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Christus-Statue kehrt nach mehrmonatiger Restaurierung nach Holtwick zurück

Er hat die Kreuzstraße wieder im Blick

Holtwick

Noch ist es ruhig an diesem Vormittag auf der kleinen Wiese an Kreuzstraße in Holtwick. Doch das soll sich in wenigen Minuten ändern. Alice Kleyboldt öffnet die Kofferraumklappe ihres Autos und schlägt eine Decke um. Zum Vorschein kommt das Haupt von der Christus-Statue, die sie in den vergangenen Monaten aufwendig in ihrer eigenen Werkstatt in Rorup restauriert hat. Die Beine der rund 50 Kilogramm schweren Figur ragen bis zwischen die Fahrersitze. Gut gepolstert hat der Christus die Fahrt von Rorup bis nach Holtwick überstanden. Schon von Weitem sind derweil Mitarbeiter des Bauhofs zu hören, die auf einem Trecker, der mit einem Korb an der Schaufel ausgestattet ist, zum Ort des Geschehens kommen. Ihre Mission an diesem Vormittag: die Statue wieder an ihren Platz bringen. Dort, an der Kreuzstraße, wo der Christus schon seit Jahrzehnten thront.

Von Leon Seyock

Vorsicht ist geboten bei der Anbringung der Christus-Statue an ihrem Stammplatz. Mehrere Monate lang hat Alice Kleyboldt (r.) die Figur restauriert. Nun erstrahlt die Statue in neuem Glanz und wurde gestern von Herbert Wolter (l.) und Willi Brüggemann angebracht. Foto: Leon Seyock

Rückblick: Ende Juni war es, als der Bauhof die Holzfigur abgenommen hat. Starke Beschädigungen waren vor allem am Kopf und auf der Lendenschürze zu sehen. „Holz im Außenbereich ist eben endlich“, weiß die Restauratorin. Besonders Regenwasser und Wind haben der Figur mit der Zeit ordentlich zugesetzt. Diese Fehler auszugleichen und die Figur neu einzuölen war die Aufgabe der selbstständigen Restauratorin. Rund 60 Stunden Arbeit, so schätzt sie, hat Kleyboldt darin investiert.

Und das hat sich gelohnt, wie Verwaltungsmitarbeiterin Marita Kortüm gestern vor Ort urteilt: „Die Figur sieht ja aus wie neu!“ Auch Nachbarn hat der Rummel auf dem kleinen Platz auf den Plan gerufen, die neugierig aus dem Fenster schauen oder gleich vorbeikommen, um Fotos zu machen. „Das ist ja auch ein ortsprägendes Bild, und mehrere Monate fehlte die Statue hier“, erklärt Kortüm.

Alice Kleyboldt ist gerade damit beschäftigt, die Arme der Figur anzuschrauben. „Das konnte ich wegen des Transportes vorher ja nicht machen“, sagt sie. Kleine Stückchen von dunkelbraunem Wachs nutzt sie anschließend, um die Ritzen zwischen Arm und Schulter zu verfüllen. Denn Wasser ist eben der größte Gegner, den es zu bekämpfen gilt – mit Wachs und Leinöl, mit der sie die Figur in mühsamer Handarbeit eingepinselt hat.

Während sie die Statue im Sonnenlicht kritisch beobachtet und schnell noch zu Pinsel und Öl greift, „um letzte Stellen auszubessern“, steigen Herbert Wolter und Willi Brüggemann im Korb des Treckers in die Lüfte. Mit dabei: ein großes Dach, das über dem Kreuz montiert werden soll. Zwar habe es auch schon vorher einen kleinen Überstand gegeben, der aber zu schmal gewesen sei. Nicht einmal der Kopf der Statue sei überdacht gewesen. Das neue Dach, das aus Brüggemanns Händen entstanden ist, ist nun breiter und soll die Statue besser vor der Witterung schützen. „Ich bin wirklich dankbar für die gute Zusammenarbeit mit dem Bauhof und der Gemeinde. Denn die ist in solchen Fällen immens wichtig“, zeigt sich die Restauratorin zufrieden.

Die letzten Ritzen sind schließlich verfüllt, letzte Pinselstriche getan und die Christus-Statue bereit, um wieder an ihren Stammplatz zurückzukehren. Dann geht alles ganz schnell: Die Männer haben die Figur hoch, stellen sie mit den Füßen auf den Lader. Andreas Terwei steuert den Korb vor das Kreuz und im Handumdrehen hängt der Christus auf der richtigen Höhe. Noch die Schrauben von hinten festziehen – fertig.

„Das ist wirklich jedes Mal eine Erleichterung“, freut sich Alice Kleyboldt. Und auch die Nachbarn schauen zufrieden herüber. Ein letzter prüfender Blick darf nicht fehlen, dann ist ihre Arbeit an dieser Stelle beendet. Kleyboldt setzt sich in ihr Auto und macht sich auf den Weg zum Rosendahler Kreuz. Die Statue dort, kleiner als die an der Kreuzstraße, möchte sie aus dem Winterschlaf holen und ebenfalls wieder an ihren Platz bringen.

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