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Heimatverein plant Führungen in den Osterwicker Kirchturm

Geschichte in luftiger Höhe erleben

Osterwick. Fast schon wie eine Geheimtür öffnet Gregor Deitert ein unscheinbares Tor, das sich direkt neben dem Taufbecken in der Kirche Ss. Fabian und Sebastian befindet. Von hier aus geht es über schmale Gänge und Holztreppen, insgesamt 112 Stufen, immer weiter in die Höhe – auf etwa 40 Meter, um genau zu sein. „Dort oben befinden sich im nördlichen Kirchturm die vier großen Glocken“, erzählt der Vorsitzende des Osterwicker Heimatvereins, während er sich mit Tochter Jette auf den Weg macht.

Leon Eggemann

Auf den Etagen bis hin zur Turmspitze befinden sich Luken. Dank dieser war es damals möglich, die Glocken nach oben zu tragen. Foto: az

Nach etwa der Hälfte der Strecke bleibt Deitert auf einer Zwischenetage stehen. „Auf den Weg zu den Glocken hin stolpert man schon über so viel Geschichte“, weiß er und zeigt auf die staubigen Gemäuer. „Die Mauern hier sind circa 800 Jahre alt.“ Die beiden Türme und die große Kirchkuppel seien dagegen etwas jünger. „1908 wurde der alte Grundriss der Osterwicker Kirche erweitert“, erklärt er. Aus diesem Grund weisen die jeweiligen Etagen auf dem Weg zur Turmspitze größere Luken auf. „Irgendwie mussten die schweren Glocken ja nach oben getragen werden“, berichtet Deitert. „Es ist schon erstaunlich, wie das früher schon möglich war.“ Führt man sich das Gewicht der einzelnen Glocken vor Augen, wird klar, dass die Installation der Glocken ein riesiges Unterfangen gewesen sein muss. „Die größte Glocke mit dem Namen Christus ist allein schon 2100 Kilogramm schwer“, informiert Deitert, der mittlerweile oben angekommen ist und seine Hand auf das Metall der kalten Glocke legt. Welche Besonderheit diese vier Glocken darstellen, wird erst im Hinblick auf die Geschichte deutlich. „Sie wurden das erste Mal am 1. Weihnachtstag 1945 geläutet und waren eines der ersten Geläute nach Ende des Krieges. Also vor fast genau 75 Jahren“, verrät Deitert. Die alten Glocken musste die Kirchengemeinde im zweiten Weltkrieg an die Rüstungsindustrie abgeben. Diese wurden zu Rüstungszwecken eingeschmolzen.

Im Vergleich zu seinem Gegenüber ist im zweiten Kirchturm der Weg nach oben nicht so leicht zu bewältigen. Dieser führt über mehrere Leitern. „Für die Mühe wird man aber mit einem Blick über das ganze Dorf belohnt“, schmunzelt Deitert. Er hat nicht zu viel versprochen. Oben angekommen, schweift der Blick trotz bewölkten Wetters bis zu den Ortsgrenzen hinaus. „Diese Erfahrung wollen wir in Zukunft auch den Rosendahlern anbieten“, berichtet Deitert. So plant der Heimatverein derzeit Führungen hinauf in den nördlichen Kirchturm. „Wir wollen so den Menschen die Geschichte des Ortes näherbringen“, führt der Vorsitzende aus. Bis es allerdings so weit ist, sind noch einige Arbeiten zu tun. „Unter anderem soll am Einstieg eine mobile Treppe installiert werden. Im Zwischengang wird ein Fernseher mit weiteren Informationen zum Grundriss der Kirche aufgebaut“, zählt Deitert auf. Er könne sich vorstellen, die Erkundung des Kirchturms mit weiteren historischen Stationen im Dorf als Tour zu verbinden. „Aber das ist noch Zukunftsmusik“, tritt der Osterwicker auf die Bremse. Dass dieses Angebot auf Interesse stößt, davon ist Deitert überzeugt. „Wir wurden schon teilweise nach solchen Touren gefragt“, sagt er. „Dann wird nicht mehr nur das Läuten der Glocken gehört, sondern auch die Geschichte dahinter erlebbar gemacht.“

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