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Neptun am Kirchplatz ist Teil des Planetenweges in Gescher

Sonnensystem auf die Erde geholt

Gescher

Aus einer blauen Gießkanne lässt Beate Heimann Wasser auf die Skulptur am Kirchplatz laufen. Neptun mit seinem Dreizack in der Hand lässt es getrost geschehen: Als römischer Gott des Meeres und aller fließenden Gewässer ist das genau sein Element. „Und jetzt schaut mal her, hinter den Fischen“, macht Andreas Langer vom Verein „Zeit und Raum“ auf eine Besonderheit aufmerksam: Emma Kallaus (6) streckt den Finger hin und merkt, dass dort etwas Wasser in einer Vertiefung steht. „Das ist ein Effekt, den wir eher zufällig entdeckt haben“, erläutert Langer. Wenn es regnet, entsteht so eine kleine Trinkstelle, die kleinere Vögel gerne anfliegen – unter dem wohlwollenden Blick Neptuns. Dessen Bildnis steht für den gleichnamigen Planeten, um den es eigentlich geht: Die Station ist Teil des Planetenweges, der sich seit 2017 auf einem etwa sechs Kilometer langen Rundkurs durch Gescher zieht.

Von Jürgen Schroer

Experiment geglückt: Beate Heimann gießt Wasser über Neptun, die Planetenweg-Station am Kirchplatz. Im Bild (von links): Jane Möllers, Liam Kallaus, Beate Heimann und Andreas Langer (Vorstandsmitglieder des Vereins „Zeit und Raum“) sowie Emma Kallaus. Foto: Fotos: Jürgen Schroer

Schon lange wissen die Menschen, dass es neben der Erde eine ganze Reihe von Planeten gibt, die um die Sonne kreisen. Alle zusammen bilden unser Sonnensystem. „Und das haben wir mit unserem Planetenweg dargestellt, und zwar im Maßstab eins zu einer Milliarde“, erläutert Andreas Langer seinen jungen Zuhörern aus den Familien Kallaus und Möllers. Das sei wie eine Modelleisenbahn eine verkleinerte Darstellung zum besseren Begreifen. Und das erklärt auch, warum der Neptun mitten in der Stadt am Kirchplatz steht: Das hat nichts mit der Pankratiuskirche zu tun, wie Liam Kallaus (9) vermutet hat, sondern mit der maßstäblichen Umsetzung der Entfernungen im Sonnensystem.

Elf Stationen umfasst der Planetenweg. Die Auftaktstation Sonne befindet sich vor dem Altenheim der Stiftung Haus Hall und ist als fünf Meter hohe und begehbare Sonnenuhr gestaltet. Eine Skulptur des Mondes und ein Weltkugelbrunnen stellen im Innenhof von Haus Hall unseren Heimatplaneten dar. Hier dreht sich eine dunkle Kugel mit den Konturen der Kontinente beweglich im Wasser einer Brunnenschale. Auch Merkur, Venus, Mars und Asteroidengürtel sind als Station auf dem Gelände von Haus Hall zu finden, bevor es mit Jupiter hinaus in die Weiten des Stadtgebietes geht.

Einige Stationen hat Familie Möllers beim Fahrradfahren schon gesehen, aber mit den Details haben sich Eltern und Kinder noch nicht beschäftigt. Doch die sind interessant: Die Planetenstationen stehen auf dreieckigen Sockeln aus Eichenholz, ähnlich einem Stehpult, und schließen oben mit einer Bronzeplatte ab. Die hat die Künstlerin Christine Sültrup aus Münster gestaltet und dabei Motive der klassischen Mythologie aufgegriffen. Dazu gibt es interessante Informationen zu den jeweiligen Planeten: Beim Neptun zum Beispiel handelt es sich um einen Gasplaneten, der von 13 Monden umkreist wird und 165 Jahre braucht, um die Sonne zu umkreisen. Langer: „165 Jahre, das entspricht in etwa der Zeitspanne, in der sich das moderne Gescher entwickelt hat“.

Auf der Bronzetafel, die in der hiesigen Glocken-Manufaktur gegossen wurde, steht auch, dass das Licht von der Sonne bis zum Neptun etwa 250 Minuten braucht. Jane Möllers (8) rechnet schnell: „Das sind vier Stunden und zehn Minuten.“ Bis zur Erde braucht ein Sonnenstrahl nur etwa acht Minuten, erfahren die Kinder. Da lässt sich erahnen, wie weit der Neptun weg sein muss – im Schnitt etwa 4,5 Milliarden Kilometer. Mit dem bloßen Auge kann man ihn von der Erde aus nicht sehen, der Planet wurde erst 1846 mit dem Fernrohr entdeckt.

Welche Grundform die Neptun-Station hat? „Ein Dreieck“, erkennt Emma auf den ersten Blick. „Richtig, das ist die Urform für Stabilität“, erklärt Andreas Langer. Dreieckig ist auch die benachbarte Säule des Geschichtsweges, der mit 15 Stationen viel Wissenswertes zur Geschichte und zum Leben in Gescher vermittelt und in etwa parallel zum Planetenweg verläuft. Beide Projekte hat der Verein „Zeit und Raum“ in den vergangenen Jahren mit viel Unterstützung von Helfern, Sponsoren und Fördermittelgebern umgesetzt. „Über 8000 Stunden ehrenamtliche Arbeit sind eingebracht worden“, erklärt Langer. „Boah, ganz schön viel“, staunen die Kinder. Dafür gab es Lob und Anerkennung aus der Bevölkerung und 2019 den Heimatpreis der Stadt Gescher. Neptun ist zwischenzeitlich wieder getrocknet – und alle Vögel, die hier ihren Durst stillen wollen, müssen sich bis zum nächsten Regenschauer gedulden.

0 Bitte mitmachen, liebe Leserinnen und Leser. Unsere Frage zur Planetenweg-Station lautet: Welche drei Themen behandelt die Geschichtsstation, die Neptun im Blick hat?

7  Zum Abschluss unserer Sommerserie erscheint am Samstag (7. 8.) im Lokalteil Coesfeld eine Kurz-Vorstellung aller Kunstwerke

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