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Elischeba Wilde präsentiert ihr neues Buch „Bleib geschmeidig, Mama“

„Reichlich Liebe und wenig Regeln“

Gescher. Elischeba Wilde hat viele Facetten. Bekannt geworden ist die Gescheranerin als Mrs. Germany und 2008 auch als schönste Ehefrau Deutschlands. Seit geraumer Zeit ist sie erfolgreich als Bloggerin unterwegs. Jetzt hat die zweifache Mutter ihr erstes Buch herausgebracht. „Bleib geschmeidig, Mama“ lautet der 68 Seiten umfassende Ratgeber für Mütter, die sich nach mehr Leichtigkeit sehnen, als Kindle Ebook oder in gedruckter Form erhältlich. Unser Redaktionsmitglied Manuela Reher hat mit der Autorin über deren Erstlingswerk gesprochen.

Allgemeine Zeitung

Gerne albert Elischeba Wilde mit ihren Kindern Leon und Emily herum. Die Autorin ist davon überzeugt, dass Mütter nur genug Energie für ihre Familie haben, wenn sie sich auch um sich selbst kümmern. Foto: az

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein solches Buch zu schreiben?

Elischeba Wilde: Diese Idee schwirrte mir schon länger im Kopf herum, da ich seit September 2011 auf meinem Blog regelmäßig über Themen schreibe, die Eltern bewegen. Jahrelang habe ich einfach nur auf den perfekten Moment gewartet, bis ich mir gedacht habe: „Du fängst jetzt einfach an und schreibst jeden Tag ein paar Zeilen.“ Mir macht es unglaublich viel Spaß, Menschen zu inspirieren. Nur wer sich auch um sich selbst kümmert, kann für seine Familie da sein. Ich möchte mit meinem Buch Mütter dazu bewegen, nicht nur auf die Signale ihrer Familie zu achten, sondern auch rücksichtsvoll gegenüber sich selbst zu sein. Mir ist aufgefallen, dass ich eine ausgeglichenere Mutter bin, wenn ich mir zum Beispiel Zeit für den wöchentlichen Yogakurs oder das Gespräch mit der Freundin gönne. Mein Buch enthält nicht nur originelle Ideen und Tipps für Auszeiten, sondern zeigt auch, wie Mütter sich Freiräume für sich schaffen können. Außerdem verrate ich, was wir uns von unseren Männern abgucken können.

Mit welchen Herausforderungen müssen Mütter heutzutage kämpfen?

Elischeba Wilde: Bei meinen Interviews, die ich für mein Buch geführt habe, ist mir aufgefallen, dass der Druck in den Medien und sozialen Netzwerken oft eine große Rolle spielt. Gezeigt werden berufstätige Mütter mit perfekten Wohnungen, die nebenbei den Haushalt wuppen, gut gelaunte Kinder haben und selbst rund um die Uhr strahlend schön aussehen. Doch auch Gespräche auf Spielplätzen entwickeln sich zur Kampfarena, wenn es darum geht, welches Kind als erstes läuft oder bereits ganze Sätze spricht. Oft stresst es uns, wenn Wertschätzung fehlt: Was eine Mutter täglich für ihre Familie macht, wird oft nicht richtig wahrgenommen, weil sie es ja immer macht. Mütter in Elternzeit haben mir gestanden, dass sie sich gleichzeitig unter- und überfordert fühlen. Doch am schlimmsten treffen Mütter die Kommentare anderer Menschen. Wie die der Nachbarin, die beiläufig erwähnt, dass Kinder unter drei Jahren zur Mutter gehören. Oder die Oma um die Ecke, die betont, dass sie die Arbeit früher sogar ohne Spülmaschine geschafft hat. Andere fragen, wovon eine Mutter, die nicht berufstätig ist, denn überhaupt gestresst ist.

Was ist das Wichtigste für Sie in der Erziehung von Kindern?

Elischeba Wilde: Ich finde, dass es nicht den einen perfekten Erziehungsstil gibt. Ich suche mir aus vielen Sichtweisen das raus, was zu uns passt. Jede Lebenssituation und jedes Kind ist anders. Unsere Kinder wachsen mit reichlich Liebe und wenig Regeln auf. Zum Beispiel braucht meine Tochter draußen keine Jacke anzuziehen, wenn sie das nicht will, nur weil ich ständig friere. Wir vermitteln ihnen Werte, aber lassen sie trotzdem zu Freidenkern heranwachsen.

Glauben Sie, dass es Unterschiede im Verhalten zwischen jüngeren und älteren Müttern gibt?

Elischeba Wilde: Das Verhalten hängt meiner Meinung nach eher vom Typ ab als vom Alter. Manchmal lassen sich jüngere Frauen jedoch eher durch scharfe Kommentare verunsichern. Ich war bei der Entbindung meiner Tochter genau 20 Jahre älter, als meine Mutter, als sie mit mir schwanger war. Heutzutage bekommen viele Frauen später Kinder. Manchmal bringt das mehr Gelassenheit. Welchen Vorteil ich bei mir sehe: Vor meiner Zeit als Mutter konnte ich eine Menge Reisen erleben und spannende Erfahrungen sammeln. Deswegen habe ich nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Meine Kinder halten mich außerdem jung. Während eine gleichaltrige Freundin darüber klagt, dass sie bald in die Wechseljahre kommt, überlege ich mir, wo ich die Schultüte für meine Tochter kaufe.

Wie sind Sie auf den Titel des Buches gekommen?

Elischeba Wilde: Die Idee hatte mein Mann. Ich habe ihm erzählt, worum es in meinem Buch geht und dass ich einen originellen Titel brauche, den man sich merken kann. Auch wenn mich das ziemlich nervt, wenn er zu mir sagt: „Bleib mal geschmeidig“, so fand ich den Titel sofort klasse.

Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Erziehung in der aktuellen Corona-Pandemie?

Elischeba Wilde: Homeschooling bringt die geduldigsten und entspanntesten Mütter an ihre Grenzen. Mich macht die Unsicherheit fertig. Bekommt meine Tochter noch eine Abschiedsfeier im Kindergarten? Wie geht es mit der Schule weiter? Klappt unser Sommerurlaub oder nicht? Immerhin plane ich gerne, das kann ich nicht mehr. Eine große Herausforderung für mich ist, meinen Kindern gegenüber authentisch zu sein, sie aber nicht mitzureißen, wenn mich die Krise belastet. In meinem Buch gebe ich den Tipp, uns gegenseitig das Leben leichter zu machen, wenn wir uns offen sagen, wenn wir Probleme mit der Schließung von Kindergärten haben oder Lehrer zu spielen eher schlecht als gut klappt. Denn es ist einfacher, eine schwierige Situation zu überstehen, wenn man damit nicht alleine ist.

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