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Firma Overbeck aus Holtwick schließt zum Ende des Monats die Türen

Fenster in vier Generationen gefertigt

Holtwick

Die Hallen sind leer, Maschinen demontiert und die letzten Mitarbeiter sind in diesen Tagen damit beschäftigt, die Räumlichkeiten der Firma Overbeck am Waldweg in Holtwick besenrein zu hinterlassen. Seit mehr als 150 Jahren hat die Firma Fenster und Überdachungen angefertigt. Am 30. Juni drehen sich aber die Schlüssel im Schloss ein letztes Mal – das Unternehmen, das von Beginn an in Familienbesitz geführt wurde, schließt seine Türen. Mit einem weinenden Auge blickt Geschäftsführer Wilhelm Overbeck zurück – er freut sich aber auch darauf, in Zukunft „endlich mehr Ruhe“ zu haben – etwa für seine Leidenschaft, das Motorradfahren.

Von Leon Seyock

2100 Quadratmeter groß ist die Hallenfläche, in denen die Firma Overbeck am Waldweg in Holtwick in vier Generationen Fenster fertigte. Zum Ende des Monats schließt das Unternehmen seine Türen – ein geeigneter Nachfolger konnte nicht gefunden werden. Die Hallen wurden an die A & S Gastromöbel GmbH aus Vreden verkauft. Foto: Foto: Leon Seyock

„Wir schließen das Unternehmen altersbedingt, obwohl die Branche gerade boomt“, erläutert Overbeck. Denn in Zeiten von Corona würden viele Menschen in ihre Häuser investieren, innen wie außen. Auch Fenster und Überdachungen seien gefragt. „Wir haben aber schlicht keinen Nachfolger gefunden“, bedauert Wilhelm Overbeck. Im vergangenen Jahr sei er mehrere Monate lang mit einem Interessenten, der das Unternehmen weitergeführt hätte, im Gespräch gewesen. Mit Beginn der Pandemie sei dann aber völlig überraschend eine Mail gekommen, in der er schrieb, dass Deutschland vor einer großen Wirtschaftskrise stehen würde. „Das war eine völlige Fehleinschätzung“, urteilt Overbeck heute mit Blick auf einige Sektoren, etwa die Baubranche. Alle weiteren Bemühungen, einen Nachfolger für das Unternehmen ausfindig zu machen, seien ohne Erfolg geblieben.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1868 vom Urgroßvater des heutigen Geschäftsführers. „Er besaß damals eine Schreinerei und später ein Sägewerk, in dem er Möbel fertigte“, berichtet Overbeck. Nach dem Krieg habe er sich dann auf Fenster spezialisiert – wobei es bis heute geblieben ist. „Damals wurden die Fenster nur aus Holz gebaut, ab 1974 kam dann auch Kunststoff dazu und wiederum 13 Jahre später Aluminium“, schildert der 67-Jährige. Die Zeiten haben sich gewandelt, und heute würde es kaum noch Holzfenster geben.

Im Laufe der Jahre übernahmen der Großvater und Großonkel von Wilhelm Overbeck die Führung des Unternehmens, später sein Onkel. „Schon als kleines Kind bin ich immer hier herumgelaufen und habe in den Ferien mitgearbeitet“, erinnert er sich. Da seinem älteren Bruder der Rangfolge nach die Übergabe des Unternehmens zustand, orientierte sich Wilhelm Overbeck zunächst anders: „Ich machte eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker, holte mein Abitur nach und studierte Holzfachbau in Rosenheim. Mein Bruder wollte letztendlich die Firma aber nicht übernehmen, deshalb bin ich 1982 eingestiegen und habe sie fünf Jahre später von meinem Onkel übernommen.“

In Spitzenzeiten habe das Unternehmen Overbeck bis zu 45 Mitarbeiter beschäftigt. „Das war zu der Zeit, als wir beispielsweise für ein Objekt 3000 gleiche Fenster hergestellt haben“, weiß er. Zuletzt seien in den Hallen am Waldweg aber besonders Sonderanfertigungen und Modellfenster hergestellt worden, „normale Fenster haben wir zugekauft“, so Overbeck. Auch die Anfertigung von Überdachungen sei am Ende nicht mehr lukrativ gewesen. Acht Mitarbeiter waren bei dem Traditions-Unternehmen zuletzt beschäftigt.

„Natürlich war ich traurig, als der Interessent im vergangenen Jahr abgesprungen ist“, sagt der Holtwicker. Gerne hätte er das Unternehmen in andere Hände gelegt, „aber ich freue mich auch darauf, dass ich endlich Zeit für andere Dinge habe“, sagt der 67-Jährige und erzählt von Motorradtouren und -treffen, an denen er künftig wieder vermehrt teilnehmen möchte. „Das war mit einer 60-Stunden-Woche schließlich nicht immer möglich.“

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