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Drastisch gestiegene Lebenshaltungskosten machen Leuten zu schaffen

Von Resignation bis Pragmatismus

Gescher

Die Inflation durch gestiegene Energie- und Lebensmittelkosten beschäftigen die Menschen in allen Regionen der Republik und in allen Altersgruppen. Eine Zufallsbefragung in der Gescheraner Innenstadt offenbarte, dass die Bürger das auch durchaus differenziert und nicht immer nur negativ kommentierten.

Von Elvira Meisel-Kemper

Silvia Steinebach und ihr Freund – hier in Geschers Innenstadt – ärgern sich am meisten über die hohen Lebensmittelpreise.

Jens Hesterwerth ist ein junger Familienvater, der in Velen im eigenen Haus wohnt. Er hat das Glück, einen Firmenwagen fahren zu dürfen, sodass er auf Kosten seiner Firma tanken und fahren kann. „In unserem Haus haben wir eine Ölheizung. Da hält man schon die Augen offen und vergleicht die Preise“, ergänzt er ganz pragmatisch seine Reaktion auf die gestiegenen Energiekosten. Eigentlich hatte er auch geplant, mit seiner Frau und der kleinen Tochter ein paar Tage wegzufahren. Stattdessen bummelten sie jetzt lieber durch Gescher und haben auf eine Reise verzichtet. „Wir wollen erst mal abwarten, wie sich alles preislich entwickelt. Das eingesparte Geld legen wir erst mal zurück. Im Alltag kaufen wir aber weiterhin das, was wir brauchen und verzichten auf nichts“, ergänzte Hesterwerth.

Einige resignierte Stimmen konnten ebenfalls eingefangen werden. „Wir können ja doch nichts ändern“ und „Damit müssen wir leben“ äußerten sich einige andere Bürger, die ihren Namen nicht nennen wollten und auch weiter keine Begründung für diese Haltung abgeben wollten.

Offensichtlich wird am Eisschlecken bei diesen warmen Temperaturen nicht gespart. Christian Bäings selbstgemachtes Eis ist immer noch gefragt. „Alles läuft normal. Die Leute gönnen sich gern was Gutes“, stellt Bäing fest. Zum Jahresanfang und damit vor der Inflation und dem Ukraine-Krieg hatte er den Preis für eine Kugel Eis auf 1,20 Euro erhöht, dabei möchte er vorerst bleiben. „Wenn die Preise steigen, kaufe ich eben auf Vorrat ein. Ich halte an dem jetzigen Preis fest, solange es geht“, ergänzte er.

Ein ganz anderes Problem beschäftigte ihn umso mehr. Seit dem Ausbruch von Corona im Frühjahr 2020 hat er sein Eiscafé geschlossen und verkauft nur noch Eis auf die Hand: „Ich finde kein Personal mehr für den Service. Aber mit ,Eis to go’ und ein bis zwei Angestellten klappt das auch so.“

Silvia Steinebach aus Gescher beschäftigen die Lebensmittelpreise besonders, da sie kein Auto besitzt und zur Miete wohnt „Ich achte mehr auf günstige Angebote. Die Chips sind ganz schön teuer geworden“, bedauert sie mit einem Schmunzeln.

Eine ganz andere und eher positive Sichtweise äußerte Elke Elberfeld, die ebenfalls in Gescher wohnt. „Stöhnen bringt uns nicht weiter. Wir persönlich müssen zum Glück nicht auf den Cent achten. Wir heizen als Mieter mit dem Kamin. Und mein Mann hat einen Firmenwagen, mit dem er immer fährt.“ Im Bekanntenkreis und in der Familie sehe sie allerdings schon die Probleme, die mit den stark gestiegenen Preisen für Lebensmittel und Energie verbunden seien. In Prospekten schaue sie verstärkt nach Sonderangeboten.

Eine repräsentative Umfrage kann und will dies nicht sein. Die Aussagen zeigen aber die unterschiedlichen Reaktionen auf die massiven Preissteigerungen.

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