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Familie Mehring erforscht das Moor

Von blauen Fröschen und Beeren

HochmooR

Anton und Johannes laufen vorweg und erkunden den Weg – die anderen folgen ihnen durchs Moor. Mit drei Generationen hat sich Familie Mehring aus Coesfeld auf Entdeckungstour durch die Fürstenkuhle begeben: Mutter Elisabeth Mehring mit ihren Kindern Josefine (2 Jahre), Johannes (7) und Anton (8) sowie deren Großeltern Margret und Ludger.

Von Falko Bastos

Entdeckungstour mit drei Generationen: Naturführerin Magdalena Heinze (l.) führte Elisabeth Mehring mit ihren Kindern Johannes, Anton und Josefine und ihren Eltern Ludger und Margret durch das Moor. Foto: Fotos: fab

„Die Uroma hat noch mit Torf geheizt“, weiß Margret Lütke Scharmann ihren Enkeln zu berichten. Der Torfabbau ist längst Geschichte, seit 80 Jahren ist hier Naturschutzgebiet. Naturführerin Magdalena Heinze führt über den zwei Kilometer langen Rundweg, der für Familien mit Kindern gut zu bewältigen ist. „Manche gehen hier sogar mit dem Kinderwagen durch“, berichtet Heinze. Dabei ist der Trampelpfad durch das Moor an vielen Stellen nur einen guten halben Meter breit. Das Besondere ist aber das Gefühl unter den Füßen. An einigen Stellen ist die Torfschicht mehr als einen Meter dick, hier läuft man mit Federung.

Zu entdecken gibt es hier unter anderem den Riesen unter den Winzlingen: die große rote Waldameise. Die größeren Waldbewohner halten sich heute eher im Hintergrund, hinterlassen aber trotzdem ihre Spuren. Anton und Johannes entdecken ein Mauseloch, und eine aufgepickte Birkenrinde zeugt von den Spechten, die hier erst auf Brautschau und dann auf Nahrungssuche gehen. Der Trommelwirbel des Buntspechts sei Teil des Imponiergehabes des Männchens, um eine Partnerin zu finden. „Oder einen Partner“, fügt Anton hinzu. Auch die selteneren Grün- und Schwarzspechte leben hier. „Und dann gibt es noch den Schluckspecht“, scherzt der Opa.

Zwischen dichten Farnen schlängelt sich der Weg durch den Wald. Vorbei geht es an den alten Entwässerungsgräben, mit denen das Moor früher trockengelegt wurde. Heute sind die Gräben dicht, um die Feuchtigkeit im Moor zu halten. Damit leistet die Fürstenkuhle ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Mooren in Deutschland einen positiven Beitrag zum Klima. An einer Stelle lässt sich die Feuchtigkeit mit Händen greifen. Magdalena Heinze greift etwas Torfmoos. Trotz der Trockenheit der letzten Wochen tröpfelt das Wasser, als sie das Moos auswringt wie einen Schwamm. Nur wenige Pflanzen fühlen sich in dieser Umgebung wohl. Dazu gehört auch die Blaubeere, die sich im Birkenwald in riesigen Teppichen ausbreitet. Rund um den Weiher beginnt die Besenheide langsam sich zu verfärben.

Das kann auch ein ganz besonderer Bewohner. Für wenige Tage im Jahr verfärben sich die Männchen des Moorfroschs blau. Im Frühjahr kann man hier einem einzigartigen Naturschauspiel lauschen. Denn dann liefern die äußerst seltenen Moorfrösche ein Hochzeitskonzert. Blicken lassen sie sich heute nicht. Auch sonst ist hier saisonbedingt eher wenig los. Im Frühjahr rasten hier viele Vögel auf der Durchreise, auch eine Vielzahl von Libellenarten lebt hier. Heute wirkt der See wie ausgestorben, was dem Ausblick vom Steg aber keinen Abbruch tut.

Manchmal sind es aber auch die Dinge, die man nicht sieht, die den Reiz eines Ortes ausmachen. „Hier ist richtig frische Luft“, stellt Anton fest. Und die Naturführerin zeigt, dass er recht hat. Denn die Flechten an den Birken seien der ideale Indikator für gute Luftqualität. Gut zwei Stunden dauert der Rundweg, wenn man sich Zeit nimmt, die Natur zu entdecken. „Es war sehr schön“, kann Mutter Elisabeth Mehring das Ausflugsziel für Familien weiterempfehlen. „Das meiste wäre mir ohne Führung gar nicht aufgefallen.“

7 Rätselfrage: Welche fleischfressende Pflanze wächst am See (Antwort auf der Infotafel am Aussichtssteg)? | Nächste Folge am kommenden Dienstag unter Darup über einen besonderen Rundweg in den Baumbergen

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