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Trio aus Rosendahl sammelt mit selbst hergestellten Friedenstauben mehrere tausend Euro für die Ukrainehilfe

Ausgeflogen nach nur 37 Minuten

Osterwick

Andreas Wegmann betätigt einen einzigen Schalter. In diesem Moment entzündet sich am Kopf des Metallschneiders ein wahres Feuerwerk. Funken fliegen und blaue Laserstrahlen treffen auf die darunterliegende Platte. In Windeseile fährt der Kopf eine programmierte Linie ab. Es dauert nur wenige Sekunden, bis die Maschine das Werk vollbracht hat: eine Friedenstaube, rund 30 Zentimeter groß, mit einem Olivenzweig im Schnabel. Was Wegmann an diesem Abend gemeinsam mit Manuel und Annelen Klaas präsentiert, war in den vergangenen Wochen die große Aufgabe für die drei Rosendahler. Die Idee: Metalltauben anfertigen und zugunsten der Ukrainehilfe verkaufen. Was anfangs als spontaner Einfall im Raum stand, zog immer weitere Kreise. „Geplant war, dass wir rund 50 Tauben verkaufen“, erzählt Manuel Klaas. Wie groß die Begeisterung für die Aktion war, sprechen die Zahlen: 700 Exemplare hat das Trio – das von einer großen Gruppe aus Familie und Freunden unterstützt wurde – verkaufen können. Und die Spendensumme kann sich mehr als sehen lassen.

Von Leon Seyock

Anfangs wollten Annelen Klaas (v. l.), Manuel Klaas und Andreas Wegmann 50 Friedenstauben aus Metall anfertigen und für den guten Zweck verkaufen. Die Aktion lief so gut, dass daraus 700 wurden. Angefertigt haben die Rosendahler die Tauben mit einem selbstgebauten Metallschneider in der heimischen Werkstatt in Höven Foto: . Fotos: Leon Seyock

Aber von Anfang an. Seinen Ursprung findet die Geschichte in der Werkstatt der Familie Klaas in Höven. Manuel Klaas hat während der Corona-Pandemie gemeinsam mit Andreas Wegmann mehrere Monate lang eine Maschine erbaut, die Metall schneiden kann. „Ich dachte, so etwas kann man immer gebrauchen“, zuckt Klaas mit den Schultern und lacht. Da er selbst im Maschinenbau und Wegmann in der Elektrotechnik tätig ist, war es für die beiden ein leichtes Spiel, die Maschine an den Start zu bringen. „Für uns stand nur dieses Projekt im Vordergrund, es war ein netter Zeitvertrieb in der Pandemie. Wir haben uns wie Bolle gefreut, als die Maschine dann tatsächlich lief“, erzählt Wegmann freudig.

Anfang März, vor rund sechs Wochen, war die Maschine betriebsbereit. Klaas: „Wir haben dann verschiedene Dinge ausprobiert, unter anderem hatten wir die Vorlage einer Friedenstaube. Diese haben wir aus Metall ausgeschnitten und schon kam der Stein ins Rollen.“ Sofort war die Idee da, „die Sache größer zu machen“ und mit dem Verkauf Spenden für die Ukraine zu sammeln. „Natürlich hätten wir 100 Euro an die Ukrainehilfe spenden können. Wir wollten aber mehr und haben von dem Geld eine Metallplatte gekauft, um Tauben daraus auszuschneiden“, berichtet Wegmann.

Im Handumdrehen war die Schwester von Manuel Klaas – Annelen Klaas – mit im Boot, die sich als Mediengestalterin um das Marketing gekümmert hat. „Es waren sofort alle begeistert“, erzählt sie in fröhlicher Runde in der Werkstatt. Über Verwandte und Bekannte wurden die Tauben, ausgestattet mit einem Stecker für das heimische Beet, im Landhandel Niehues und Unikat in Holtwick, im Rosenzentrum Westmünsterland in Osterwick und bei Glockenstadt Reisen in Gescher verkauft. „Bei Unikat hat es 37 Minuten gedauert, bis dort alle 25 Stück ausverkauft waren“, sagt Annelen Klaas und lacht. Dass es also nicht bei einer Charge bleiben kann, war den dreien schnell klar. In drei weiteren Fuhren haben sie Friedenstauben in zwei verschiedenen Größen angefertigt – bis sie auf 700 gekommen sind. Die Aktion hat sich so schnell herum gesprochen, dass auch Relt Maschinenbau aus Billerbeck und Glanemann Stahlhandel aus Legden davon Wind bekommen haben: Sie haben kurzerhand die Metallplatten gespendet. „Sogar bis nach Bayern und Norddeutschland sind die Tauben ausgeflogen“, freut sich Annelen Klaas.

Eine große Hilfe sei den dreien die „Rentnertruppe“ aus Familie und Freunden gewesen, sagt sie und blickt in Richtung Grill, an dem sich bei einem kleinen Fest als Dank die Truppe an diesem Abend versammelt. Denn nach dem Ausschneiden der Tauben hätten die Stecker montiert und die Ränder abgeschliffen werden müssen.

Jetzt, nachdem der Kopf der Maschine insgesamt über einen Kilometer zurückgelegt hat und die Aktion beendet ist, sind die Blicke in der Runde staunend und ungläubig, als die drei Initiatoren der Aktion das finale Ergebnis verkünden: 7600 Euro sind zusammengekommen, die an die Aktion „Deutschland hilft“ gehen. Eine beispiellose Aktion.

Und während die Gruppe beisammensteht und die letzten Sonnenstrahlen des Tages genießt, sagt Andreas Wegmann bedächtig: „Vielleicht sollten wir eine Friedenstaube auch zu Putin schicken...“

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