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Einzelhändler entwickeln im Lockdown individuelle Verkaufsstrategien

„Wir müssen da durch“

Gescher. Einig sind sich alle Einzelhändler darin, dass nur ein konsequenter Lockdown dazu beitragen kann, dass die Infektionszahlen in der Bevölkerung sinken. „Wir müssen da durch“, sagt Theo Gödde, Inhaber des Geschäftes Schuh + Sport Gödde, wohl wissend, dass er aktuell nur einen Bruchteil des gewohnten Umsatzes erzielen könne. Seit dem 16. Dezember 2020 mussten die Einzelhandelsgeschäfte nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im März 2020 ein zweites Mal schließen.

Manuela Reher

Bei Schuh + Sport Gödde läuft viel per Onlineversand. Das Bild zeigt die Mitarbeiter Joel Vierhaus und Petra Heidemann beim Verpacken. Foto: az

Zunächst soll dieser Lockdown bis zum 31. Januar 2021 dauern. „Wir können nur ein Stoßgebet sprechen, dass sich alle an die Auflagen halten, um die Pandemie einzudämmen“, sagt Theo Gödde. Bereits beim ersten Lockdown hat er seine Ware vor allem über sein eigenes Online-Portal verkauft. Es gibt weiterhin einen Abholschalter und einen Versandservice.

Die Schuhe im Schaufenster sind nummeriert, um auch älteren Menschen zu ermöglichen, per Telefon die Waren zu bestellen. Für das Gödde-Team bedeutet das aber auch einen erheblichen Mehraufwand. Die Pakete müssen im Laden versandfertig gemacht werden. Falls die Ware vom Kunden zurückgeschickt werde, weil diese nicht gefalle oder in der Größe nicht passend sei, sei dies mit weiteren Kosten verbunden.

Theo Gödde ist sich sicher, dass sich durch die Corona-Pandemie die gesamte Einzelhandelslandschaft massiv verändern werde. Glaube man den landesweiten Prognosen, würde das für Gescher bedeuten, dass fünf bis zehn Läden für immer schließen müssen. Keine hoffnungsvolle Perspektive.

Julia Ganten, Inhaberin von Uhren, Optik, Schmuck Ganten, darf weiterhin im Bereich Augenoptik in vollem Umfang tätig sein. Sie vereinbart mit ihren Kunden im Vorfeld einen Termin im Geschäft. Es dürfe sich auch jeweils unter höchsten hygienischen Auflagen nur ein Kunde im Laden aufhalten, erläutert sie.

Die Öffnungszeiten hat Julia Ganten erheblich reduziert. Das Geschäft habe aktuell montags bis freitags von 16 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Schmuck kann der Kunde online bestellen. Der wird ihm dann nach Hause geliefert oder kann auch im Laden abgeholt werden. Julia Ganten versucht, das Beste aus der Situation zu machen. „Es gibt Branchen, die es viel schlechter getroffen haben als wir“, sagt die Geschäftsfrau mit Blick auf die Gastronomie.

Michael Dölle, Inhaber des Fachgeschäftes Hänser-Diehl, in dem Schreibwaren, Bürobedarf, Geschenk- und Dekorationsartikel, modische Accessoires und Taschen sowie hochwertige Kinderbekleidung zum Sortiment gehören, darf immerhin noch seinen Postschalter offen halten. Weil dieser im hinteren Bereich des Ladens liegt, sehen die Postkunden das Sortiment beim Gang durch das Geschäft. Auf diese Weise könnten die Kunden Waren online oder telefonisch bestellen und an einem Schalter abholen.

Hans Engler, Marktleiter vom Hagebaumarkt Frieling, darf das Geschäft nur für Gewerbetreibende öffnen. Daher seien auch die Geschäftszeiten begrenzt worden: montags bis freitags von 8.30 bis 17 Uhr. Nur wer sich mit einem Gewerbeschein ausweisen könne, werde eingelassen. Und ein Elektriker dürfe dann auch nur solche Waren einkaufen, die mit seinem Gewerbe zu tun hätten, also nicht etwa Farben oder Tapeten.

Die Einhaltung der Regeln zum Schutz vor dem Corona-Virus würden streng kontrolliert. „Jeder kennt die aktuelle Infektionslage. Wir müssen die Zähne zusammenbeißen und gemeinsam durchhalten“, betont Hans Engler. Er habe festgestellt, dass das Verständnis in der Kundschaft und in der Bevölkerung insgesamt sehr groß sei. Das bestätigt auch Werner Tenkamp vom Landmarkt Bibo-Natur, der sein Geschäft wie auch schon beim ersten Lockdown des Einzelhandels geöffnet halten darf, weil er unter anderem auch Lebens- und Futtermittel verkauft. Die meisten Kunden würden sich daran halten, nicht nur im Geschäft selbst, sondern – wie vorgeschrieben – auch schon auf dem Parkplatz ihre Alltagsmasken zu tragen. „Das klappt hervorragend und gehört mittlerweile schon zur Routine beim Einkaufen“, sagt Tenkamp. Niemand hätte es im März 2020 für möglich gehalten, dass das Corona-Virus den Alltag noch bis ins Jahr 2021 beherrscht. Noch sei leider keine Ende abzusehen.

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