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Gaststätte Vörding in Holtwick schließt zum Jahresende den Betrieb

„Abschiedstournee“ nach 146 Jahren

Holtwick

Es ist eine ganz besondere Stimmung, die sie aktuell wahrnehmen. „Ein bisschen wie eine Abschiedstournee. Stammtische, Vereine und Nachbarschaften, die hier regelmäßig vor Ort waren, wollen ihre letzten Besuche genießen“, berichtet Thomas Vörding von der gleichnamigen Holtwicker Gaststätte. Zum Teil werde auch schon gemeinsam in alten Erinnerungen geschwelgt. Immerhin müssen sich die Stammtische im nächsten Jahr einen neuen Ort zum Zusammenkommen suchen. Am 31. Dezember 2021 läuft die Schank-Erlaubnis aus, dann schließt die Gaststätte Vörding endgültig ihre Türen.

Von Leon Eggemann

Noch hat die Gaststätte Vörding bis zum Ende des Jahres geöffnet. Dann werden die Türen geschlossen. Foto:

Damit verliert Holtwick ein wahres Urgestein des Dorflebens. Schließlich befindet sich der Betrieb seit 1875 im Familienbesitz. Festgehalten auf der originalen Urkunde, die noch immer in der Gaststätte aushängt. Dort heißt es: Das Landratsamt Coesfeld erteilt dem Haus Vörding die Auflage „jeder Zeit gutes Bier zum Ausschank bereit zu halten“. Nach 146 Jahren ist damit nun Schluss. „Natürlich ist uns dieser Schritt nicht leicht gefallen. Wir verbinden viele schöne Erinnerungen mit unserer Gaststätte“, betont Ludwig Vörding. In persönlichen Schreiben wurden Nachbarschaften und Vereine bereits über die Gründe hinter dieser Entscheidung informiert.

Überlegungen, wie die Zukunft des Hauses aussieht, gäbe es schon länger, wie Thomas Vörding verrät. „Nicht zuletzt, weil meine Eltern schon über 70 Jahre alt sind und beide zurzeit noch voll im betrieblichen Ablauf eingebunden sind“, schildert er. Darüber hinaus habe aber vor allem die Suche nach Fachkräften den Gaststätten-Betreibern zu schaffen gemacht. „Für Festeinstellungen sind die Wochenend-Stunden zu wenig. Aushilfen für Service, Küche und Raumpflege sind kaum zu finden“, zählt der 39-jährige Holtwicker, der 2012 den Betrieb von seinen Eltern übernommen hat, auf. Diese Entwicklung sei von der Coronapandemie noch weiter bestärkt worden. „Wirklich eine Sau-Zeit. Es hagelte viele Absagen und auch die Besucherzahlen waren eingeschränkt“, fasst es Ludwig Vörding zusammen.

Was nun mit den 650 Quadratmeter großen Räumlichkeiten passiert, steht noch in den Sternen – wobei die Familie besonders eine Variante bevorzugt. „Es wäre natürlich schön, wenn jemand die Gaststätte kauft und weiter betreibt – auch für den Ort und seine Menschen“, erklärt Margret Vörding. Gerüchte, die aktuell im Dorf herumgeistern und besagen, dass bereits ein Nachfolger für eine Übernahme der Wirtschaft in den Startlöchern steht, dementieren die Betreiber. „Da ist absolut nichts dran“, macht Ludwig Vörding deutlich. Zumal man sich auch vorstellen könne, dass die Räumlichkeiten künftig in Wohnungen umgebaut werden. Nur eines sollte nicht passieren: „Wir brauchen nicht noch ein leerstehendes Gebäude in Holtwick. Dafür wäre es auch zu schade“, sind sich alle drei einig.

Bis die Gaststätte endgültig ihre Pforten schließt, hat die Familie noch vier Monate Betrieb vor sich. „Diese Zeit wollen wir natürlich noch genießen“, lächelt Thomas Vörding – in der Hoffnung, bei der Abschiedstournee noch möglichst viele Personen in der Gaststätte begrüßen zu dürfen.

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