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Neustart der „Großen Freiheit“ mit einem Theaterworkshop

Suchterfahrungen kreativ bewältigen

Gescher

Sara ist eine von insgesamt sieben Jugendlichen, die sich unter der künstlerischen Leitung von Stefan Ey sowie der Förderung von Günter Döker und seinem Verein „Große Freiheit“ in der letzten Ferienwoche drei Mal im Theaterraum der Gesamtschule in Gescher getroffen haben. Sie konzipierten ein Theaterstück, das sie am Freitag vor einem internen Kreis aus Familienangehörigen selbst aufführten.

Von Elvira Meisel-Kemper

Regisseur Stefan Ey (l.) und Günter Döker (3.v.r.) proben mit vier Kindern, die sich schon eigene Rollen für das Theaterstück überlegt und zum Teil auch schon Bühnenluft geschnuppert haben. Foto: Fotos: emk

Kindern und Jugendlichen aus suchtbelasteten Familien bietet der Verein eine Bewältigungsstrategie durch Theaterspielen. Und genau das sprach auch die 14-Jährige an: „Ich habe das Gefühl, dass ich vieles besser verarbeiten kann“, sagt Sara.

„Nach dem letzten Stück vor dem Corona-Lockdown, das eine Schauspielerin aufführte, hatte ich Anfragen von 27 Kindern, die bei mir spielen wollten“, markierte Döker den Neustart. „Während der Coronazeit ist die Gefahr für Kinder und Jugendliche gewachsen, mit Drogen und Alkohol, mit Gewalt und sexuellem Missbrauch konfrontiert zu werden. Jetzt freue ich mich einfach, dass wieder Kinder da sind und mitmachen.“ Das bietet er allerdings allen Kindern und Jugendlichen an.

Sara hatte schon in der Schule und an der Freilichtbühne in Coesfeld etwas Theaterluft geschnuppert. Lennox (12) und sein Bruder Mats (9) probierten das in dieser Form zum ersten Mal. Zu Hause hat Lennox viele Puppen, mit denen er kleine Theateraufführungen nur im Familienkreis gemacht hat. „Theaterspielen macht mir einfach Spaß“, ergänzte Lennox. Mats hatte sich bei diesem dritten Treffen bereits eine Rolle für sich ausgedacht, denn das war die Aufgabe an diesem Tag. „Meine Person heißt Petterson. Er hat an der Schulter ein Anker-Tattoo. Er lebt an der Küste im Wald“, beschrieb Mats seine Figur schon sehr detailliert. „Ob Mats das wird, weiß ich noch nicht“, schmunzelte Ey dazu.

Doch das milderte den Elan nicht, mit dem danach auch geprobt wurde. Zur Einstimmung stellte Ey den Teilnehmern eine Aufgabe, die sie im Dreieck durch den Raum führte. Sie sollten sich eine Rolle überlegen, die nichts mit ihnen zu tun hat, dazu einen Satz sagen und anschließend die anderen raten lassen, wen sie dargestellt haben.

Schon vorher hatte sich Celin eine Rolle für das eigentliche Theaterstück überlegt. „Ich denke, mich erwartet hier viel Neues. Hoffentlich wachsen wir als Gruppe zusammen“, wünschte sich die 13-Jährige. Franzi (12) hat die letzte Theateraufführung der Schauspielerin mit dem Stück „Machtlos“ gesehen. In dem Stück versuchte eine Frau verzweifelt, vom Alkohol loszukommen. „Ich finde das gut, weil man was dagegen tun kann“, so Franzi. Damit meinte sie nicht nur das eigene Theaterspielen, sondern wohl auch das Angebot der „Großen Freiheit“ überhaupt. 7 In den Herbstferien startet der Verein den Workshop „Darstellen und gestalten“ von Dienstag (19. 10.) bis Freitag (22. 10.) jeweils 14 bis 17 Uhr. Eine Anmeldung ist unter Tel. 02542/878860 oder 0179/7975961 sowie per Mail an info@grosse-freiheit-gescher.de möglich.

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