen habe das Briefmarkenaufkommen „radikal zugenommen.“ Deshalb, schmunzelt er gelassen, sehe seine Wohnung so aus wie sie im Augenblick ausschaue.

Denn Wiechert verfolgt ein ehrgeiziges Ziel: In Dülmen hat er einen Philatelisten kennengelernt, der im Jahr eine Million Marken für Bethel zusammenbringt. Diesen eifrigen Sammler will der Gescheraner überflügeln. Um sicherzugehen, zählt er jede einzelne Marke, die er in die Finger bekommt. Mehr als 550 000 sind seit März zusammengekommen. Teils in Umschlägen aus weißem, teils auf braunem Papier. Sorgfältig sortiert Wiechert die Marken nach solchen Feinheiten, um den Beschäftigten in Bethel später beim Ablösen der Marken die Arbeit zu erleichtern. Und weil sein Briefmarkenaufkommen jetzt boomt, werden die Marken von Bethel abgeholt. Dass dort eine Vielzahl von Projekten und Aufgaben mit dem Erlös aus den Briefmarken finanziert werden kann, weiß Wiechert – und ist zu Recht ein wenig stolz auf sein eigenes Zutun. Immerhin beschäftigt er sich bis zu zwölf Stunden täglich mit dieser selbstgestellten Aufgabe, die ihn von seinen Schmerzen und Einschränkungen ablenkt.

Ein menschlich trauriges Ereignis hat Wiechert zum Briefmarkenliebhaber werden lassen: Früher habe er nebenberuflich auch als Versicherungsvertreter gearbeitet, berichtet er. Eine Unfallversicherung hat er vor rund 30 Jahren einem damals 17-jährigen Dachdeckerlehrling vermittelt. Zwei Jahre später verunglückte der so schwer, dass er zeitlebens an den Rollstuhl gefesselt bleibt. Der Vater des jungen Mannes bat Wiechert, der damals soeben Frührentner geworden war, dessen Briefmarken zu sichten. Das tut Wiechert bis heute. Und bis heute besucht ihn der eigentliche Besitzer, inzwischen 47, und freut sich mit Wiechert an der wachsenden Sammlung.

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