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Exkursion am Holtwicker See

Fliegende Stöcke und dicke Garnelen

Holtwick

Mit einem großen Kescher fährt Marc Haddaji an der flachen Uferzone des Holtwicker Sees entlang. Jede Menge Pflanzen landen in dem Netz, aber da ist noch mehr. „Schaut mal“, ruft der Gewässerwart Lars und Timo zu. Die beiden Jungs haben sich schon ihre Schuhe ausgezogen, die Hosen hochgekrempelt und stehen mit dem Füßen im warmen Wasser. Gemeinsam schauen sie sich den Fang an: „Das sieht ein bisschen aus wie eine dicke Garnele“, findet Timo und legt seinen Finger auf das kleine Tierchen, das auf einer Alge herumklettert. „Es ist aber ganz hart“, so sein Fazit. In Wahrheit ist es nämlich keine Garnele, sondern ein Edelkrebs, wie Haddaji erklärt. Ein kleines Exemplar. Während sich die drei weiter den Inhalt des Keschers ansehen, schaut sich Vater Jens im Gebüsch um und versucht einen Frosch zu fangen, den er gerade erspäht hat.

Von Leon Seyock

Familie Büttner aus Holtwick mit Mutter Marianne, den Söhnen Lars und Timo und Vater Jens schauen, was im Holtwicker See umher schwimmt. Begleitet werden sie bei ihrer Exkursion von Marc Haddaji (2. von rechts), Gewässerwart der Petri-Jünger Holtwick, die das Areal betreuen. Foto: Leon Seyock

Ein wunderbares Stück Natur finden Spaziergänger und Ruhegenießer mit dem Holtwicker See. Rund sieben Hektar ist der alte Baggersee groß, der heute idyllisch von viel Grün umrahmt ist. Ein Wanderweg führt um den See herum, der unter anderem gern von Familie Büttner aus Holtwick genutzt wird. „Wir waren schon einige Male hier“, verrät Mutter Marianne. Auch heute hat ihr Sohn Lars seinen Lupenbecher mitgebracht, und Sabine Kalytta von den Petri-Jüngern, die den See betreuen und regelmäßig zum Angeln herkommen, hält bereits zwei Kescher bereit.

Über die schmalen Wege rennen die beiden Jungs vor, bis sie an einer lichten Stelle ankommen. „Da fliegen ganz viele Stöcke!“, ruft einer der beiden aus der Ferne und lacht. Und tatsächlich: Auf dem Wasser tanzen viele kleine, große und vor allem bunte Libellen.

Nicht lange dauert es, bis Timo und Lars es dem Gewässerwart des Vereins gleichmachen und mit den Füßen im Wasser stehen. Auch ihr Vater Jens, der hobbymäßig öfters die Angel auswirft, hat das Fieber gepackt. Unter den Uferpflanzen versteckt sich ein Frosch, den er versucht, mit den Händen zu fangen. Seine Söhne eilen herbei – und tatsächlich können sie ihn kurz auf die Hand nehmen, ehe er in einem hohen Bogen wieder ins Wasser hüpft und davon schwimmt. „Wenn man zur passenden Zeit hier ist, hört man nichts als Gequake“, wirft Marianne Büttner ein, die das Treiben vom Ufer aus beobachtet.

Zu einer kleinen Rettungsmission schreitet Lars derweil. „Ich habe eine Libelle im Wasser gefunden, die hat ganz nasse Flügel und kann so nicht mehr fliegen“, erklärt Timo und zeigt das Insekt, das auf einem Zeigefinger sitzt. Vorsichtig setzt er die Libelle auf ein Blatt, die wenig später schon wieder durch die Luft fliegt. In der Zwischenzeit hat Lars mit Marc Haddaji schon jede Menge Tierchen mit dem Kescher, aber auch mit der Hand gesammelt, die sich im Becherglas tummeln. „Wir haben ganz viele Krebse und Schnecken gefunden. Das ist mein kleines Biotop“, sagt Lars. „Ich lege noch eine Pflanz mit rein, dann fühlen sich die Tiere wohler“, weiß er. „Die Edelkrebse, die in dem Becher ihre Runden drehen, können bis zu 20 Zentimeter groß werden“, erzählt Haddaji und deutet die Größe mit seinen Händen an. Die Jungs staunen nicht schlecht.

Während die beiden im Wasser waten und jede Menge Muscheln sammeln, schweift der Blick über den See. Einen Entenfamilie schwimmt umher, in der Ferne sind Spaziergänger zu sehen, die die Aussicht genießen. „Dort vorne sind Haubentaucher auf der Suche nach Fressen“, ruft der Gewässerwart noch immer im Wasser stehend Timo und Lars zu. „Wo?“, rufen die beiden wie aus einem Mund. Haddaji lacht und erklärt, dass sie bis zu 45 Sekunden unter Wasser bleiben, um kleine Fische zu jagen. Er holt sein Handy raus und lässt 45 Sekunden rückwärts laufen. Nach einer halben Minute sind die Tiere wieder zu sehen, ehe sie im Handumdrehen wieder ins Wasser eintauchen.

Rätselfrage: Wovor warnen die Schilder im Winter, die am Schotterweg an der kleinen Parkfläche vor dem See aufgestellt sind?

Der Holtwicker See

Die Entstehung des Sees

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