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Klaus Schonnebeck (SPD) möchte Bürgermeister werden

Unter vollen Segeln ins Rathaus

Gescher. „Utbüxer“ heißt das Boot, das im holländischen Balk am Slotermeer im Hafen liegt. Sein Eigentümer ist Klaus Schonnebeck. Dorthin zieht es den Gescheraner, wenn er eine Auszeit vom Alltag braucht. Segeln ist seine Leidenschaft: „Das Gefühl, sich mit Naturkräften von A nach B bewegen zu können, mit dem Wind um die Nase – ich liebe das“, sagt der 53-Jährige. Jeder Segeltörn sei für ihn wie ein kleiner Urlaub, ohne Anlaufzeit. In diesem Jahr allerdings ist das 7,50 Meter lange Segelboot meist im Hafen vertäut. Das liegt zum einen an den Corona-Beschränkungen, zum anderen an den zeitlichen Möglichkeiten des Gescheraners. Klaus Schonnebeck ist Bürgermeisterkandidat der SPD und macht Wahlkampf. Unter dem Motto „Klaus für Gescher“ sucht er Kontakt zu den Bürgern – persönlich, soweit es die Gesamtlage erlaubt, oder virtuell über das Format „Plausch im SPD-Café“. Das Bürgermeisteramt sei eine große Aufgabe, vor der er Respekt habe. „Aber ich kann das“, sagt Schonnebeck.

Jürgen Schroer

Auf seinem Segelboot „Utbüxer“ lässt sich Klaus Schonnebeck gerne den Wind um die Nase wehen und findet so Entspannung. Foto: privat

Sein Selbstvertrauen bezieht der gelernte Bauingenieur auch aus der Erfahrung, mit Rückschlägen und schwierigen Situationen umgehen zu können. In diese Kategorie gehört ganz bestimmt der Unfall, der sich im September 2012 zugetragen hat: Beim Landeanflug in den Alpen klappte Schonnebecks Gleitschirm aufgrund von Turbulenzen zusammen, er stürzte ab. Seitdem ist Schonnebeck querschnittsgelähmt, sitzt im Rollstuhl. „Es ist, wie es ist“, sagt Schonnebeck. Vom Kopf her sei er sehr schnell mit den neuen Lebensumständen klargekommen. Ein Jahr war der Gescheraner arbeitsunfähig, musste sich auch beruflich neu orientieren. Heute arbeitet er als Bauingenieur beim Landesbetrieb Straßen NRW im Brückenbau.

Gebürtig stammt Schonnebeck aus Velen und lebt mit seiner Frau Petra seit 2008 im Eigenheim auf der Lindenstraße. Hier fühlt sich das Paar wohl, genießt den Blick von der Terrasse auf Schwimmteich und Garten. Politisch interessiert war der 53-Jährige immer schon, aktiv geworden und in die SPD eingetreten ist er erst 2015. „In der Kommunalpolitik hat mir einiges nicht gepasst“, sagt er. Man hätte das Alte Kutschenmuseum kostengünstig zur Bücherei umfunktionieren können und das neue Sportzentrum nicht zum Ahauser Damm verlagern dürfen. Solche Entscheidungen hätten ihn bewogen, selbst aktiv zu werden. „Und die SPD hat mir am besten gefallen“, so Schonnebeck. Heute ist er Mitglied im Bauausschuss und im Ausschuss für Infrastruktur, Landwirtschaft und Umwelt (ILU).

Dass in Politik und Verwaltung einiges besser laufen kann als jetzt, davon ist Schonnebeck überzeugt. Er möchte, dass Fraktionen und Bürger früher in Entscheidungsprozesse eingebunden werden und Dinge transparenter gestaltet werden. Das Team im Rathaus sei gut, könne aber noch besser und effizienter sein. „Ich bin ein Team-Mensch“, sagt Schonnebeck und setzt auf Eigenverantwortung, Wertschätzung und eine gute Kommunikation in der Stadtverwaltung.

Einige aktuelle Entscheidungen sieht der SPD-Kandidat kritisch. Bei der Planung eines Rettungszentrums zum Beispiel möchte er „bei Null“ anfangen und die Bedarfe klären. Er könne sich vorstellen, dass ein Neubau sogar günstiger sei als der Umbau der angekauften Halle. Auch die Modernisierung und Erweiterung des Altstandortes sei eine Option. Das Projekt Theatersaal möchte Schonnebeck ebenfalls „nicht so laufen lassen“ und abspecken, um den ursprünglichen Kostenrahmen einzuhalten. Skeptisch sieht der SPD-Mann auch das Thema Wirtschaftswegeverband: Anstelle dieses Modells sei es besser, die Grundsteuer A anzuheben und den Ansatz im Haushalt für innerstädtische Straßen und die Wege im Außenbereich insgesamt zu erhöhen. Für anstehende Projekte möchte Schonnebeck verstärkt Fördertöpfe anzapfen.

Als gewinnbringend empfindet der SPD-Mann die Wahlkampfzeit durch die vielen Kontakte und Gespräche mit Gescheranern: „Da erfährt man viel“, sagt der 53-Jährige. Zeit fürs Segeln bleibt da kaum, fürs Handbiken aber schon. 45 000 Kilometer, schätzt er, hat er damit seit 2013 zurückgelegt. Wahrscheinlich würde er damit auch als Bürgermeister häufig unterwegs sein, denn: „Beim Fahrradfahren kann ich am besten denken“.

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