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Julian Lammering gewinnt mit seinem Nationalteam Silbermedaille bei EM der Rollstuhl-Basketballer

Paralympics 2024 nun fest im Blick

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Mit großem Bahnhof ist Julian Lammering jetzt von seiner Familie und den Nachbarn am Schultenrott empfangen worden. Dabei flatterte auch die deutsche Nationalflagge im Wind. Denn schließlich ist der 17-Jährige als Teilnehmer der deutschen Nationalmannschaft U 22 der Rollstuhl-Basketballer mit einer Silbermedaille nach Hause zurückgekehrt.

Von Manuela Reher

Julian Lammering (17) hat mit seinem Nationalteam die Silbermedaille bei der Europa-Meisterschaft der Rollstuhl-Basketballer in Italien gewonnen. Das war eine wichtige Etappe, um seinem Traum, der Teilnahme an den Paralympics 2024 in Paris, näher zu kommen. Foto:

„Das war eine tolle Überraschung“, zeigt sich Julian immer noch überwältigt von dem herzlichen Empfang. Und alle wollten erfahren, wie es ihm bei der Europameisterschaft (EM) in Italien ergangen ist. Denn dieser Wettbewerb ist nun einmal nicht im deutschen Fernsehen übertragen worden. Daher mussten Julians Familie, Nachbarn und Freunde die Spiele im Internet verfolgen und auf Nachrichten von Julian hoffen.

Der 17-Jährige, der in der ersten Bundesliga für den BBC Münsterland kämpft, gehört bereits seit 2019 der Nationalmannschaft U 22 der Rollstuhl-Basketballer an. Zwei Mal hatte er an sogenannten Selection Camps in Hannover teilgenommen, als ihn im Mai 2021 die Nachricht erreichte, dass er in den Kader der Nationalmannschaft berufen worden ist. Dort war er der einzige aus dem Münsterland und zudem der zweitjüngste Spieler.

„Wegen der Corona-Pandemie war für uns die Vorbereitungszeit auf die EM sehr kurz“, sagt Julian. An nur drei Wochenenden, zwei Mal in Hannover und einmal in Heidelberg, habe der Kader gemeinsam trainieren können. Natürlich hat Julian Lammering auch zu Hause fleißig trainiert. Im Keller hat er sich einen Kraftraum eingerichtet. Auch habe er vom Training beim BBC Münsterland profitiert. Vier Mal in Woche stehen Trainingseinheiten in Münster und Warendorf auf dem Kalender. Außerdem habe ihm das Homeschooling in die Karten gespielt, sagt der Gesamtschüler, der nach den Sommerferien die zwölfte Klasse besucht und sein Abitur fest im Blick hat.

Der Bundestrainer habe gleich zu Beginn das Ziel für die EM abgesteckt. „Minimum sollte ein Platz unter den ersten drei sein“, schmunzelt Julian, der immer wieder selbst an sich die höchsten Anforderungen stellt.

Von München ging es mit dem Nationalteam mit dem Bus nach Lignano, das in der Nähe von Venedig liegt. Die Corona-Schutzmaßnahmen seien immens gewesen, sagt der Basketballer. „Ich wurde sechs Mal getestet und musste auch einen PCR-Test vorlegen“, erzählt er. Die Spiele fanden ohne Publikum statt. „Das haben wir bedauert“, sagt Julians Mutter. Insgesamt waren sieben Teams am Start. England hatte wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Das deutsche Team hat vier Spiele bestritten. „Gegen Polen haben wir in der Vorrunde gewonnen“, so Julian. Die Spanier seien allerdings ein harter Brocken gewesen. Das Spiel ging verloren. Im Halbfinale setzte sich das deutsche Team gegen Israel durch und traf im Finale erneut auf Spanien.

„Die Spanier haben verdient gewonnen“, räumt Julian ein, und man merkt ihm an, dass ihn diese Niederlage noch mehr motiviert, seine Leistung zu steigern. „Die Kontakte zu den anderen Teams waren wichtig, um neue Erfahrungen zu sammeln“, bilanziert der Gescheraner.

Zu Hause haben Familie, Nachbarn und Freunde stets mitgefiebert. „Doch leider war der Kommentar immer in Italienisch“, bedauert Julians Mutter. Aber immer wenn der Sprecher den Namen „Lammeringe“ nannte, wusste sie, es geht gerade um die Spielleistung ihres Sohnes. Julian ist im Team vor allem der Shooter, derjenige, der die Körbe wirft. Aber auch in der Verteidigung wirkt er mit.

Kaum ist die EM in Italien vorüber, steckt sich der 17-Jährige bereits neue Ziele. Im nächsten Jahr darf er mit dem Nationalteam an der Weltmeisterschaft in Japan teilnehmen. In der U 22 könne er noch fünf Jahre spielen. Doch er hofft, dass er bald in die A-Nationalmannschaft aufgenommen wird. „Mein großer Traum ist es, 2024 an den Paralympics in Paris teilzunehmen“, verrät Julian. Bis dahin wolle er sich weiter verbessern. „Sehr dankbar bin ich meiner Familie für deren Unterstützung und Rückendeckung“, sagt der 17-Jährige. Auch das Gescheraner Unternehmen Elsing-Brüning, das ihm den Sportrollstuhl gesponsert hat, schließt er in diesen Dank ein.

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